Arzneiexzesse im Schloss

Aussichtsloser Kampf gegen den körperlichen Verfall

Eleonores körperlicher Zustand verschlechterte sich während der folgenden Jahre auf Schloss Krumau zusehends. Ständig beorderte sie Ärzte ins Schloss, darunter die größten Kapazitäten ihrer Zeit. Doch der medizinische Standard war zur Zeit Eleonores noch nicht sehr hoch.

Mittel aus der Naturheilkunde Quelle: ZDF

Am häufigsten wurde der "Aderlass" verordnet. Er sollte reinigend wirken und böse Säfte aus dem Körper vertreiben. Leider war diese Maßnahme in den meisten Fällen nicht sinnvoll und schwächte den Patienten zusätzlich. Vor allem, wenn die Behandlung zu häufig erfolgte.

Eleonore bei Vorbereitungen zum Aderlass (Spielszene) Quelle: ZDF

Eigenartige Wundermittel

Die Ärzte des frühen 18. Jahrhunderts verfügten zwar bereits über ein beachtliches anatomisches Wissen. Doch sie hatten kaum wirksame Behandlungsmethoden. Sie bewegten sich in einer Grauzone zwischen Wissenschaft, Aberglauben und Magie. Meist führte medizinische Versorgung zu dieser Zeit eher zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Eleonore bestellte auf Anraten ihrer behandelnden Ärzte zahlreiche Medikamente aus Apotheken in Prag und Wien. Darüber existieren im Schlossarchiv genaue Aufzeichnungen. Auf einer Liste sind eigenartige Dinge verzeichnet wie Krebsaugen, Walrat, und sogar gegrabenes Einhorn.

Viele dieser Medikamente sollen schmerzstillend und krampflösend wirken. Eleonore scheint an schlimmen Schmerzen gelitten zu haben. Allein die Bestellungsliste für den 30. April 1739 weist über 60 Präparate aus. Oder gab es einen anderen Grund für ihren Arzneiexzess? Der 30. April ist ein besonderes Datum: Walpurgisnacht, die Nacht der Hexen und Geister. Fühlte sie sich bedroht? Der Umfang ihrer Arznei-Bestellungen war so hoch, dass Hofbeamte versuchten, sie zu unterbinden. Ihre Zurechnungsfähigkeit stand im Zweifel, wie Korrespondenzen aus dem Schlossarchiv verraten. Aber niemand wagte, offen über ihre Krankheit zu sprechen.

Einkaufsliste mit medizinischen Präparaten Quelle: ZDF

Krankheit ohne Diagnose

Eleonore war bereits vom Tod gezeichnet, als sie von Krumau nach Wien reiste. Erhoffte sie sich eine bessere medizinische Versorgung in der Hauptstadt? Ein weiteres Wunder in ihrem Leben? Oder machte sie sich auf den weiten unbequemen Weg, um Abschied zu nehmen? Sicher ist zumindest, dass auch die Ärzte in Wien ihr nicht helfen konnten. In den Archiven finden sich keine Diagnose ihrer Erkrankung. Gingen die Ärzte vielleicht von einer Krankheit aus, die sich wissenschaftlich nicht beschreiben ließ?

Obduktion der Leiche (Spielszene) Quelle: ZDF

Am 5. Mai 1741 um 6:00 Uhr früh starb Eleonore in der Schwarzenbergischen Residenz in Wien. Doch nach ihrem Tod geschah etwas äußerst Ungewöhnliches für eine Person ihres Standes. Bereits neun Stunden nach Eleonores Tod traten die besten Ärzte des Reichs zusammen um den Leichnam zu untersuchen. Der Obduktionsbericht beschreibt mit höchster Präzision den Zustand der Leiche: "Heute, den 5. Mai 1741 nach Mittag um 3 Uhr, ist der Leib der Fürstin geöffnet, und dabei gleich äußerlich gefunden worden, dass der ganze Leib samt den vier äußersten Gliedmassen völlig ausgezehrt war... Unterhalb des Darms zeigte sich eine (...) Geschwulst, welche die Größe eines mittleren Kinderkopfs hatte..."

Horrendes Honorar

Obduktionskosten werden festgehalten (Spielszene) Quelle: ZDF

Die Kosten der Obduktion sind im Kassabuch festgehalten. Das Honorar für die Ärzte betrug 3.000 Gulden. Das entspricht etwa dem Gegenwert von 90.000 Euro - ein extrem hoher Betrag. War die Oduktion einer Fürstin, Mitte des 18. Jahrhunderts, etwas Ungewöhnliches?





Weshalb kamen die Ärzte zu keinem Ergebnis? Im Verlauf ihrer Krankheit stand Eleonore praktisch ununterbrochen unter ärztlicher Aufsicht. Heute fällt es nicht schwer, aufgrund des Obduktionsberichtes ihre Krankheit zu diagnostizieren: Sie hatte einen Tumor im kleinen Becken links, der Tochtergeschwülste in die Lunge und in das Brustfell und in das Zwerchfell entsandt hat - Todesursache Krebs.

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