Antike Wasserstraßen in Ägypten

Kanalbau-Geschichte reicht zurück bis 1300 vor Christus

Ägypten ist schon immer Schnittpunkt zweier Welten und Brennpunkt des Handels sowie Wissensaustauschs zwischen Orient und Okzident. Dementsprechend gab es bereits in der Antike kolossale Anstrengungen, eine Wasserverbindung zwischen Rotem und Mittelmeer zu schaffen.

Die Wissenschaftler sind geteilter Meinung, ob schon unter der Herrschaft des ägyptischen Pharaos Sethos I. (Regierungszeit 1303 bis 1290 vor Christus) ein Kanal die beiden sein Reich flankierenden Meere miteinander verbunden habe. Archäologische oder schriftliche Quellen bestätigen die Annahme nicht.

Unheilverkündender Orakelspruch

Unbestreitbar ist aber, dass unter der Herrschaft Nechos II. (Regierungszeit 610 bis 595 vor Christus) mit dem Bau eines Kanals begonnen wurde. Herodot berichtet, dass der Pharao um 600 vor Christus weit über eine Million Arbeiter aufbot, um das Kanalbett frei zu räumen. Des Weiteren ist überliefert, dass bis zu 120.000 Menschen während der Bauarbeiten qualvoll gestorben seien.

Necho II. stellte schließlich das Projekt ein. Aber nicht wegen der hohen Todesrate, sondern weil er einen unheilverkündenden Orakelspruch erhalten hatte: "Einmal verwirklicht, wird der Kanal nicht den Interessen Ägyptens, sondern bloß denen habgieriger Fremder dienen!" Die düstere Zukunftsvision ließ den Pharao von seinem Vorhaben abrücken.

Schiffsverbindung zwischen zwei Meeren

Ein Jahrhundert später, als Ägypten unter persischer Herrschaft stand, ließ der berühmte Feldherr Dareios I. (Regierungszeit 552 bis 486 vor Christus) den Kanal fertig stellen. Die antike Wasserstraße soll von Bubastis, in der Nähe des heutigen Zagazig am Nil, östlich durch den Wadi Tumilat zum Timsah-See und von dort nach Süden zum Roten Meer geführt haben.

Es bestand also keine direkte Verbindung zwischen Mittel- und Rotem Meer, sondern der Nil wurde in das Verkehrssystem einbezogen. Das Endergebnis war aber letztlich dasselbe: eine Schiffsverbindung zwischen den beiden Meeren. Dieser Kanal war mit Unterbrechungen über mehrere Jahrhunderte in Betrieb. Das Kanalbett wurde mehrmals verlegt, da Flugsand und das schlammreiche Nilwasser die Wasserstraße immer wieder versanden ließen.

Herausragende Bedeutung

Als Handelsstraße kam diesem Kanal in der Antike eine herausragende Bedeutung zu. Römische, griechische und arabische Kaufleute passierten täglich den Isthmus von Suez. Seide aus China, Gewürze aus Südostasien, Weihrauch aus dem Jemen, Tiger und Elefanten aus Indien - alle nur erdenklichen Güter und Waren wurden in Alexandria gegen Gold oder andere Produkte eingetauscht und von dort ins ganze Mittelmeergebiet verschifft.

Bedeutsame Namen wie die ägyptische Königin Kleopatra und der römische Kaiser Trajan sind mit der Geschichte des Kanals eng verbunden. Erst im achten Jahrhundert unserer Zeitrechnung wurde er unter arabischer Herrschaft endgültig aufgegeben.

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