Auf dem Dach der Welt

29. Mai 1953: Hillary und Tenzing im Gipfelrausch

Auf dem Südsattel bereiten Hillary und Tenzing ihren Gipfelversuch vor. Sie wollen ein einfacheres, aber sehr zuverlässiges Sauerstoffgerät benutzen und sie haben einen weiteren Vorteil.

Am entscheidenden Tag werden sie von einem Lager aus starten, das 600 Meter höher liegt als bei Evans und Bourdillon.

Von nun an allein

Aber das Wetter meint es nicht gut mit ihnen. Am 28. Mai flaut der Wind ab, und die Gipfelstürmer machen sich mit drei Helfern auf den Weg: George Lowe, Alf Gregory und Ang Nyima. Bei 8320 Meter nehmen sie Vorräte auf, die Hunt und der Sherpa Da Namgyal vorher deponiert hatten. Ein paar Stunden später hacken sie einen schmalen Sims für ein Zelt in das Eis: Lager 9 in 8500 Meter Höhe. Nur Tenzing und Hillary bleiben. Sie sind von nun an auf sich allein gestellt.

Am 29. Mai um 6.30 Uhr verlassen Hillary und Tenzing das letzte Lager. Die Wetterbedingungen sind hervorragend, windstill, "nur" minus 27 Grad Celsius. Doch der Südostgrat erweist sich als äußerst gefährlich. Auf einem Felsvorsprung unterhalb des Südgipfels finden sie Sauerstoffflaschen, die Bourdillon und Evans bei ihrem Aufstieg zurückgelassen haben. Sie sind noch zu einem Drittel voll. Um 9.00 Uhr erreichen Tenzing und Hillary den Südgipfel. Nur noch 91 Höhenmeter bis zum Ziel. Aber auf halber Strecke lauert eine immense Herausforderung.

Das größte Hindernis ist ein Felsvorsprung, sehr steil und zirka zwölf Meter hoch, die eigentliche Crux der ganzen Besteigung. Hillary begutachtet die Felsen zu seiner Linken, dann entdeckt er eine Art Kamin, der rechts nach oben führt, und kämpft sich hoch. Das vereiste Kliff sieht stabil aus. Wäre jedoch ein Teil abgebrochen, dann wäre er rückwärts in einen über 3000 Meter tiefen Abgrund gestürzt. Schier am Ende seiner Kraft überwindet Hillary die letzte technisch schwierige Stelle unterhalb des Gipfels. Seitdem trägt sie seinen Namen: Hillary Step - Hillarys Stufe. Jetzt ist der Triumph nur noch etwa 400 Schritte entfernt.

Historisches Datum

Der 29. Mai 1953 wird zu einem historischen Datum: Um 11.30 Uhr stehen Edmund Hillary und Tenzing Norgay als erste Menschen auf dem Mount Everest, dem Dach der Welt. Hillary nimmt seine Kamera und fotografiert Tenzing, an ein Bild von sich selbst denkt er nicht. Hillary macht vom Gipfel aus Aufnahmen in alle Blickrichtungen. Tenzing vergräbt Süßigkeiten und einen Bleistift, den ihm seine Tochter Nima mitgegeben hat. Hillary lässt ein Kreuz zurück, das von John Hunt stammt. Nach 15 Minuten beginnen sie mit dem Abstieg. Vier Stunden später treffen sie George Lowe am Südsattel und kriechen erschöpft in ihr Zelt.

Am 30. Mai wartet das Team um John Hunt gespannt im Western Cwm. Eine Funkverbindung zum Südsattel besteht nicht. Um 14.00 Uhr hören sie die Nachrichten von All-India-Radio, die verkünden, dass die Everest-Expedition gescheitert sei. Minuten später tauchen - in weiter Ferne - drei Gestalten auf. Plötzlich beginnt George Lowe im Schnee zu tanzen, er schwenkt seinen Eispickel. Das untrügliche Zeichen, dass sie es geschafft haben.

Verschlüsselte Nachrichten

Damit die Erfolgsmeldung noch rechtzeitig zur Krönungszeremonie von Elisabeth II. in London eintrifft, muss Mike Westmacott über Nacht den Eisfall hinuntersteigen. Am folgenden Morgen übergibt James Morris einen Zettel an einen Boten. Ein ausgeklügelter Code soll sicherstellen, dass die Times exklusiv berichten kann. Die sensationelle Nachricht beginnt deshalb mit einem Hinweis auf schlechte Schneeverhältnisse.

Eineinhalb Tage später erreicht sie Namche Bazar, die nächstgelegene Siedlung. "Vorgeschobenes Basislager aufgegeben", heißt es weiter im Text. Im Codebuch lautet die Nachricht: "Gipfel des Everest am 29. Mai von Hillary und Tenzing erreicht". Erneut wird die Meldung verschlüsselt, nach dem Code des britischen Außenministeriums. Anschließend fast 7000 Kilometer und mit einem Zeitunterschied von fünf Stunden nach London übermittelt, an das Ministerium und an die Times in der Fleet Street.

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