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Arabien – Zauberreich zwischen den Welten

Faszination Erde mit Dirk Steffens

Doku | Terra X - Arabien – Zauberreich zwischen den Welten

Dirk Steffens taucht ein in die Märchenwelt von Tausendundeiner Nacht. In Arabien wurden Mythen geboren, die bis heute verzaubern. Doch das Leben muss sich einer harten Wirklichkeit stellen.

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 05.03.2018, 19:30
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

In der Vergangenheit war das Klima auf der Arabischen Halbinsel feuchter und lebensfreundlicher, es muss mehr Wasser gegeben haben. Davon zeugen die zahlreichen Kalksteinhöhlen im Untergrund. Heute ist die Region von Hitze und Trockenheit geprägt.

Die größte Sandwüste

Die Rub al-Khali – das „leere Viertel“, wie es die Araber nennen – ist die größte Sandwüste der Welt. Sie bedeckt das südliche Drittel der Arabischen Halbinsel. Mit dem Wind, der für immer neue Sandformationen sorgt, verändert die Wüste ständig ihr Gesicht. Immer wieder kommt es zu gefährlichen Sandstürmen. Tiere haben ihre eigenen Anpassungsstrategien entwickelt, um hier zu überleben. Viele Wüstenbewohner warten auf die natürliche Abkühlung, die die Nacht mit sich bringt. Andere haben spezielle Anpassungen an den glühend heißen Sand, die grelle Sonne und den Wassermangel entwickelt.

Das grüne Juwel Arabiens

Grüne Landschaft in Dhofar mit Kamelen
Auch das ist Arabien: ein üppiges Paradies. Quelle: Off the Fence

Über Tausende Quadratkilometer nichts als Sanddünen, und doch gibt es auf der Arabischen Halbinsel eine Gegend, die zumindest einige Wochen im Jahr grün und fruchtbar aussieht: Dhofar. An dem mehr als 250 Kilometer langen Küstenabschnitt hat Wasserreichtum ein Refugium für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten geschaffen. Woher kommt das kostbare Nass?

Das Arabische Meer ist normalerweise tropisch warm. Doch einmal im Jahr, im Sommer, wird das Meer vor der Küste Südarabiens um bis zu 10 °C kälter. Das liegt an dem starken Wind, der zu dieser Zeit das warme Oberflächenwasser in Richtung Indien treibt. Es entsteht ein Sog, der kaltes Wasser aus der Tiefe an die Oberfläche holt. Vor der Küste treffen warme, feuchte Luftmassen auf das kalte Wasser. Die Feuchtigkeit in der Luft kondensiert und Wolken entstehen. Der Wind drückt sie gegen die über tausend Meter hohen Hänge des Dhofar-Gebirges und lässt diese ergrünen.

Wenn die Wolken ausbleiben und die Vegetation wieder verdorrt, beginnt für das Leben abermals eine entbehrungsreiche Zeit. Dieser kurzzeitige Wind, der Feuchtigkeit und Wachstum bringt, ist nichts anderes als der indische Monsun. Das Wort „Monsun“ bedeutet im Arabischen „Jahreszeit“. Denn je nach Jahreszeit weht der Wind von Arabien nach Indien oder umgekehrt.

Eine der ältesten Handelsrouten

Das Wissen um den Monsunwind sicherte den Arabern schon Jahrhunderte vor Christi Geburt die Kontrolle über eine der bedeutendsten Handelsrouten. Aus Indien brachten die Araber Kostbarkeiten wie Gewürze und Seide nach Südarabien. In den Hafenstädten des heutigen Oman wurde die kostbare Fracht umgeladen: von Segelschiffen auf Dromedare, die „Wüstenschiffe“. Der Weg der Karawanen entwickelte sich zur wichtigsten Handelsroute der Region. Aus einfachen Rastplätzen wurden blühende Handelszentren, die durch legendären Reichtum von sich reden machten. Die Route führte durch den Jemen und weiter Richtung Norden bis zum Mittelmeerhafen Gaza. Von dort brachten Schiffe die exotischen Waren nach Europa.

