Athens Aufstieg

Vom Stadtstaat zur Weltmacht

Gibt es eine Verbindung zwischen der gewonnen Schlacht von Marathon und der weiteren Entwicklung der Demokratie? Was für eine Bedeutung messen die alten Griechen diesem Sieg bei?

Sie erinnerten sich an die griechischen Helden, Miltiades und Kallimachos. In diesem Sinne waren die Athener sehr stolz auf das, was bei Marathon passiert war. Es half, die Stadt auf eine Linie zu bringen. Auf der anderen Seite hat der gewonnene Krieg die Möglichkeit gegeben, über längere Zeit die Ansätze zur Demokratie, die es vorher schon gegeben hat, weiter zu entwickeln.

Prophezeiter Sieg

Doch es gibt auch Flottenskeptiker. Miltiades hat Athen bei einem Sieg vor Marathon zwar eine Führungsrolle unter den hellenischen Städten prophezeit, aber so einfach ist es nicht. Sparta könnte sich herausgefordert fühlen.



Die Flotte wird gebaut werden. Und in zehn Jahren werden die Perser tatsächlich wiederkommen. Aber Themistokles besiegt sie 480 vor Christus in der großen Seeschlacht von Salamis. Die Flotte wird Athen vom kleinen Stadtstaat zur Weltmacht katapultieren. Mit ihr dominiert Athen den Bund mit den Überseegriechen - und ist schon bald als Besatzer verschrien. In Athen selbst aber führen die Schiffe zur Demokratie, in der auch die mittellosen Bürger mitbestimmen dürfen.

Militärische und politische Macht

Nun darf auch Krieger sein, wer nur ein Kissen mit zur Schlacht bringen kann und keine schwere und teure Ausrüstung. 200 Trieren hatte die neue Flotte im Jahr 480, 170 Ruderer pro Schiff, zehn Seeleute. Wenn die ganze Flotte auslief wurden 36.000 Athener benötigt. Ein großer Teil der männlichen freien Bevölkerung. Aus der Verantwortung für die militärische Macht Athens folgte die Teilhabe an der politischen Macht. Die fiel den Athenern aber nicht in den Schoß. Die Demokratie musste erst errungen werden.

Doch was ist mit Pheidippides, dem Marathon-Läufer? Ein Laufprofi, der gerade Athen-Sparta und wieder zurück gelaufen ist, stirbt nach den gerade mal 35, vielleicht 42 Kilometern von Marathon nach Athen? Herodot, gerade im Jahr des Laufes geboren, schreibt nichts davon; obwohl ihm das Laufen sonst so wichtig ist: Pheidippides Lauf nach Sparta, der Sturmlauf der Athener gegen die Perser, der Gewaltmarsch des Heeres nach Athen. Vom Marathonläufer wissen nur zwei Schreiber beinahe 600 Jahre später. Der Schriftsteller Lukian schreibt in einer Abhandlung über Fehler beim Grüßen, einer Art antikem Benimmbuch:

Warnung des Boten

Plutarch schreibt von einem heldenhaften Krieger, der "noch erhitzt vom Kampf mit den Waffen lief." Auch er brach nach denselben Worten tot zusammen. In Wahrheit hat ein Bote vom Schlachtfeld - wer immer das war - die Bevölkerung wohl eher gewarnt, dass die Perser kommen und das eigene Heer noch Stunden zurück ist. Ob dann tatsächlich ein paar Athener aus der Stadt flohen, oder alle auf die rechtzeitige Ankunft der Hopliten gebaut haben, weiß man nicht. Kein Text, kein Bild berichtet davon.


Das Heer marschiert in eine Stadt des Übergangs zurück. Einen Hang zu Philosophie und Politik gab es schon. Die schlachterprobten Söhne der Stadt bringen jetzt ein siegestrunkenes Selbstbewusstsein mit, das Athen beflügeln wird. Athen steht an der Zeitenwende.

Die neue Zeit

Als Ausdruck der neuen Zeit wird der Parthenon auf der Akropolis errichtet werden. Ein noch nie da gewesenes Bauwerk. Ein Tempel des Staates und der stolzen attischen Demokratie. Kunst und Bauwerke des klassischen Griechenland werden jetzt geschaffen. Nur war die Klassik in Wirklichkeit gar nicht klassisch dezent - sondern farbenprächtig. Die Statuen und Reliefs, selbst die Tempel waren bunt angemalt.



Die Archaische Epoche wird untergehen und die klassische Epoche wird anbrechen. Wenn das Heer der Athener vor den Perserschiffen im Hafen ankommt. Dafür lohnt es sich in den Augen der Krieger wohl, den Kopf hinzuhalten und sich stets zu beeilen. Piräus wird zu dieser Zeit als Kriegshafen erst gebaut. Vielleicht hat sich die Phalanx auch in der Nachbarbucht im Hafen von Phaleron aufgestellt.

Vollkommener Sieg

Die Perser jedenfalls - sie kommen zu spät. Und drehen ab. Der Sieg der Athener ist jetzt erst vollkommen. Die Jungen werden das Athen aufbauen, das durch die Jahrtausende bewundert werden wird. Miltiades wird ein Jahr später wegen militärischer Misserfolge in Ungnade fallen und stirbt beim Versuch, sich durch einen Kriegszug zu rehabilitieren.


Und der Läufer? Obwohl sein Lauf nach Sparta die viel größere Leistung war, und alle griechischen Tageläufer die Helden der Sportgeschichte sein müssten, hat doch die Legende des einen Laufes ein Wort in die Welt getragen, das für Ausdauer, Willen und Durchhaltevermögen steht und heute Millionen Läufer animiert: Marathon! Zum Gedenken erfunden für die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen.

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