Atemberaubende Artenvielfalt

Das Unterwasser-Eldorado Südsee

Im größten Ozean der Welt gibt es kaum Land, aber Tausende von Inseln und Korallenriffe liegen weit verstreut im Pazifischen Ozean. Verschiedene Meeresströmungen, unterschiedliche Tiefenbereiche und der Einfluss eines veränderten Meeresspiegels während der Eiszeit schafften unterschiedlichste Lebensbedingungen für Flora und Fauna unter Wasser. Die Bewohner waren im Laufe der Evolution einer ständigen Anpassung ausgesetzt, was die Entwicklung einer großen Artenvielfalt mit sich brachte.

Unter Wasser: Fische schwimmen um Korallenstock. Quelle: ZDF

Für Wracktaucher sind die Inseln im Westpazifik ein Eldorado. Hunderte versenkter Schiffe liegen hier. Doch diese Anhäufung hat eine düstere Geschichte. Im Zweiten Weltkrieg war die Südsee Schauplatz blutigster Schlachten zwischen den USA und Japan. Die einzigartigen Korallenlagunen wurden um ein trauriges Superlativ reicher: Hier befindet sich einer der größten Kriegsschifffriedhöfe der Welt.

Kriegsmüll als neuer Lebensraum

Auf den Karolinen im westlichsten Teil des Pazifischen Ozeans hatten die Japaner besonders viele und große Stützpunkte. Die zahlreichen während des Kriegs versenkten Schiffe liegen hier immer noch auf dem Meeresgrund. Doch inzwischen ist aus dem Kriegsmüll ein völlig neuer Lebensraum geworden. Heute bieten die Wracks einer Fülle von Meeresbewohnern willkommenen Schutz. Ob künstliche oder natürliche Riffe, die Südseeinseln sind umgeben von einer unvergleichlichen Unterwasserwelt.

anglerfisch Südsee 4 Quelle: ZDF

Die Artenvielfalt auf engstem Raum ist überwältigend. Das bunte Treiben ist aber nicht immer friedlich. Hier tobt ein Kampf ums Fressen oder Gefressenwerden. Im gedrängten Nebeneinander so vieler Arten haben sich die bizarrsten Strategien entwickelt: Anglerfische haben zum Beispiel ihre Tarnung perfektioniert. Sie ähneln harmlosen "Seeanemonen" und ködern ihre Beute mit skurrilen Anhängseln. Sich zu tarnen, um nicht als Beute zu enden, ist eine andere raffinierte Taktik. Es gibt Fische, die schwimmen sogar kopfüber, um auszusehen wie Seegras. Sie haben nicht nur ihr Aussehen, sondern auch ihr gesamtes Verhalten ihrer Umgebung angepasst.

Wellness auf Südsee-Art

Tiere, die im offenen Meer zu Hause sind, wie Schildkröten, finden sich regelmäßig an den Riffen ein. Ohne diese Oasen könnten sie nicht überleben, und das hat verschiedene Gründe. Sie finden hier Futter und außerdem warten hier die Putzerfische. Sie befreien Schildkröten von lästigen Parasiten. An bestimmten Plätzen haben sich regelrechte Putzerstationen etabliert.

Die winzigen Putzerfische spielen eine Schlüsselrolle im Riff: Jeder einzelne vertilgt am Tag über 1000 Parasiten. Das ist ein überlebenswichtiger Dienst für die Kunden - und ein eindrucksvolles Beispiel für eine perfekte Symbiose. Solche Partnerschaften sind das Ergebnis jahrtausendelanger Evolution. Ein anderes erfolgreiches Team sind die Anemone und der Clownfisch: Zwischen den giftigen Nesseln der Anemone findet der Fisch Schutz vor Räubern, im Gegenzug verjagt er die Fressfeinde der Anemone.

Die Qual mit den Quallen

Quallen brauchen kein fremdes Gift, um sich zu verteidigen, sie sind selbst wandelnde Giftspritzen. In ihren Tentakeln sitzen Tausende explosiver Nesselkapseln, die bei Berührung ihre toxische Ladung abschießen. Quallen gehören zu den giftigsten Meerestieren überhaupt. Manche Arten können sogar für Menschen lebensgefährlich werden.

Anders ist das bei den Mastigias-Quallen. Sie haben kaum noch Nesseln, denn sie brauchen sie nicht mehr. Diese Quallenart lebt in einem kleinen Salzsee auf Palau ohne Zugang zum offenen Meer. Eine weitere Besonderheit der Mastigias-Quallen ist, sie müssen niemals fressen. Alles, was sie zum Leben brauchen, ist Solarenergie. Die gallertartigen Wesen haben sich einen pflanzlichen Ernährer zugelegt. Sie haben Algen in ihren Körper aufgenommen, die sie mit Zucker versorgen. Diese Symbiose hat ihr Überleben gesichert.

Einzigartige Symbiose

Aber wie sind die Mastigias-Quallen überhaupt in den Salzsee von Palau gelangt? Nach der letzten Eiszeit stieg der Meeresspiegel bis auf sein heutiges Niveau. Durch das poröse Korallengestein sickerte Meerwasser in die im Landesinneren gelegenen Täler und mit ihm Eier von Meeresbewohnern - darunter auch solche von Mastigias-Quallen. Doch in ihrer neuen Enklave fanden die Quallen zu wenig Beute, nur durch die Symbiose mit den Algen konnten sie hier überleben.

dirk Steffens in Quallensee Südsee 4 Quelle: ZDF

Die Quallen auf Palau haben ein einzigartiges Verhalten entwickelt. Sie scheinen der Sonne zu folgen: Im dicht gepackten Schwarm schwimmen sie jeden Tag vom einen Ende des Sees zum anderen. Forscher vermuten, dass sie so ihre pflanzlichen Symbionten einer gleichmäßigen Besonnung aussetzen. Eine Symphonie transparenter Schönheit, die sich nur in der Isolation des Quallensees entfalten konnte. Wie bei den Mastigias-Quallen hat die Abgeschiedenheit vom Rest der Welt auf den Inseln der Südsee Einzigartiges entstehen lassen. Und diese Traumwelt hat bis heute von ihrer magischen Anziehungskraft nichts verloren.

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