Auf verwehten Spuren

Der Finder der kleinen Okarina ist immer noch unbekannt

Eines Nachts kommt es im Rungholt-Watt zu einer unheimlichen Begegnung zwischen einer deutschen Gräfin und einem britischen Piloten. Dabei spielt ein kleiner Gegenstand eine lebensrettende Rolle, der bis heute in einem Museum verwahrt wird: eine Tonflöte aus der Zeit, als Rungholt noch ein realer Ort war. Doch die Suche nach dem Finder verläuft bislang Sand.

Britischer Pilot spielt auf Okarina (Spielszene)
Britischer Pilot spielt auf Okarina (Spielszene)

In einer Hochsommernacht - vermutlich im Kriegsjahr 1943. Abgeschossen oder notgelandet, sitzt ein britischer Flieger auf den Resten mittelalterlicher Siedlungen mitten im Watt vor der Hallig Südfall. Nach dem Schrecken des Geschehenen will er wieder zu sich zu kommen. Da entdeckt er im Schlick einen Gegenstand, der sich nach kurzer Reinigung als ein Musikinstrument entpuppt - eine sehr einfache Flöte aus Ton, eine so genannte Okarina.

Couragierte Dame

Tatsächlich kann der junge Mann dem Instrument einige Töne entlocken. Die ungewöhnliche Lautkulisse lockt Diana von Reventlov-Criminil vor die Tür. Obwohl schon in fortgeschrittenem Alter und allein, wagt sich die Gräfin mit eine Lampe bewaffnet hinaus ins nächtliche Watt. Solche Klänge hat sie von See her noch nie vernommen. Sie stößt auf den verwunderten Briten und führt ihn aufs Trockene, bevor die nächste Flut kommt. So gesehen hat ihm die Flöte das Leben gerettet, und er hat vielleicht eine interessante Facette von Rungholt ans Licht geholt. Anders als bisher angenommen, dürfte das Instrument aus dem Mittelalter stammen und somit eventuell mit Rungholt in Verbindung stehen. Doch davon ahnen die beiden nichts.

Gräfin findet Piloten (Spielszene)
Gräfin findet Piloten (Spielszene)

Die Gräfin nimmt den Piloten bei sich auf. Nach einigen Wochen verlässt er Südfall und will sich in deutsche Gefangenschaft begeben. Er möchte auf keinen Fall als Deserteur angesehen werden. Neben einem Dankesbrief hinterlässt er der couragierten Dame die Okarina. Und damit verlieren sich die Spuren des Briten irgendwo im Sand zwischen der Hallig Südfall und der Insel Nordstrand.

Offene Fragen

Die Geschichte von der Gräfin und dem Piloten ist von deutscher Seite überliefert. Der Name des Briten könnte nach neuesten Recherchen Miller gewesen sein, doch konnten bisher keine weiteren Angaben über den Finder der Okarina ermittelt werden. Vielleicht aber gelingt es doch noch, die Spur wieder aufzunehmen, um den Piloten selbst oder Freunde und Verwandte nach den Geschehnissen jener Kriegsnacht im Rungholt-Watt befragen zu können. So wäre wenigstens ein kleines Rätsel aus dem Gebiet von Rungholt gelöst.

Mittelalterliche Spuren im Nordseewatt
Mittelalterliche Spuren im Nordseewatt

Ganz anders sieht es mit den Spuren jener Stadt selbst aus. Die Siedlungsreste, die einst Andreas Busch gefunden hatte, sind längst entweder erodiert oder wieder von Sand und Sediment zugeschwemmt. Die Strömungen und Wattablagerungen wechseln immer wieder. So erscheinen viele Siedlungsreste vergangener Epochen nur für einige Zeit, bis sie weggespült oder wieder zugedeckt werden. Auch unter den Halligen setzt sich das alte landwirtschaftliche Kulturgebiet fort, das die Halligen in späterer Zeit gleichsam überwachsen haben. Ob man das ehemalige Rungholt jemals lokalisieren wird, scheint augenblicklich völlig offen - ebenso wie die Suche nach dem Gast der Gräfin.

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