Auf den Spuren der Waldmenschen

Wallace im Jagdfieber

Auch wenn nicht jede Tierart eine Neuentdeckung sein kann, erwartet sich Alfred Russel Wallace von Borneo mehr als von irgendeiner anderen Insel des malaiischen Archipels.

Auf dem Fluss Sarawak wagt er sich mit seinem Assistenten Ali ins Landesinnere vor - obwohl ihm bekannt ist, dass einige Stämme der Dayaks noch immer als Kopfjäger in den Urwäldern leben. Auch sonst ist Borneo anstrengend. Wallace hat gehört, dass ihn Gift- und Würgeschlangen erwarten, Krokodile und Fledermäuse, die Menschenohren fressen.

Geheimnisvolle Waldmenschen

Charles Darwin hat Wallace mit seinem letzten Brief eine Wunschliste von Spezies geschickt. Die Anerkennung durch den angesehenen Gelehrten treibt den jungen Abenteurer im Land der Kopfjäger voran. Was Wallace nicht ahnt: Er wird auf Borneo einer geheimnisvollen Spezies auf die Spur kommen, die die Eingeborenen "Orang-Utans" nennen, was übersetzt "Waldmenschen" bedeutet.

Wallace erkundet die Gegend im Norden Borneos während der Regenzeit auf dem Fluss Sarawak. Als die Wasserfluten endlich verebben, sind Wallace und Ali wieder in ihrem Element. Doch während sie im Dschungel von Borneo unbeirrbar nach Insekten jagen, schreibt Charles Darwin im fernen England fieberhaft an einem bahnbrechenden Buch. Heute weiß man, dass Darwin auf einige seiner zentralen Thesen erst durch die Erkenntnisse des Feldforschers Wallace kam.

Jagd auf Großwild

Wallace ist auf Borneo inzwischen dem Jagdfieber verfallen. Mit präparierten Orang-Utans lassen sich in Europa Spitzenpreise erzielen. Und die Erlöse aus den Orang-Utan-Abschüssen ermöglichen dem ständig finanzschwachen Wallace die Fortsetzung seiner Forschungsreisen. Noch hat Wallace keine Ahnung, wie richtig die Einheimischen liegen, wenn sie die intelligenten Wesen "Waldmenschen" nennen. Er weiß so gut wie nichts über die Tiere. Und betrachtet sie als Großwild. Doch Wallace lernt bei ihrer Verfolgung mehr und mehr über die Lebensgewohnheiten der Menschenaffen. Akribisch wie immer nummeriert er die erlegten Orangs in einer Liste durch.

Beim Abschuss von Nummer 7 geht etwas schief. Unabsichtlich hat Wallace ein Muttertier getötet. Der Fund von Nummer 8 verändert die Lage für Wallace und Ali grundlegend. Das verängstigte Affenbaby rührt die beiden Naturforscher - doch Wallace malt sich zugleich den Triumph aus, Nummer 8 als lebende wissenschaftliche Trophäe mit zurück nach London zu bringen.

Ständiger Körperkontakt

Wallace weigert sich zwar, um wissenschaftliche Distanz bemüht, Nummer acht einen Namen zu geben. Aber er notiert gerührt, das Affenbaby versüße ihm die Forschungsarbeit mit komischen Grimassen und allerlei Faxen. Auch Wallace und Ali fällt schnell auf, dass der Orang-Nachwuchs nur durch ständigen Körperkontakt zufriedenzustellen ist. Wallace plant bereits, seinem "Einzelkind" einen neuen Spielkameraden zu fangen, ein Kapuzineräffchen vielleicht, damit Nummer acht nicht all zu sehr vermenschlicht.

Wallace baut dem kleinen Affen eine Bettkiste, bastelt ein Milchfläschchen und notiert, wann er die ersten Zähne bekommt. Nach einigen Monaten aber muss Wallace erkennen, dass es nicht in seiner Macht liegt, dem Orang-Baby die erschossene Mutter zu ersetzen.


Das Affenkind hat plötzlich keinen Appetit mehr und wird immer schwächer. Doch Wallace hofft, die "arme kleine Kreatur", wie er in seinem Tagebuch schreibt, mit Reiswasser, Kokosmilch und Keksen kurieren zu können.
Nummer acht isst seit einer Woche nichts mehr. Wallace notiert, dass Fieber und Durchfall dem kleinen Orang so sehr zusetzen, dass man es kaum mit ansehen kann. Schweren Herzens beschließt er, den Qualen von des Tieres ein Ende zu machen.

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