Arsinoe II.

Bruch mit der Frauenrolle

Arsinoe II. wurde bereits zu Lebzeiten als Göttin verehrt. Sie war die stolze Tochter von Ptolemäus I., der unter Alexander dem Großen eine steile Karriere machte. Der legendäre Makedone begründete einst ein Weltreich.

Als Alexander 323 vor Christus in Babylon stirbt, zerfällt das Imperium. Sein bester General und treuer Freund Ptolemäus übernimmt das Zepter im Land am Nil als erster Herrscher der Ptolemäer-Dynastie. Der neue Regent schließt Allianzen mit den benachbarten Königreichen. Schon bald reicht sein Einfluss bis an die Küste Kleinasiens.

Flucht über das Meer

Um die Macht zu festigen, setzt er sogar die eigenen Kinder ein. Aus Staatsraison verheiratet er seine 16-jährige Tochter mit dem König von Thrakien. Arsinoe II. übertrifft alle Erwartungen. Ihr Wille zur Macht kennt keine Grenzen. Sie lässt den rechtmäßigen Erben des Königs von Thrakien ermorden, damit ihre eigenen Kinder ihrem Ehemann Lysimachos auf den Thron folgen konnten. Doch die Rechnung geht nicht auf. Lysimachos stirbt auf dem Schlachtfeld und ein Außenseiter tritt die Nachfolge an. Der neue Herrscher nimmt die Königswitwe zur Frau. Doch kaum ist die Ehe vollzogen, lässt er Arsinoes Kinder umbringen. Der Unglücklichen bleibt nur ein Ausweg - die rettende Flucht über das Meer zurück nach Ägypten in ihre Heimat Alexandria. Dort regiert ihr Bruder Ptolemäus II.

Ptolemäus II. ist ein Bonvivant und Liebhaber schöner Frauen. Seine Gattin muss sich ihren Gemahl mit den Edelhuren der Stadt teilen. Am Hofe schmiedet Arsinoe ehrgeizige Pläne. Sie will auf den Thron und intrigiert gegen die Königin - mit Erfolg. Schon bald wirft Ptolemäus II. seine Frau aus dem Palast. Er schickt sie in die Verbannung. Bruder und Schwester heiraten. Arsinoe ist am Ziel ihrer Träume. Doch sie herrscht über ein Reich, in dem sich Griechen und Ägypter feindlich gegenüber stehen. Ptolemäus erhebt Arsinoe kurzerhand zur ersten gemeinsamen Göttin beider Völker. Und verpasst ihr ein entsprechendes Attribut: das doppelte Füllhorn.

Denkmal für die Ewigkeit

Der Kult um Arsinoe verbreitet sich im ganzen Land. Auf der Nil-Insel Philae in Oberägypten lässt sich die neue Göttin im Tempel der Isis verehren. Mit dem Bau der ausgedehnten Anlage setzt Ptolemäus II. sich und seiner Schwester ein Denkmal für die Ewigkeit. Als Wandschmuck - kunstvolle Reliefs mit Opferszenen. Sie verkünden: Nur der Pharao tritt den himmlischen Wesen gegenüber. Er allein sichert die göttliche Ordnung auf Erden.

Auch die Darstellungen auf dem so genannten Philodelphos-Tor zeigen den Regenten mit Gaben vor den obersten Gottheiten. Doch diesmal bricht er mit der ägyptischen Tradition. Ptolemäus tritt vor Isis - und seine Gemahlin Arsinoe. Damit stellt er die Königin schon zu Lebzeiten auf eine Stufe mit der altägyptischen Göttin. Niemals zuvor hat dies ein Pharao gewagt. Für die Einheimischen sind die Ptolemäer fremde Eroberer mit ebenso fremden Göttern. Mit Arsinoes Aufnahme in den Kreis der Landesgötter will der Ptolemäer seine junge Dynastie vor den Untertanen legitimieren. Arsinoe bleibt die erste und einzige Göttin beider Völker. Doch die Kritik am Herrscherhaus verstummt nicht. Dichter reimen Spottverse über die intime Beziehung zwischen den Geschwistern: "Den Stachel stößt du, Ptolemäus, in ein nicht erlaubtes Loch."

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