Ashoka, Gandhi und das moderne Indien

Vorbild für die Erneuerung des unabhängigen Staates Indien

Ashokas Reformen veränderten segensreich das Reich der Maurya. Eine Tradition jedoch, die das soziale Leben in Indien seit jeher bestimmte, blieb unangetastet: das unmenschliche System der Kasten. Es besteht sogar im demokratischen System des modernen Indien fort.

Mahatma Gandhi sitzt an einem Tisch mit anderen Personen
Mahatma Gandhi sitzt an einem Tisch mit anderen Personen Quelle: ZDF

Als Herrscher und Reformer nutzt Ashoka Anregungen aus dem Ausland. Nach dem persischem Vorbild lässt er Inschriften an Felsen und auf Säulen anbringen. Oft sind sie in der Umgangssprache "Pankrit" verfasst und nicht in "Sanskrit" der Sprache der Brahmanen. Die Inschriften verkünden die Grundsätze seines Handelns und die Lehre des Buddhismus. Erstmals taucht dabei das Abbild des achtspeichigen Rades auf, als Symbol für das Handeln des Königs im Sinne Buddhas.

Weltoffener Buddhismus

Ashokas Löwengruppe Quelle: ZDF

Ashoka wendet sich nicht gegen das Kastenwesen in seinem Land oder gegen den Hinduismus. Doch seine Staatsethik ist ein pragmatischer, der Welt zugewandter Buddhismus. Die Löwensäule Ashokas von Sarnath, die er auf seiner Pilgerreise am Ort der Erleuchtung Buddhas errichtet, ist ein wichtiges Symbol und Dokument seiner Herrschaft: Das Kapitell trägt über dem Rad des Gesetzes vier Löwen, die in alle vier Himmelsrichtungen blickend im Zentrum des Himmelsgewölbes stehen.

Gandhi und die Väter des modernen Indien nehmen Ashoka zum Vorbild. Die Löwensäule Ashokas ist das Vorbild für das Nationalwappen des indischen Staates. Mahatma Gandhi (1869 bis 1948 ), "die große Seele", führt Indien 1947 in die Unabhängigkeit. Gandhi studierte zunächst Jura in England und arbeitete danach 19 Jahre als Jurist in Südafrika. Er vertritt die gemeinsamen Rechte der dort lebenden Inder gegen den Britischen Staat.

Ideale Integrationsfigur

Mehrfach kommt Ghandi ins Gefängnis. Doch er lernt auch ein demokratisches Staatswesen mit einklagbaren Rechten, das sich am Gemeinwohl orientiert, zu schätzen. Politik, Religion und die Hinwendung zu einer asketischen Lebensweise prägen seine Persönlichkeit. Mahatma Gandhi erweist sich im Kampf um die Unabhängigkeit Indiens als ideale Integrationsfigur um die unterschiedlichen politischen, sozialen und religiösen Interessengruppen zusammen zu führen. 1920 tritt er an die Spitze des indischen "Nationalkongresses."

Mahatma Gandhis Ziel: das unabhängige Indien. Sein Weg: gewaltloser Widerstand gegen die britischen Kolonialherren. Seine Vision: Ein moderner demokratischer Staat, stark genug, die vielfältigen Gegensätze des Subkontinents zu beherrschen. Unter Gandhis Führung wird der Nationalkongress zu einer mächtigen Volksbewegung. Doch 1948 ermordet ein fanatischer Hindu den "Vater der indischen Unab-hängigkeit." Zwei Jahre später tritt die neue Verfassung in Kraft.

Ashokas Weg für das heutige Indien

Indien wird Republik. Die Löwensäule Ashokas wird zum Nationalemblem. Doch die alten Konflikte sind eine schwere Hypothek. Die Moslems erzwingen ihren eigenen Staat, Pakistan. Konservative Hindus blockieren die Teilhabe der unteren Kasten an der politischen Macht, die Rückständigen und Rechtlosen bleiben ausgegrenzt. Und Gewaltlosigkeit scheint ein vergessenes Ideal. Der Übertritt zum Buddhismus gewinnt für viele Inder eine neue Bedeutung. Ashokas Weg kann auch ein Weg sein für das heutige Indien.


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