Apostel Petrus als Stellvertreter Gottes

Der erste Bischof von Rom legitimiert die Macht der Päpste

In den Tagen der Christenverfolgung sind die Päpste Märtyrer, Opfer römischer Imperatoren. Doch seit Kaiser Konstantin sich 337 nach Christus auf dem Sterbebett hat taufen lassen, stehen sie selbst im Zentrum der Macht. Der Bischof von Rom, das Oberhaupt der Kirche ist die zentrale Gestalt, die den römischen Kaiser beerbt.

Gemälde von Petrus Quelle: ZDF

Von Apostel Petrus, ein Mann der zu den Jüngern Jesu gehört, leiten die Päpste ihre Macht her. Und dessen Andenken wurde hochgehalten. Besonders in Rom, der alten Stadt der Christenheit. Es klingt so einfach wie befremdlich: Die Macht des römischen Bischofs stützt sich auf ein Grab. Aber eben nicht irgendeines. Das Grab des Petrus gilt als einer der heiligsten Orte der Menschheitsgeschichte.

Mythischer Ort

Der Ort des Petrusgrabes ist seit frühchristlicher Zeit eine Pilgerstätte. Der Altar des Petrus bildet das Herzstück der Peterskirche, direkt unter der mächtigen im 16. Jahrhundert erbauten Kuppel von Michelangelo. Ein mythischer Ort, an dem von Anbeginn der Pontifex Maximus, der oberste Priester der Christenheit, seinen Sitz hat. Neben der Kuppel von Michelangelo haben noch weitere große Künstler ihrer Zeit am Petersdom mitgewirkt. Über dem Altar des Petrus, das Herzstück der Kirche, erhebt sich der berühmte Baldachin von Bernini aus dem 17. Jahrhundert.

Petrus-Altar in der Peterskirche Quelle: ZDF

Aber tief unter diesen mächtigen Fundamenten soll das Grab des Petrus liegen. Tatsächlich wurde die Kirche vom ersten Bauherr, Kaiser Konstantin, über einer Gräberstraße aus der Antike gebaut. Die Experten haben ein entscheidendes Indiz ausgemacht. Eine uralte Inschrift. "Petros eni" , das heißt, "hier (liegt) ist Petrus". Unter der Peterskirche wurden von der Antike bis in christliche Zeit Menschen begraben. Eine Nekropole, eine Stadt der Toten, dessen Mauern von Archäologen freigelegt wurden.

Petrus als Stellvertreter Gottes

Laut Matthäusevangelium hat Petrus seinen Auftrag von Jesus mit den Worten erhalten: "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelsreichs geben: Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein." Diese im Neuen Testament überlieferten Sätze sind wohl die wichtigste Grundlage des päpstlichen Machtanspruchs, denn Jesus macht damit Petrus zu seinem Stellvertreter.

Skultpur Petrus wird überkopf gekreuzigt Quelle: ZDF

Der Überlieferung nach ging Petrus nach Rom und gründete dort eine christliche Gemeinde. Zusammen mit Paulus soll er der Verfolgung durch Kaiser Nero zum Opfer gefallen sein und wurde im Jahr 64 nach Christus als Märtyrer gekreuzigt. Und zwar, wie er seine Henker bat, mit dem Kopf nach unten, weil er nicht würdig sei, wie Jesus zu sterben. Die Henker erfüllten ihm die Bitte, als sie ihn ans Kreuz schlugen.

Treu und gutherzig

Simon Petrus, der als erster Papst gilt, war ein ganz bescheidener Mensch, ein einfacher Fischer vom See Genezareth. Er konnte weder lesen noch schreiben. Manchmal war er ein bisschen jähzornig und dann und wann auch feige. Im Großen und Ganzen aber treu und gutherzig. Der Mann, der tausend Jahre später in die Fußstapfen des Petrus tritt, ist ganz anders: Papst Gregor VII. ist ein Kirchen-Fürst. Ein starker Kirchenmanager und äußerst ehrgeizig. Er will höchster Herrscher auf Erden sein.

Sieben Meter lange Papierrolle mit Päpsten Quelle: ZDF

264 Päpste zählen die offiziellen Chroniken vom ersten Papst bis heute. Petrus, dargestellt mit Schlüssel und Bischofsstab. Im Archiv der Berliner Staatsbibliothek befindet sich ein einmaliges Dokument. Eine sieben Meter lange Papierrolle mit den Päpsten, Kaisern und Königen von Anbeginn des Papsttums bis zur Entstehungszeit der Bilderchronik im 15. Jahrhundert. Die Päpste stehen über Kaisern und Königen.

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