Auf dem Gipfel der Macht

Kaiser und Vollender der Revolution

Im März 1804 gibt Napoleon den Befehl, einen politischen Gegner brutal aus dem Weg zu räumen. Einen, der seinen Ambitionen im Wege steht. Der Brief eines Vertrauten enthüllt Details aus einer nächtlichen Zusammenkunft.

Napoleon wollte das Kaiserreich, er brauchte dazu einen öffentlichen Schock. Den konnte er erzeugen, indem er ein Mitglied des alten Königshauses einer Verschwörung beschuldigte und umbringen ließ. Das demonstrierte seine uneingeschränkte Macht, und brachte auch noch die Republikaner auf seine Seite. Napoleon lässt den Neffen des letzten Königs als Kopf einer Verschwörung gegen sich anklagen. Beweise gibt es nicht. Doch das Urteil gegen den Herzog von Enghien steht schon vorher fest: ein politischer Mord. Damit ist der Weg zur Krone frei. Erst ein Dutzend Jahre zuvor haben die Franzosen ihren König gestürzt. Im Dezember 1804 huldigen sie einem Kaiser, der vorgibt, ihre Revolution zu retten.

"Die Freiheit gesät"


"Ich fand die Krone Frankreichs in der Gosse und habe sie aufgehoben", sagt Napoleon. Er setzt sie sich selbst aufs Haupt. Der Papst ist nur willfähriger Statist in einer pompösen Inszenierung der Macht in der auch Joséphine eine Rolle zugewiesen bekommt: Sie darf Kaiserin sein - von seinen Gnaden. Ein Triumph, den Napoleon für die Nachwelt festhalten lässt: die Geburtsstunde seiner Dynastie. Für den Rest Europas ein unverzeihlicher Affront. Napoleon I. sieht sich selbst als Vollender der Revolution in ganz Europa.

Die Monarchen des Kontinents ziehen gegen den neuen Kaiser zu Felde. Allen voran die Armee Österreichs. Napoleon treibt seine Grande Armée in einem Gewaltmarsch nach Osten. 650 Kilometer in gerade einmal drei Wochen. Strategisch ist er seinem schwerfälligen Gegner immer mehrere Züge voraus. Bei Ulm schließt er den Feind ohne ein größeres Gefecht ein. Das Gros der österreichischen Armee kapituliert - vor einem Mann auf dem Höhepunkt seines Genies.

Er ist mit einer neuen Beweglichkeit und neuer Truppenzusammensetzung gekommen. Mit einer bis dahin für den Feind unvorstellbaren Geschwindigkeit. Napoleon hat sich eine Armee geschaffen, die in der Lage war, seinen Krieg zu führen. Wissenschaftler sind erstaunt über die hohe Qualität der militärischen Ausrüstung, die bis heute erkennbar ist. In ganz Europa hatte Napoleon eine regelrechte Industrie geschaffen, die exklusiv seine Armee bestückte. Stiefel, Uniformen und selbst kleinstes Zubehör sind auf lange Märsche und extreme Belastungen ausgelegt.

Neues Zeitalter

So startet Napoleon die Eroberung: immer die Initiative ergreifend, bestimmt er den Ort der Schlacht, die Europa entscheidend verändern wird: Austerlitz. Mit einer List will er siegen, bevor die Sonne den Nebel verdrängt. 70.000 Soldaten bietet der russische Zar auf. Napoleon räumt überraschend den strategisch wichtigen Pratzen-Hügel - eine Finte. Später sagt er: "Der Zar benahm sich, als würde er Manöver nach meinen Befehlen ausführen." Denn plötzlich tauchen seine Truppen aus dem Nebel auf und siegen auf ganzer Linie. Für die alte Ordnung Europas ist es mehr als nur eine Niederlage - ein neues Zeitalter scheint anzubrechen. Napoleon steht auf dem Gipfel der Macht. In der Heimat lässt er seine Siege in Granit und Marmor meißeln. Der Kaiser selbst wird nun als Cäsar vergöttert. Bis heute bleibt der Triumphbogen in Paris sein Denkmal.

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