Apokalyptisches Szenario

Weltweiter Klimakollaps mit vulkanischen Wintern möglich

Seit über 3600 Jahren schläft der Feuerspucker im azurblauen Wasser der Ägäis. Doch die Region bleibt gefährdet. Der ausgebrannte Vulkan kann jederzeit erwachen, ebenso wie sein Nachbarkrater Kolumbo - oder andere Vulkane, rund um den Globus verteilt.

Der unterseeische Krater Kolumbo schlummert acht Kilometer nordöstlich vom Thera. Seine Caldera ist über 500 Meter tief, der Rand aber liegt nur 18 Meter unter dem Meeresspiegel. Kolumbo und Thera werden von derselben Magma-Ader gespeist, die bereits in der Bronzezeit die gewaltige Eruption verursachte. Eine Unterwasser-Inspektion mit dem Tauchroboter soll Aufschluss geben und könnte Daten für ein Frühwarnsystem liefern. Schließlich lebt Santorin vorwiegend vom Tourismus.

Blubbernde Schlote unter Wasser

Noch unbedrohlich

Wie ein Gefäßgeflecht durchziehen deutlich sichtbare Stränge den Boden. Blubbernde Schlote aus Sulfaten und Sulfiten deuten auf vulkanische Aktivitäten hin, wenn auch noch in einem Stadium, das keine Bedrohung darstellt. Bis zu vier Meter hoch ragen die Kamine, überwuchert von Bakterienkulturen und von Gasen umwabert. Die Temperatur der ausströmenden Gase beträgt über 200 Grad Celsius - noch kein beunruhigender Wert. Aber die Gebilde wachsen vermutlich über einer großen Magma-Kammer.

Santorins zweiter großer Vulkan ruht lediglich und sammelt neue Kräfte. Wann er zuschlägt ist vielleicht eine Frage von Jahrtausenden. Noch wirbt die Kykladeninsel mit ihrem exotischen Naturwunder. Die meisten glauben, dass der schlafende Riese nie wieder aufwacht oder verdrängen den Gedanken einfach.

Ausbruch des Vesuv 1944

Tickende Zeitbomben

Nicht nur über den griechischen Inseln schwebt die Gefahr eines Vulkanausbruchs. Rund um den Globus ticken immerhin mehr als 1000 Zeitbomben im Bauch der Erde. Einige davon stehen im Ruf, in näherer Zukunft zum Schauplatz eines Höllenfeuers zu werden. Ganz oben der Vesuv in Italien. 79 nach Christus zerstörte er Pompeji und weite Teile der Provinz. 1631 spuckte er ein weiteres Mal Aschewolken, in denen 18.000 Menschen starben. 1944 meldete er sich vehement zurück. Prognosen zufolge bereitet er sich auf ein erneutes Comeback vor.

Mount Rainier

Ebenso im Focus: der Mount Rainier - nahe Seattle, einer der größten Industriestädte im Nordwesten der USA. Wenn er im Turnus von 500 Jahren aufwacht, schickt sein schneebedeckter Krater eine Schlammlawine zu Tal. Diese Lahars hinterlassen in den angrenzenden Ortschaften schwere Verwüstungen. Meist bleibt den Einwohnern weniger als eine halbe Stunde zur Flucht. Präzise Vorhersagen auf Datum und Stärke einer Eruption gelingen in den seltensten Fällen.

Wenig Hoffnung auf Rettung

Im Frühjahr 1980 registrierten Seismologen starke Beben im Inneren des Mount St. Helens, einem Nachbarberg des Mount Rainier. Am Morgen des 18. Mai, einem Sonntag, explodierte der Vulkan - weitaus stärker als errechnet. Sein Auswurfmaterial verschüttete eine Fläche von der Größe des Bodensees. Obwohl der Druck die gesamte Nordflanke abriss, erhielt der Ausbruch nur einen Wert von 5 auf dem VEI. Damit war er 100 Mal schwächer als die minoische Eruption. Das bedeutet: Feuerspucker mit einem VEI von 7 oder 8 verfügen über eine Zerstörungsgewalt, die nur wenig Hoffnung auf Rettung verheißt.

Überfällige Eruption

Mega-Explosionen sind das Markenzeichen von Supervulkanen. Den gefährlichsten seiner Klasse lokalisierten Geologen in Amerika. Die heißen Quellen und Geysire im berühmten Yellowstone Nationalpark locken jährlich Millionen von Touristen nach Wyoming. Doch unter der atemberaubenden Landschaft lauert ein Ungeheuer von einzigartigem Umfang. Der gesamte Naturpark ist eine Caldera - ein Kessel von 80 Kilometer Durchmesser.

In der Tiefe fließt Magma in eine 50 Kilometer lange und zehn Kilometer hohe Kammer. Bei einem Ausbruch wird die gesamte Fläche in den unterirdischen Hohlraum absacken. Ein apokalyptisches Szenario. Vor 640.000 Jahren flog der Gigant zum letzten Mal in die Luft. Da die Experten für den Yellowstone einen Zyklus von 600.000 Jahren annehmen, ist er bereits überfällig. Die Vorhersagen für den nächsten Ausbruch schwanken zwischen 40 und 100.000 Jahren. Doch wenn der Yellowstone eines Tages zuschlägt, erlebt nicht nur Nordamerika eine nie da gewesene Naturkatastrophe. Ein weltweiter Klimakollaps mit vulkanischen Wintern ist wahrscheinlich. Die Schätzung für die Zahl der Todesopfer beläuft sich auf eine Milliarde.

Die Allmacht der Natur - das beweist sie immer wieder - vermag der Mensch nicht zu bezwingen. Wissenschaftler können die unbekannten Universen im Bauch der Erde und in der Tiefsee nur erforschen. Als Urkraft greifen Vulkane in den Verlauf der Menschheitsgeschichte ein. Sie zerstören weite Landstriche und formen sie neu. Ein ewiger Kreislauf seit vielen Milliarden von Jahren.

Schaurig schön

Einst galten die Feuerberge als heilige Wesen, die über Wohl und Wehe der Erdenbürger entschieden. Dem Glauben nach konnte niemand dem Zorn der Götter entrinnen. Das Schicksal der Sterblichen lag in ihren Händen. Das Feuer aus der Tiefe des Planeten - ein schaurig schönes Naturereignis. Im Schöpfungsplan ein wichtiger Baustein, für die Zivilisation aber eine bedrohliche Höllenglut.

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