Ankunft am Tempel der Sonne

Vierwöchige strapaziöse Bergtour geht zu Ende

Die peruanischen Forscher folgen den alten Inkapfaden von Santa Rosa nach Vilcabamba. In einem kleinen Gehöft unterhalb von Santa Rosa satteln Pablo und Raoul auf Maultiere um. Bis zur Ankunft am Tempel der Sonne ist es noch ein mühsamer Weg.

Maultiere sind besonders ausdauernd und widerstandsfähig. Auf dem Rücken der Mulis werden die Männer schneller voran kommen als zu Fuß mit den Lamas. Einheimische Helfer sorgen für eine weitere Erleichterung: sie bringen die Ausrüstung nach.

"Reich der vier Weltgegenden"

Reittiere waren den Inkas unbekannt. Ihre Lamas konnten nicht so schwer tragen. Das "Reich der vier Weltgegenden", das sich vom heutigen Ecuador bis weit hinunter nach Mittelchile erstreckte, wurden von gepflasterten Pfaden durchzogen. Die Expeditionsroute führt nur über einen kleinen Abschnitt dieses großartigen Wegenetzes. Es umfasste mehr als 30.000 Kilometer und bildete das Nervensystem des riesigen Inka-Imperiums.

Was mag sich damals abgespielt haben, als die Sonnensöhne auf der Flucht vor den Spaniern diese Wege hinaufstürmten? Konnten sie in den Bergnebelwäldern entkommen? Gelang es ihnen, die Pfade länger geheim zu halten? Jedem Stein, jeder Mauerspalte im Ruinenfeld Llactapatas versuchen Pablo und Raoul Auskünfte zu entlocken. Erst 2002 wurde ein Teil der Anlage entdeckt. Er ist archäologisch noch nicht ausgewertet. Könnte der verwunschene Ort auch zu den Verstecken der Inka gehören? Bei den Vermessungen fallen überall mysteriöse Löcher auf. Sie sind so alt wie die Zerstörung der Stätte.

Gnadenlose Gier nach Gold

Längst hätten die Archäologen mehr Rätsel gelöst, wären ihnen nicht so oft Raubgräber zuvor gekommen. Hier aber haben wohl schon die Spanier vor 500 Jahren geplündert. In ihrer gnadenlosen Gier nach Gold erzwingen die Konquistadoren das Einschmelzen der unersetzbaren Kunstwerke. Nach der Ermordung des Gottkönigs Atahualpa nehmen Leid und Demütigung der Inka kein Ende. Sie müssen selbst die Prachtstücke ihrer Hochkultur zu handlichen Barren verarbeiten.

34 Tage brennen die Schmelzöfen, dann ist das Zerstörungswerk vollbracht. Über 10.000 Kilogramm Gold fließen in die Hände der Spanier. Es ist der größte Schatz, der in der "Neuen Welt" je erbeutet wurde. Und dennoch: Auf verschlungenen Pfaden könnten die Inka Reste ihres Reichtums in geheime Verstecke gerettet haben. Davon sind Pablo und Raoul wie viele andere überzeugt.

Mögliche Fluchtwege

Abseits ihrer Route sind sie auf eine Art Felslabyrinth gestoßen. Im Inneren öffnen sich verschiedene unterirdische Gänge, ein ganzes Tunnelsystem? Gehört es zum verborgenen Wegnetz der Inka? Zum rettenden Fluchtweg? In den Stein sind zwei Altäre reinen Inka-Stils gehauen. Wahrscheinlich ein zeremonieller Ort. Durch ein Loch werden sie zu bestimmten Zeiten von der Sonne beleuchtet.


Pablo und Raoul sind mit ihrer Truppe im Anmarsch auf die Region Vilcabamba. Die abgeschiedene kaum zugängliche Wildnis gilt als letzte bekannte Zuflucht der Inka. 1572 erschienen hier die Spanier, vermutlich den selben Weg kommend, um die Festung einzunehmen.

Tempel der Sonne

Nach vierwöchiger strapaziöser Bergtour durch Cordillera und Regenwald und tief ergriffen von der spirituellen Kraft des Ortes, halten Pablo und Raoul inne. Yurak Rumi ist einer der bedeutendsten Kultbauten des alten Reiches. Die Indianer nannten ihn Tempel der Sonne. Hiram Bingham entdeckte das Heiligtum im selben Jahr wie Machu Picchu. Wie ihr berühmter Vorgänger folgen auch die peruanischen Forscher den alten Inka-Pfaden. Aus Erfahrung wissen sie, dass sogar ganze Komplexe, wie diese grandiose Bergfestung bis in unsere Tage übersehen wurden.


Mit ihrer Wanderung von der Goldschmelze Curamba zur letzten Fluchtburg wollten sie die geistige Welt der Sonnensöhne vor ihrem inneren Auge lebendig werden lassen, intuitiv neue Zusammenhänge erfassen. In ihrem Köpfen reift die Vorstellung von einem großem Netzwerk, dessen Stränge noch im Dunkeln liegen.

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