Mann mit Weihrauch im Tongefäß
Weihrauch aus Südarabien wurde entlang der gesamten Route gehandelt. Quelle: bbc

Die alten Städte verdankten ihren Reichtum insbesondere einem Stoff aus dem Süden Arabiens, der entlang der gesamten Route gehandelt wurde und ihr zu ihrem Namen verhalf: Weihrauchstraße. Das getrocknete Harz des Weihrauchbaums war wertvoll wie Gold und bereits in vorchristlichen Zeiten hochbegehrt. Der Baum ist nicht kultivierbar und wächst nur an sehr wenigen Orten der Erde. In Südarabien soll die Qualität des Harzes am höchsten sein. Man spricht ihm heilende Eigenschaften zu, von denen einige inzwischen tatsächlich nachgewiesen werden konnten.

Brücke nach Asien

Lange vor dieser Zeit hatte die Arabische Halbinsel bereits eine wichtige Brückenfunktion inne. Wie Forscher heute wissen, erschlossen sich dem Menschen, der die längste Zeit ausschließlich südlich der Sahara gelebt hatte, durch einen Klimawandel neue Wege. Die Wüsten, bisher eine kaum überwindbare Barriere, wurden grüner und erlaubten es dem Menschen, sich bis auf die Arabische Halbinsel auszubreiten. Zudem war der Meeresspiegel niedriger und das Rote Meer somit passierbar. Die neue Heimat Südarabien bot den Menschen alles, was sie zum Leben brauchten.

Besiedlung Arabiens durch die Menschen (Grafik)
Südarabien hatte eine wichtige Brückenfunktion für die Menschen der Vorzeit. Quelle: ZDF

Doch vor etwa 70.000 Jahren änderte sich das Klima erneut: Die Wüsten breiteten sich wieder aus und Dürren machten das Überleben zum erbarmungslosen Kampf. Die gesamte Weltbevölkerung schrumpfte auf wenige Tausend. Dennoch konnte in Südarabien, so glauben einige Forscher, eine kleine Gruppe die Katastrophe überstehen. Das belegen Funde von Steinwerkzeugen, die auf jene Zeit datiert werden konnten. Inzwischen haben die Archäologen eine Erklärung, warum die Menschen ausgerechnet hier die große Dürre überstehen konnten. Es gab Oasen, die den wenigen Menschen das Überleben sicherten, bis die Dürreperiode endete. Sobald das Klima es erlaubte, brach der Mensch von hier aus auf, die Welt zu bevölkern. Die vereinzelten grünen Regionen ebneten ihm den Weg. So könnte Südarabien beim Auszug des Menschen nicht nur Rückzugsort, sondern auch eine der entscheidenden Brücken gewesen sein.

Uraltes Bewässerungssystem

Falaj-Bewässerungskanal (Luftaufnahme)
Die Falaj-Kanäle leiten das Wasser aus dem Gebirge zu den trockenen Regionen. Quelle: bbc

Die Menschen, die Arabien viele Jahrtausende später zu ihrer Heimat erwählten, mussten sich mit dem Wassermangel in den kargen Gebirgsregionen arrangieren. Schon vor 1500 Jahren erfanden sie eine ausgeklügelte Bewässerungsmethode, das sogenannte Falaj-System. In den Falaj genannten Kanälen sammelt sich das Wasser aus den Bergen. Steinerne Rinnen führen es über weite Strecken zu den Siedlungen in den trockeneren Regionen. So konnten selbst dort schon früh große Dörfer entstehen.

Wassermeister (Wakil) im Oman bei der Arbeit
Der Wakil sorgt für die regelmäßige Umleitung des Wassers. Quelle: bbc

Viele der alten Siedlungen sind längst verfallen, doch ein Großteil der Bewässerungskanäle ist weiterhin in Betrieb. Nur dank ihnen ist es möglich, in den trockenen Regionen Datteln, Zitrusfrüchte und Gemüse anzubauen und sogar Vieh zu halten. Das Falaj-System funktioniert in einigen Gegenden des Oman noch ähnlich wie damals: Der Wakil – der Wassermeister – wacht über die gerechte Verteilung des Wassers in der Gemeinde. Traditionell zeigt eine Sonnenuhr an, wann welche Region profitieren soll. Seit 2006 zählt das Bewässerungssystem der Falaj zum UNESCO-Weltkulturerbe.

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