Ansturm aus dem Osten

Die stärkste Großmacht der Antike gerät in Bedrängnis

Fast 30 Jahren lebten die Westgoten als Verbündete der Römer auf deren Territorium. Sie hatten Schlachten für das Imperium geschlagen und Siege errungen. Doch im Jahr 402 bedrohten sie Oberitalien - nicht ohne Grund.

Gotisches Heer unter Führung von Alarich (Spielszene) Quelle: ZDF

Als die Hunnen 375 aus den Tiefen der zentralasiatischen Steppen nach Europa vorstießen, flohen die Westgoten mit römischer Erlaubnis über die Donau in die sicheren Gebiete des Imperiums. Doch entgegen allen Versprechungen blieb ihre Lage schlecht. Sie mussten Hunger leiden und wurden von den Römern drangsaliert.

In der ersten Reihe

394 brauchte man die gotischen Kämpfer. An der Seite des oströmischen Kaisers Theodosius errangen westgotische Verbände unter ihrem Anführer Alarich einen Sieg gegen den unrechtmäßig auf den weströmischen Thron gelangten Eugenius. Viele Goten fielen, denn die Römer setzten sie in vorderster Front ein. Trotz ihrer Verdienste litten Alarichs Leute weiter unter den harten Lebensbedingungen


Alarich wurde zwar zum Heermeister ernannt und sein Volk durfte in Makedonien siedeln, doch der Mangel blieb. Im Jahr 402 wehrten sich die Goten schließlich auf ihre Weise. Sie zogen nach Oberitalien, um auf eigene Faust besseres Land zu finden. Der in Mailand herrschende weströmische Kaiser Honorius verlegte daraufhin seine Residenz in das sichere Ravenna.

    Flavius Honorius, geboren am 9. September 384 in Konstantinopel, war der Sohn von Kaiser Theodosius I. (386 verstorben) und dessen Frau Augusta Aelia Flavia Flacilla. Sein Bruder war Flavius Arcadius (geboren 377, gestorben 408; oströmischer Kaiser 395 - 408). Von 395 bis 423 herrschte er über das weströmische Reich. Er starb kinderlos im Jahr 423.

Unter Verdacht

Zum damaligen Zeitpunkt war Honorius noch minderjährig. Sein Vormund, der weströmische Heermeister Stilicho, ein Vandale, führte für ihn die Amtsgeschäfte. Stilicho gelang es schnell, die Westgoten aus Oberitalien zurückzudrängen. Er traf mit ihnen eine neue Vereinbarung, versprach ihnen gutes Land und machte sie wieder zu Verbündeten. Alarich vertraute Stilicho. Doch wieder wartete sein Volk jahrelang auf Besserung.


Doch nach dem Tode des oströmischen Kaisers Arkadius, des Bruders von Honorius, mischte sich Stilicho in die Nachfolge-Frage zu massiv ein. Er wurde zum Staatsfeind erklärt. Man warf ihm Verrat vor. Auch seine besonderen Beziehungen zu den Westgoten ließen ihn verdächtig erscheinen. Strebte er vielleicht nach der Alleinherrschaft im Gesamtreich? Stilicho eilte aus Rom nach Ravenna, um die Vorwürfe zu entkräften.

Auf verlorenem Posten

In einer Kirche suchte er Unterschlupf. Als Staatsfeind schützte ihn nur noch das Kirchenasyl. Inzwischen aber hatte sein Gegenspieler, der Höfling Olympius, die Gunst des Herrschers gewonnen. Im Vertrauen auf das jahrelange persönlich wie politisch gute Verhältnis zu Kaiser Honorius ließ sich Stilicho durch ein Garantieschreiben aus der Kirche locken - ein fataler Fehler. Er wurde umgehend hingerichtet. Ein schwerer Schlag auch für die Westgoten: Damit hatten sie ihren "Vertrauensmann" auf römischer Seite verloren.

Stilicho in einer Kirche (Spielszene) Quelle: ZDF

Der Tod Stilichos war darüber hinaus auch das Ende einer Fremdvölker-Politik, die auf Ausgleich durch Integration gesetzt hatte. Senator Olympius strickte nun an seiner Karriere. Mit radikalem Vorgehen gegen Ausländer, vor allem gegen germanisch-stämmige Einwohner, profilierte er sich - mit dem Ziel, mit aller Gewalt das Einwandern anderer Völker verhindern. Er ließ nicht nur Stilichos Familie, sondern auch fast alle seiner Vertrauten umbringen. Die in der Folge stattfindenden Übergriffe entfesselter Mordbanden auf germanische Bewohner Roms waren deshalb ganz in seinem Sinne. Die Goten schienen auf verlorenem Posten. Doch Alarich hatte einen Plan.

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