Antarktischer Frühling

Pinguine und Robben am Südpol

Die Meereisschmelze in der Antarktis beginnt zur Tag- und Nachtgleiche im Frühjahr um den 21. September. Während der folgenden fünf Monate schmelzen über 80 Prozent des Meereises. Der Ozean beginnt zu blühen, und die Tierwelt folgt dem zurückweichenden Eis nach Süden.

Königspinguine auf Südgeorgien
Königspinguine auf Südgeorgien Quelle: ZDF/Ian McCarthy

Am schnellsten verschwindet das Eis auf der Antarktischen Halbinsel, die wie ein Pfannenstiel nach Norden ragt und von mehreren Inseln umgeben ist. Nicht mehr als 0,32 Prozent des antarktischen Kontinents werden eisfrei, und der größte Teil davon liegt auf der felsigen Halbinsel.

Halbinsel der Pinguine

Vom Eis befreit und mit einem milderen Klima gesegnet als der Kontinent, ist die antarktische Inselwelt die Heimat des größten Teils der dortigen Tierwelt. Sie ist auch das bevorzugte Habitat des Zügelpinguins, von dessen 6,5 Millionen Paaren die meisten hier leben. Die Population der größten Kolonie auf Zawodowski, einer Südlichen Sandwichinsel, wird auf zwei Millionen Paare geschätzt. Auf dieser Vulkaninsel setzt die Schneeschmelze früh ein, und die Kolonie zieht sich meilenweit über die Hänge des Kegels hinauf.

Zügelpinguine auf Zawodowski
Zügelpinguine auf Zawodowski Quelle: ZDF/imago

Zügelpinguine machen von allen Pinguinen den meisten Lärm. Der ohrenbetäubende Krach und der Gestank sind kaum zu ertragen. Zügelpinguine leben vom Krill. Seit Kurzem gehen ihre Population und ihre Verbreitung zurück. Das mag daran liegen, dass es, bedingt durch den Rückzug des Meereises, weniger Krill gibt.

Leben auf dem Packeis

Im Frühling ist der antarktische Kontinent noch vom Eis umschlossen. Zwar bricht die Eisdecke allmählich auf je näher der Sommer rückt. Aber die Region bleibt trotzdem eine der unzugänglichsten der Welt. Selbst moderne Eisbrecher haben Mühe, im ständig in Bewegung befindlichen Packeis voranzukommen. Nur aus der Luft lässt sich feststellen, dass auf dem Eis bis zu 15 Millionen Krabbenfresser leben, die bei Weitem verbreitetste Robbenart der Welt. Sie leben ohne Partner, und wenn man im Oktober übers Packeis fliegt, erkennt man Robbenkühe, die auf dem Eis kalben.

Krabbenfesser sind für ein Leben im Eis perfekt ausgestattet. Sie fressen freilich keine Krabben, sondern andere Krustentiere: Krill, den sie aus dem Wasser filtern, indem sie ihre langen ineinandergreifenden Backenzähne als Sieb benutzen. Ihr Lebensraum wird von der Verteilung des Krills im Meerwasser und der Ausdehnung des Packeises bestimmt.

Ringelrobbe der Antarktis

Weddelrobben in der Antarktis
Krabbenfresser in der Antarktis Quelle: ZDF

Weiter im Süden, auf dem ewigen Eis, das den Kontinent umgibt, findet man das Gegenstück zur Ringelrobbe des Nordpolarmeers: die Weddellrobbe. Sie ist das einzige Säugetier, das so tief im Süden Junge bekommt und sich während der gesamten Dauer des Winters hier aufhält. Sie ist ein großes Tier mit einem kleinen, freundlichen Gesicht und hübschem grauem Fell. Den tiefen Winter verbringt die Weddellrobbe größtenteils unter Wasser. Die Löcher im Eis, die sie braucht, um Luft zu holen, beißt sie mit den Zähnen heraus. In dieser Abnutzung der Zähne sehen viele Zoologen den Grund dafür, dass die Wedellrobbe mit 20 Jahren nur halb so lange lebt wie die meisten anderen Robbenarten.

Das Familienleben der Weddellrobbe bewegt sich zwischen denen des Krabbenfressers und des See-Elefanten. Der Weddellbulle beansprucht ein Revier unter dem Packeis, in dem sich mehrere Löcher zum Aussteigen und Atmen befinden. Mit den Kühen, die diese Löcher benutzen, paart er sich. Auf diese Weise gebietet er über bis zu zehn Weibchen. Nur etwa die Hälfte der Bullen kann ihr Revier behaupten, und der Kampf um die Löcher ist hart.

Gespenstische Sinfonie

Weddelrobbe im Eisloch
Weddelrobbe im Eisloch Quelle: ZDF/imago

Weddellrobben kommunizieren über eine Vielzahl an Tönen, die bei Revierkämpfen eine große Rolle zu spielen scheinen. Wenn man um diese Jahreszeit unter Wasser taucht, vernimmt man eine gespenstisch klingende Sinfonie von pfeifenden, summenden, trillernden, zirpenden und stöhnenden Lauten. Wenn dieser "Gesang" nicht ausreicht, Nebenbuhler abzuschrecken, kommt es zu erbitterten Kämpfen mit schweren Verletzungen.

Im Frühjahr hieven sich die Weibchen durch die Löcher aus dem Eis, um ihre Jungen zu gebären. Im Norden, dicht am Packeisgürtel, kann das schon im September geschehen. Aber im Süden, wo es noch bitter kalt ist, bringen die Weibchen ihren Nachwuchs erst im November zur Welt.

Keine Gefahr durch Eisbären

Die extreme Kälte zwingt die Weddellrobben-Mütter dazu, das Junge so schnell wie möglich ins Wasser zu bringen, und schon eine Woche nach der Geburt lernen die Kleinen schwimmen. Das Entwöhnen hingegen dauert sieben Wochen - keine andere Robbenart säugt länger. Aber anders als den Ringelrobben im Nordpolarmeer droht den Weddellrobben keine Gefahr durch Eisbären.

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