Antiochia - die versunkene Stadt

Antike Metropole mit riesiger Verteidigungsanlage

Die Spur des Seleukidenschatzes führt wohl eher weg von der Küste ins geschützte Landesinnere, nach Antiochia. Hier ließ Seleukos um 300 vor Christus eine neue Residenz bauen.

Antakya ist eine türkische Provinzstadt nahe der syrischen Grenze. Unter der modernen Bebauung liegt Antiochia, das antike Geschichtsschreiber als die wunderbare "Krone des Orients" priesen. Ein Team aus türkischen und deutschen Archäologen soll erstmals die Entwicklung Antiochias erforschen - der versunkenen Stadt aus 1000 und einer Nacht.

Gewaltige Verteidigungsanlage

Von der Stadt sind außer wenigen, aber beachtlichen Ruinen eigentlich nur noch die Stadtmauern erhalten. Diese sind dafür um so "weitläufiger" und um so wichtiger. Gunnar Brands, Professor für Bauforschung in Halle, möchte an den gewaltigen Verteidigungsanlagen Antiochias die Stadtgeschichte ablesen: Wann und wie wurden die von Seleukos gebauten über zehn Kilometer langen Mauern erstürmt, beschädigt, ausgebessert, erweitert? Bisher haben die Wissenschaftler nur eine relativ genaue Vorstellung vom Verlauf des Walls. Er schützte nicht irgendeine Stadt:

Zu verteidigen galt es eine der kultiviertesten Städte der Antike. Kostbare Mosaiken in den Villen zeugen vom Geschmack ihrer Bewohner und von ihrem Reichtum. Verschwenderischer Luxus, Geld war offensichtlich im Überfluss vorhanden, wie Funde von Silbermünzen aus Antiochia zeigen. Vom Staatsschatz aber keine Spur. Selbst das ihnen zustehende Viertel des Alexanderschatzes war so gewaltig, dass die Seleukiden kaum das ganze Geld mit ihrer ausgefallenen Prunk- und Bausucht verprassen konnten.

Windumtoste Mauern

Für die Archäologen steht fest: Die reiche Residenz musste sich schützen. Auch wegen der geographischen Nähe zu ihren ärgsten Feinden, den Ptolemäern. Die Verteidigungsmauern können die Seleukidenzeit erhellen. Über 1000 Jahre lang wurde die Befestigungsanlage aus-, um- und wiederaufgebaut- und trotzte allen Stürmen.
In welcher Epoche entstand der Wehrturm mit den auffallend großen Schießscharten? Im Kampf gegen die Ptolemäer, die sich über drei Jahrhunderte bis Königin Kleopatra hielten? In akribischer Detailarbeit halten die Wissenschaftler der Universität Halle sämtliche Bauphasen fest. Ihre Hoffnung: Irgendwann werden ihnen die windumtosten Mauern die Geschichte der untergegangenen Metropole erzählen.


Während der Diadochenkämpfe bestürmten die Ptolemäer das Seleukiden-Reich. Sicher auch wegen des legendären Schatzes von Kyinda, den sie wohl in Seleukos Residenz Antiochia vermuteten. Trotz der Bedrohung wuchs die antike Metropole.
Ein Felsenrelief zeigt eine fünf Meter hohe Büste mit einer seltsamen kleinen Figur auf der Schulter. Wissenschaftler sehen darin einen Hinweis auf eine Neugründung außerhalb der alten Stadtmauern.

Suche nach der Neu-Stadt

Auf der Suche nach der Neu-Stadt arbeiten die Archäologen mit dem klassischen Mittel der Oberflächenbegehung und modernster Geophysik. Durch die Kombination beider Methoden hoffen sie die verschollene Siedlung aufzuspüren. Die statistische Verteilung der Scherben und die ersehnten magnetischen Signale von unter der Erdoberfläche sollen die Stadt enttarnen, wenn sie denn überhaupt hier lag. Vielleicht wurde die Neu-Stadt außerhalb der Mauern bei einem Angriff dem Erdboden gleichgemacht.


Durch die Auswertung der geophysikalischen Messdaten werden die Zeugnisse einer untergegangenen Stadt sichtbar. Der Blick unter die Haut der Erde zeigt tatsächlich gerade Strukturen: Straßen. Ein Viereck weist auf ein Haus hin. Für Gunnar Brands steht fest, dass Antiochia immer eine gefährdete Stadt gewesen ist, auf Grund ihrer militärischen, ökonomischen und ihrer politischen Bedeutung. Sie ist immer auch ein Ziel von Marodeuren gewesen und deshalb auch mehrfach erobert worden.

Faszinierendes Tor



Die Parmenios-Schlucht war ein besonders empfindlicher Punkt in Antiochias Verteidigungsring. Ihr faszinierendstes Bauwerk ist das Eiserne Tor. Es vereinigt Stau- und Stadtmauer. 30 Meter über der Schlucht vermessen Studenten der FH Leipzig diese einzigartige Konstruktion. Sie sollte Antiochia vor Überschwemmungen bei der Schneeschmelze schützen und natürlich auch ungebetene Gäste fernhalten.

Verzierte Spoliensteine, Mauerteile, die ursprünglich zu einem anderen Bauwerk gehörten, sind der Beweis für eine Beschädigung und anschließende Reparatur der gigantischen Staumauer. Antiochia - das steht jetzt fest - war trotz seiner berühmten Mauern keine uneinnehmbare Festung. Also kaum idealer Aufbewahrungsort für den wohl größten Schatz der damaligen Zeit. Er muss irgendwo anders in Sicherheit gebracht worden sein.

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