Artenschutz trotz Krokotaschen

Wie das Überleben der Leistenkrokodile gesichert wird

Sie sind echte Erfolgsmodelle der Evolution - seit circa 160 Millionen Jahren besiedeln Krokodile nahezu unverändert unseren Planeten. Doch das letzte Jahrhundert hätten die Verwandten der Dinos beinah nicht überlebt. Bis in die 70er Jahre hinein wurden die urzeitlichen Echsen von den Menschen gejagt, ehe die Tiere unter Artenschutz gestellt wurden. Seitdem erholen sich die Bestände, doch nicht alle sind froh darüber.

Schnauze eines Salzwasser-Krokodils Quelle: ZDF

Gerade die riesigen Salzwasserkrokodile, wie die Leistenkrokodile auch genannt werden, sind jahrzehntelang rücksichtslos gejagt worden. Begehrt waren sie vor allem wegen ihrer gleichmäßigen hellen Bauchhäute, die millionenfach zu Handtaschen und Schuhen verarbeitet wurden. Doch seit die Tiere 1976 durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt wurden, haben sich die Bestände wieder erholt, so dass die Schutzstufe mittlerweile herabgesetzt werden konnte. Kontrollierter Handel ist nun wieder erlaubt.

Ungeliebte Gäste im Pool

Auf circa 200.000 bis 300.000 wird die Zahl der Tiere geschätzt, deren Verbreitungsgebiet sich von der Ostküste Indiens und Sri Lanka über Südost-Asien bis nach Nord-Australien erstreckt. Ihren bevorzugter Lebensraum stellen Mündungsbereiche großer Flüsse und Mangrovensümpfe dar. Doch werden die heranwachsenden Tiere von ihren älteren und größeren Artgenossen oft aus ihrem Brutgebiet vertrieben und müssen so auf Wanderschaft gehen. Dabei schwimmen immer wieder einzelne Tiere auf das offene Meer hinaus, wo sie weite Strecken zurücklegen können.

So erobern die Tiere auch Meeresküsten, bevölkern neue Inseln, wandern die Flussläufe hoch oder landen in Süßwasserseen - wo sie nicht immer willkommen sind. Gerade in Australien sorgen Berichte über Krokodile an Stränden, Badeseen oder Swimmingpools mittlerweile dafür, dass mancher Bewohner die Tiere als Bedrohung empfindet - auch wenn die tatsächliche Anzahl von Krokodilattacken sich auf wenige Fälle pro Jahr beschränkt. Und auch die könnten bei mehr Vorsicht vermieden werden, so die Meinung von Experten.

Mit Geld zur Akzeptanz

Durch Konzepte zur nachhaltigen Nutzung hofft man die Akzeptanz in der Bevölkerung gegenüber den großen Echsen zu erhöhen. Kontrollierter Handel ist durch die Herabsetzung der Schutzstufe wieder erlaubt, und so werden die Tiere in Krokodilfarmen für die Fleisch- und Ledergewinnung gezüchtet. Oft bedient man sich hierzu der Gelege von Wildtieren, von deren Nachkommen man einzelne Tiere zur Sicherung des Bestands wieder aussetzt. Landbesitzer erhalten eine Art Gebühr, wenn auf ihrem Grund Krokodileier für die Nachzucht eingesammelt werden, so profitieren auch sie vom Schutz der Tiere.

1997 wurden in den Northern Territorys auch einzelnen Aborigine-Gemeinden erstmals wieder die gezielte Jagd erlaubt, Programme, die aber noch in der Erprobung sind. Schließlich nutzt auch der Tourismus das schaurige Image der Tiere, die in wohlinszenierten Kroko-Shows präsentiert werden. Wenn die Salties, wie die Australier ihre Salzwasserkrokodile nennen, auch einen kommerziellen Nutzen darstellen, sind Anwohner eher bereit, ihre Nähe zu dulden - so die Idee.

Lebensräume schwinden

Vergleichbare Programme wie in Australien gibt es mittlerweile auch in Papua Neuguinea, in vielen anderen Regionen versucht man sie zu etablieren. Was vor allem dort schwierig ist, wo es nur kleine und versprengte Populationen gibt, die für Wissenschaftler schwer zu überwachen sind.

Das Hauptproblem stellt - wie bei vielen anderen bedrohten Tierarten auch - der Verlust an Lebensraum dar, der zunehmend durch den Menschen in Anspruch genommen wird. Doch nur wenn es gelingt, die Bedürfnisse der Tiere mit denen der Bevölkerung in eine vernünftige Balance zu bringen, haben Artenschutzprogramme auch eine langfristige Erfolgschance.

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