Auf die Quelle kommt es an

Analyse im Labor

An der Technischen Hochschule Zürich, im Edelgaslabor des Institutes für Isotopengeologie, werden die im Quellwasser der Oase Ballad Seet enthaltenen Gase analysiert.

Gaube erhofft sich viel von den Untersuchungen. Die Analyse basiert auf dem radioaktiven Zerfall von Tritium zu Helium-3 und gibt Aufschluss über das "Wasseralter". Die Anteile von Helium-3 und Tritium im Regenwasser sind bekannt. Wenn das Regenwasser versickert und vom Sauerstoff abgeschnitten ist, kann im Untergrund das durch den Tritiumzerfall entstehende Helium-3 nicht mehr entweichen. Die Konzentration von Helium-3 nimmt zu, diejenige von Tritium ab. Anhand beider Konzentrationen und ihrem Verhältnis zu einander, kann man berechnen, wie lange das entnommene Quellwasser im Boden verweilte.

Im ersten Schritt wird die Kupferrohrprobe luftdicht an den Entgaser angeschlossen. Dann werden alle im Wasser gelösten Gase in der so genannten Gasfalle kondensiert. Die Stelle an der das Kupferrohr zugequetscht war, wird freigelegt und ganz geöffnet. Dann kann das Quellwasser mit der Vakuumpumpe abgepumpt werden. Damit die Entgasung gut funktioniert wird das Ganze geschüttelt. Nach der Kondensierung in einer Stickstoff-Kühlfalle bei minus 196 Grad Celsius verbleiben nur noch die leichten Edelgase Helium und Neon in der Gasphase. Das so abgetrennte Helium-3 wird im Massenspektrometer gemessen.

Berge als Wasserspeicher

Dr. Aeschabch-Hertig ist zufrieden. Die Messung gelingt. Der Graph zeigt ungefähr 15 Helium-3-Ionen pro Sekunde an, das entspricht circa zwei Tritiumeinheiten. Durch den Vergleich der beiden Konzentrationen, errechnet sich daraus ein durchschnittliches Wasseralter von fünf bis sechs Jahren in der Oasenquelle. Solange braucht das Wasser, um oben vom Plateau bis auf die wasserundurchlässige Schicht, die 1000 Meter niedriger liegt, durchzusickern. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es ein Mischalter ist, es gibt Wasser, das jünger ist und Komponenten, die älter sind. Die Oasenbewohner konnten sich also ausrechnen, wann das Wasser bei ihnen ankam. Ein einziger Regenfall alle fünf Jahre reicht aus, dass die Quelle nicht versiegt. Der lebensfeindliche Naturraum hat zugleich eine Leben spendende Funktion. Mit den Brunnen und dem ständigen Abfall des Grundwasserspiegels hätten Menschen und Oasen nie überleben können.

Aus den Messergebnissen und den Scheich-Briefen wird klar, wie präzise das Wassermanagement in Oman geordnet war. Die Menschen beobachteten die Regenfälle und konnten sich auf die Zukunft einrichten. Die Leute in Ballad Seet wussten, wann sie mit wie viel Wasser rechnen konnten. Die Landverkäufe, von denen die Briefe erzählen, kamen nur aufgrund von lang anhaltenden Dürreperioden zustande. Die Menschen waren gezwungen, ihre Lebensgrundlage zu verkaufen und abzuwandern. Die Siedlungen, die vorausschauend Reserven angelegt hatten, überlebten.

Drohende Kriege ums Wasser

Wasser ist nicht gleich Wasser, auf die Quelle kommt es an. Alleine mit Grundwasser war das Überleben noch lange nicht gesichert. Deswegen zapften die Omanis die Berge an und beobachteten die Menge der seltenen Niederschläge. Aussaat und Vorratshaltung konnten genau geplant werden. So schafften sie es, in dieser unwirtlichen Umgebung zu überleben. Früher war der Reichtum des Oman Weihrauch, heute ist es Erdöl. Mit dem Öl ging die Naturverbundenheit und das überlieferte Wissen um die Wasserwirtschaft verloren. Doch schon heute ist klar - die Bedeutung des Wassers wird immer weiter steigen. Wasser ist Leben. Experten sagen Wasserknappheit und Kriege, die um Wasser geführt werden, voraus. Umso wichtiger ist es, diese kostbare Oasenkultur zu erhalten und das alte Wissen zu bewahren.

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