Auf den Spuren von Sven Hedin

Von "Wunderseen" und "Wüstenspargeln"

Jahrzehnte später bricht wieder eine Expedition auf, um die Wüste auf Hedins Spuren zu bezwingen. Das Team will mit 16 Jeeps, ausgerüstet mit Zusatztanks und verstärkten Achsen, in das Herz des Sandmeeres vorstoßen.

Die Jeeps bewegen sich mehr als zehn Mal so schnell vorwärts wie Kamele. Hedin verzweifelte am langsamen Tempo seiner Karawane. Die Wüstenfahrt ist bisher eine Erfahrung von Unendlichkeit und friedvoller Natur.

Doch der Schein trügt. Eine Wolkenwand verdunkelt die Sonne. Der berüchtigte Gobi-Sandsturm zieht herauf. Die Wüste beginnt zu vibrieren. Alles gerät in Bewegung, tagelang tobt ein brüllendes Inferno. "Heimat der brausenden Stürme" nennen die Nomaden ihre Wüste. Eine Fahrt wie in der Geisterbahn - für eine Kamelkarawane ein Höllentrip. Im Durchschnitt fegen Stürme an 52 Tagen im Jahr mit mindestens Windstärke acht über den ausgetrockneten Boden. An 21 Tagen rasen schwere Sandorkane mit ungeheurer Gewalt über den Norden Chinas.

Verborgene Wasservorkommen

Der "Yue Ya Quan" - der "Mondsichelsee", ist von einem Geheimnis umgeben. Die Ursache für seine Existenz sollen rätselhafte unterirdische Quellen sein. Selbst den Wissenschaftlern bereitet der See mit seiner magischen Schönheit Kopfzerbrechen. Spezialisten des chinesischen Instituts für Wüstenforschung und ein deutscher Professor für Geomorphologie erkunden seit Jahren systematisch das Phänomen der Wüstenseen. Nach drei Tagen stoßen die Wissenschaftler endlich auf Nomaden, die in völliger Abgeschiedenheit ihr Dasein fristen. Der Geomorphologe Professor Dieter Jäkel will den Beweis für seine These antreten: die Existenz verborgener Wasservorkommen mitten in der Wüste. Immer wieder ist der Berliner hierher zurückgekehrt - wie Sven Hedin der Wüste verfallen.

Im Jahre 1988 hat Professor Jäkel auf Satellitenfotos über 100 Seen in der Badain Jaran Wüste entdeckt. Auf fünf großen Expeditionen hat er sie systematisch erforscht. Am Fuße einer gewaltigen Düne beginnt der Professor zu graben. Und tatsächlich sammelt sich am Boden eines Lochs schon nach wenigen Spatenstichen das erste Nass. Wie ein Wunder erscheint diese Entdeckung, denn der Ort liegt weit vom nächsten Fluss entfernt.

Faszinierendes Biotop

Die Düne hat sich als riesiger Speicher entpuppt. Das Wasser stammt von den durchschnittlich 100 Millimetern Niederschlag, der jährlich in dieser Wüste niedergeht. Es sickert schräg nach unten bis zu einer undurchlässigen Erdschicht und sammelt sich am so genannten "Quellhorizont". Weil in dieser sonst so öden Landschaft das Grundwasser an die Erdoberfläche steigt, entsteht ein faszinierendes Biotop.

Eine verblüffend große Anzahl von Tieren und Pflanzen hat sich in der paradiesischen Mini-Oase angesiedelt, weit entfernt von ihren Artgenossen. Eine kuriose Entdeckung ist "Wüstenspargel". Doch was für unsere Augen so faszinierend und idyllisch erscheint, ist ein schonungsloses Ringen um die begrenzten Ressourcen. Der immer währende Überlebenskampf prägt auch diesen Garten Eden in der sonst so lebensfeindlichen Wüste.

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