Archäologie im "wilden Osten"

Schliemanns Erben - Das Gold von Tuva

Die Expedition führt von St. Petersburg viertausend Kilometer Richtung Osten über den Ural in die Weite Sibiriens. Vorbei an Omsk und Nowosibirsk erreicht das Team Tuva, den südlichsten Vorposten der Russischen Föderation an der Grenze zur Mongolei. Nördlich der Hauptstadt Kysyl liegt der Kurgan.

Mit drei Lastwagen und 80 Arbeitern wird die Steinplattenarchitektur des Kurgans sektorenweise abgetragen. Sicherheit hat oberste Priorität. Der Kurgan war den ganzen Winter streng bewacht, denn die Nachricht vom Schatzfund hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet.

Spannung pur

Die Archäologen stoßen zum Zentrum des Kurgans vor. Dort, wo sich nomalerweise die Hauptgrabkammer befindet, haben sie zwei große Gruben entdeckt. 25 Meter vom bereits freigelegten Fürstengrab entfernt dringen sie in die Tiefe. Der alte skythische Aushub ist wesentlich weicher als das natürlich anstehende Erdreich und er ist unangetastet. Plünderer sind also nicht so weit gekommen. Bald müssten die Grabkammern auftauchen. Wiederholt sich die Sensation von 2001?

Scheingräber gegen Plünderer

Die Ausgräber sind auf drei Meter fünfzig unter dem Geländehorizont angekommen, dem Niveau des Fürstengrabs. Ein Arbeiter putzt den Schnitt frei, die Spezialisten rätseln. Eine Steinabdeckung in dieser Tiefe ist ungewöhnlich - sie sind auf gewachsenen Fels gestoßen. Zur Überraschung sind beide Gruben völlig leer. Die Skythen legten sie als "Scheingräber" an, um Räuber in die Irre zu führen - wie in den Pyramiden der alten Ägypter.

Parzinger muss eine Entscheidung treffen: Welcher Sektor erscheint am hoffnungvollsten? Deutlich erkennt der Ausgräber aus der Luft das Fürstengrab und die beiden Scheingräber, die den spektakulären Erfolg 2001 wahrscheinlich erst möglich gemacht haben. Neben den beiden leeren Gruben entdeckt das geschulte Auge des Archäologen eine Anomalie in der Oberflächenstruktur. Tatsächlich kennzeichnen Steinabdeckungen eine Grabkiste. Sie bekommt die fortlaufende Nummer 13.

Neugierige Blicke befürchtet

Nach den unerwarteten Scheingräbern ruhen Parzingers Hoffnungen auf der Steinkiste. Die Abdeckplatten werden entfernt, und die Crew stößt auf einen Knochen, der auf ein Grab schließen lässt. Die Archäologen fürchten neugierige Blicke, sollten sie Gold finden. Deshalb ist das Gros der Arbeiter an einem möglichst weit entfernten Sektor eingesetzt.

Anatoli Nagler legt einen Schädel frei, der vom Rumpf abgetrennt ist. Tonnenweise wird die Steinarchitektur des Kurgans abgetragen. Es lässt sich nur erahnen, welch gewaltige Anstrengungen die Skythen in ihre Grabkurgane hineinsteckten, um ihre Toten zu ehren und deren Schätze zu schützen. Millimeterweise gehen die Ausgräber jetzt vor. Die Vorsicht hat einen Grund, sie sind auf einen goldenen Ohrring gestoßen.

Unsichtbarer Feind

Goldfunde bedeuten Sicherheitsstufe 1. Zur Vorsicht werden zwei Verteidigungsringe gebildet: Eine Spezialtruppe des Innenministeriums mit scharfer Munition bewacht den Kurgan, denn Mafiagruppen könnten sich für das Gold der Skythen interessieren. Ein unsichtbarer, gefährlicher Feind, der vor nichts zurückschreckt. Kosaken bewachen den Außenbereich des Kurgans.

Wenn die Arbeiter abends nach Hause gegangen sind, patroullieren sie mit ihren respekteinflößenden karelischen Bärenhunden. Auch von manchen Einheimischen droht Unheil, denn sie mögen die Ausländer nicht, weil sie angeblich die bösen Geister der Toten wecken. Die "noch" verborgenen Schätze des Kurgans wecken Begehrlichkeiten. Das macht die Arbeit des Archäologen im "wilden Osten" komplizierter und gefährlicher.

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