Antike Siedlung

Oase als bedeutender Ort an der Weihrauchstraße

Der arabische Historiker Mohamed Najem leitet das Museum seiner Heimatstadt Tayma. Der Archäologe versucht seit langem, die Hintergründe der Legende herauszufinden. Er folgt den Spuren der frühen Orientforscher Julius Euting und Charles Huber zu einem zweiten Indiz, einem riesigen Brunnen, der bereits in der Bibel erwähnt wird.

Dattelpalme in Oase Quelle: ZDF

Mit dem riesigen Brunnen kann nur der Bir Haddaj gemeint sein. Eine technische Meisterleistung seiner Zeit. Das 2500 Jahre alte Bauwerk ist bis heute erhalten und lässt noch immer seine enorme Bedeutung erahnen. Die Überlieferungen berichten, dass der Brunnen 50 Kamele gleichzeitig mit kostbarem Nass versorgte. Die Tiere selbst bedienten das Seilzug-System: Schon damals ein gängiges Verfahren. Inmitten der Wüste war Tayma eine Tankstelle von unschätzbarem Wert. Die Oase muss zu jener Zeit ein bedeutender Ort an der Handelsroute gewesen sein.

Brunnenanlage Quelle: ZDF

Beschaulich - im Vergleich zu Babylon

Datteln Quelle: ZDF

Ein Superlativ, der auch in der Bibel für den Brunnen von Tayma verwendet wird. Bis heute versorgt das kostbare Grundwasser die Siedlung - und 80.000 Dattelpalmen. Ihre Früchte gelten in ganz Saudi-Arabien als Delikatesse. Dennoch war Tayma ein beschauliches Nest - gemessen am pulsierenden Leben im prunkvollen Babylon. Das Zentrum der Metropole überragte der mit 90 Meter höchste Stufentempel Mesopotamiens - der erste Wolkenkratzer der Welt. Das Heiligtum des Gottes Marduk erlangte ewigen Ruhm: Christliche Darstellungen brandmarkten den "Turmbau zu Babel" als menschlichen Versuch, sich über ihren Gott zu erheben.



Bei der Erforschung Taymas arbeitet Mohammed Najem mit Europäern zusammen. Arnulf Hausleiter und sein Team vom Deutschen Archäologischen Institut helfen, die Überreste der alten Oasenstadt auszugraben. Vielleicht verraten die Ruinen auch etwas über den mysteriösen König aus Babylon. Die Wissenschaftler entdecken das wahre Ausmaß von Tayma: Die Stadtmauer umschloss offenbar einst ein Gelände von mehr als 500 Hektar. An einem dutzend Stellen untersuchen die Forscher die Reste der antiken Siedlung.

Stadtmauern Tayma Quelle: ZDF

Saudisch-deutsche Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit von Saudis und Deutschen ist eine bisher einzigartige Partnerschaft und eine politische Sensation: Lange Zeit hatte sich das Land westlichen Forschern verschlossen. Arbeiter aus vielen Teilen der islamischen Welt legen die Fundamente der alten Stadt frei, unter gemeinsamer - saudischer und deutscher - Leitung. Für den Berliner Professor Ricardo Eichmann die einmalige Chance, das Leben in der Oase zu rekonstruieren. Schon bald stellen die Forscher fest: Erste Siedlungsspuren in Tayma führen bis in das vierte Jahrtausend vor Christus zurück. Die Grundmauern eines 500 Quadratmeter großen Steingebäudes stammen aus dem ersten Jahrtausend vor Christus - also durchaus babylonischer Zeit.

Nördlich von Tayma befindet sich ein ausgetrockneter Salzsee durch den heute Kamelherden ziehen. Vor tausenden von Jahren sammelte sich in einer Terrasse am Ufer Wasser mit deutlich geringerem Salzgehalt, das zur Bewässerung genutzt werden konnte. Doch der See besaß eine weitere Funktion: Die Archäologen finden heraus, dass die Erhebungen an seinem Rand künstlich zu einem stabilen Grenzwall verstärkt wurden. Das dritte Indiz: der Grenzwall ist ein weiterer Beleg für die Bedeutung der Region zur Zeit der letzten babylonischen Herrscher.

Überreste Stausee samt Grenzwall Quelle: ZDF

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