Auf dem Weg zur Weltmacht

Das Tor nach Sibirien öffnet sich für die russischen Zaren

In Sibirien warteten die Kosaken um Jermak Timofejew vergeblich auf Verstärkung und Proviant aus Moskau. Immer wieder wurden sie in Scharmützel mit Kutschums Anhängern verwickelt, die nur das Ziel verfolgten, die Kosaken aufzureiben.

Viele von Jermaks Mannen waren nicht mehr am Leben. Und dann geriet auch noch das restliche kleine Häuflein in einen Hinterhalt. Während die Kosaken schliefen, wurden sie von Tataren überfallen. Es gab viele Tote. Jermak Timofejew aber, der mutige Kosak, ertrank, als er sich in ein Boot retten wollte. Das goldene Panzerhemd, ein Geschenk des Zaren, zog ihn in die Tiefe.

Unendlicher Menschenstrom

Erst 13 Jahre nach Jermaks Tod im Jahre 1585 konnte die tartarische Armee Kutschums endgültig vernichtet werden. Jermaks Kosaken hatten den ersten bedeutenden Schritt nach Osten getan, sie hatten das Tor nach Sibirien aufgestoßen und es sollte nie wieder geschlossen werde. Bereits in den nächsten Jahrzehnten ergoss sich ein unendlicher Menschenstrom - darunter viele Abenteurer aus dem Westen - in das "schlafende Land". Sie lockte das "weiche Gold" Sibiriens, der ungeheure Pelzreichtum. Damit ließen sich Vermögen verdienen.

Innerhalb weniger Jahre standen diese Männer am Nördlichen Polarkreis. Von der einheimischen Bevölkerung lernten sie den Umgang mit der feindlichen Natur. Und sie erpressten Pelzabgaben für den Zaren im fernen Moskau. Sie hausten in primitiven Hütten, um dann im Frühjahr weiter zu ziehen. Viele überlebten die Strapazen nicht. Doch andere zogen im Süden immer weiter nach Osten. Und standen bereits 60 Jahre nach Jermaks Tod an der Küste des Pazifik.

Gigantische Landmasse

Die ersten Kosakenexpeditionen waren zufällige Unternehmen, die keinem Plan folgten. Man verließ sich auf seinen Mut und Instinkt, getrieben von Abenteuerlust und der Gier nach schnellem Reichtum. Immer neue Festungen entstanden. Den russischen Zaren aber fiel auf diese Weise eine gigantische Landmasse zu, die Russland erst zu dem machte, was es ist: eine Weltmacht.

Am Don waren einst die ersten Kosaken aufgebrochen, um der "Sonne entgegen" zu ziehen, für sich selbst, die Stroganows und für den Zaren. Doch mit ihnen kam auch die Gewalt in das "schlafende Land" hinter dem Ural. Dennoch war es eine der größten Eroberungstaten der Menschheit, die sich von Europa völlig unbemerkt vollzog.

Zweite Eroberung

Jermak Timofejew ist der Eroberer Sibiriens. Ein Denkmal zur Tausendjahrfeier Russlands in Nowgorod zeigt ihn nachdenklich. Über ihm aber blickt ein Zar nach Osten: Peter der Große. Von seiner neuen Hauptstadt Sankt Petersburg aus, wird er die zweite Eroberung Sibiriens einleiten. Planvoll und durchdacht, so wie die Anlage seiner Metropole.


Sankt Petersburg, das "Venedig des Nordens", ist eine westliche Stadt. Ein Signal für das übrige Europa. Peter ahnte, wie riesig sein Land war. Kurz vor seinem Tod, Anfang 1725, gab er den Anstoß zu einer der größten Expeditionen aller Zeiten: die große Nordische Expedition. Eins ihrer Ziele: die genaue Erforschung des "achten Kontinents."

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