Auf der Spur des Goldhandels

Goldfieber - Das Gold aus Tausendundeiner Nacht

Es gibt noch andere Spuren, die zu Kanga Mussas Goldquelle führen könnten. In Sadiola, an der Grenze zum Senegal, könnten die Minen gelegen haben. Noch heute wird an den alten Abbauplätzen Gold gefördert und zu Schmuck verarbeitet.

Die Gegend ist Niemandsland. Keine Stadt, kein Dorf - nur ein gigantisches Loch in der Landschaft. Riesige Bagger fressen sich in das Gestein unter der Trockensavanne. Mehr als 14 Tonnen Gold holen sie pro Jahr aus der Erde - fast zwei Drittel des gesamten Goldes, das in Mali gefördert wird. Das Edelmetall ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor des Landes. Der Goldexport bringt dringend notwendige Devisen.

Millionen aus der Giftgrube

Die Ausbeute von drei Tagen ist eine halbe Million Euro wert, aber vermutlich nur ein kleiner Abglanz des Reichtums von Kanga Mussa. Die Arbeiter werden streng überwacht. Heute wissen die Malier, was ihr Gold wert ist. Doch die Spuren der Geschichte sind längst vernichtet, die Informationen für immer verloren. 65 Meter haben sich die Bagger bereits ins Gestein gefressen, 190 Meter tief soll die Grube werden. Für den Ingenieur Sigi Traoré waren die alten Schächte ein Glücksfall, denn die Spuren der alten Minen führten ihn zur Goldader. Sadiola liegt auf einer sehr reichen Goldader, die schon vor langer Zeit abgebaut wurde.

Im Kampf um das Gold zieht die Natur den Kürzeren. Mächtige Steinmühlen mahlen das Gold aus dem Geröll. Das Gestein wird mit Zyanid gelaugt, einer hochgiftigen Chemikalie, angeblich in einem geschlossenen Kreislauf. Ein See unweit der Mine glitzert golden. Die Idylle ist trügerisch. Hier wird das Zyanid eingeleitet. Gelangt es ins Grundwasser, ist eine Naturkatastrophe programmiert. Mali ist eines der ärmsten Länder der Welt; Umweltschutz ist ein Luxus, den sie sich selten leisten können.

Die legendäre Goldinsel

Das älteste Goldstück Malis ist ein Ohrring aus dem 9. Jahrhundert. Der Ring wurde bei Ausgrabungen in der Nähe von Djenné gefunden, einer Stadt an einem Nebenfluss des Nigers, weiter im Süden. Dort findet man noch Reste von Tonkrügen im Boden - Überbleibsel eines gewaltigen Handelsplatzes, der hier vor knapp tausend Jahren gelegen haben muss. Die trockene Luft hat Zeugnisse der Menschen, die hier lebten, konserviert. Im großen Reich Kanga Mussas war Djenné die Handelsmetropole. Ist es identisch mit der berühmten "Goldinsel", die goldene Stadt des schwarzen Königs?

Ihre Lage auf einer Flussinsel deutet darauf hin. Die prächtige Moschee ist der Sage nach eine der Freitagsmoscheen des Königs auf dem Weg nach Mekka. Noch heute ist sie die schönste in ganz Westafrika, ein Zentrum der islamischen Gelehrten. Die Moschee ist der größte Lehmziegelbau der Welt. Auf Holzpfählen schwingen sich jedes Jahr Arbeiter empor und klatschen frischen Lehm auf die Wände, der bis zur nächsten Regenzeit hält.

Geschenk der Götter

Djenné war berühmt für seine Goldschmiede. Hatten sie im 9. Jahrhundert den Ohrring geschmiedet? Ging die Tradition verloren oder gibt es noch Meister ihres Faches? Gleich neben der Moschee arbeitet Ali, der Goldschmied. Seine Zunft genießt hohes Ansehen in Mali. Gold gilt als Geschenk der Götter. Wer richtig damit umgeht, dem bringt es Glück. Wer es missbraucht, den stürzt es ins Verderben.

Die Menschen glauben, Gold verleihe das "Nyama", magische Kräfte. Durch das Metall steht der Goldschmied in Verbindung zu den Geistern der Ahnen. In Alis Werkstatt fühlt man sich um 700 Jahre zurückversetzt. Nur das Gold ist seltener geworden. Die Goldschmiede Malis schufen einen besonderen Stil, der sich über ganz Westafrika bis nach Arabien verbreitete.

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