Attilas Ende

Das Schicksal Europas wendet sich

Als erste der wandernden Germanen gründeten die Westgoten ein eigenes Reich im Imperium: das Königreich der Westgoten in Südfrankreich. Sie zerstörten aber nicht das Römische Reich, sie richteten sich in ihm ein. Aber Gefahr drohte auch ihnen noch von den Hunnen.

451 fielen die Hunnen plündernd und mordend in Gallien ein. In ihrem Gefolge waren auch germanische Stämme: Ostgoten, Heruler, Markomannen, Burgunder und fränkische Gruppen. Ein riesiger Heerzug forderte Rom heraus. An der Spitze der Hunnen, der "fürchterlichsten aller Krieger", stand Attila, der Herr so vieler Siege und Beherrscher so vieler Völker, die Geißel Gottes. Die Geschichte hat den König der Hunnen dämonisiert, ihn zum Antichristen gemacht. Wahr ist: Attila konnte sein Reich nur auf Kosten Westroms vergrößern. Deshalb fiel er in Gallien ein.

Das Schicksal Europas wendet sich

Der Campus Mauriacus, die Katalaunischen Felder: Bei Troyes - im Herzen Frankreichs - standen sich zwei gigantische Heere zur Entscheidungsschlacht gegenüber. Das Schlachtfeld war eine Ebene, die sich allmählich erhob. Den linken Flügel bildete der Feldherr Aetius mit den Römern, den rechten Flügel aber König Theoderid mit seinen Westgoten. Man schrieb das Jahr 451 nach Christus. Der Geschichtsschreiber Jordanes überlieferte, was an jenem Tag geschah, an dem sich das Schicksal Europas wendete: "Den ganzen Tag ging die Schlacht mit den Hunnen. Blut ließ einen Bach anschwellen. Die hereinbrechende Nacht setzte dem Kampf ein Ende. Der Ausgang aber war ungewiss."

Erst als am folgenden Morgen die Hunnen keinen Angriff mehr wagten, hielten Römer und Westgoten die Schlacht für gewonnen. Aber die Westgoten vermissten ihren König Theoderid und suchten nach ihm unter den Toten. Nicht nur Hunnen und Römer lagen auf den Katalaunischen Feldern. Ostgoten hatten gegen Westgoten gekämpft, Franken gegen Franken, Stammesverwandtschaft hinderte sie nicht, sich gegenseitig bis aufs Blut zu bekriegen. Und dann fanden die Westgoten zwischen den Leichen ihren tapferen und hehren König Theoderid - durchbohrt von dem Speer eines ostgotischen Stammesverwandten, der den Fahnen Attilas gefolgt war.

"Barbaren" retten das Römische Reich

Ein erzwungener Brudermord sei es gewesen, befand Jordanes in der Gotensaga. In der Schlacht aber war es das mutige Heer der Westgoten, das sich auf Attila und die Hunnen stürzte und sie in die Flucht schlug. Hatten ausgerechnet "Barbaren", die Westgoten, das Römische Reich vor den Hunnen gerettet? So kann man es sehen. Nach 80 Jahren, in denen sie Europa in Angst und Schrecken versetzt hatten, war der Mythos der unbezwingbaren Hunnen gebrochen. Ihre Herrschaft in Europa hatte ein Ende. Ihr König Attila starb im Jahre 453 nach Christus. Die Hunnen zogen sich in die Steppen Asiens zurück. Wie sie aus dem Nichts aufgetaucht waren, verschwanden sie auch wieder.

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