Aufbruch ins Unbekannte

Warum Kolumbus falsch lag und trotzdem Amerika erreichte

Am 6. September 1492 bricht Christoph Kolumbus mit drei Schiffen von den Kanaren auf zu einem Abenteuer, das vor ihm noch keiner gewagt hat: den Seeweg nach Indien Richtung Westen zu erkunden. Ein tollkühnes Unternehmen, denn der Atlantische Ozean war damals das Ende der bekannten Welt.

Kolumbus blickt zum Horizont an Bord seines Schiffes
Vor Kolumbus segelte kein Entdecker mehr als sieben Tage ohne Landsicht. Quelle: AETN

Kein Seefahrer ist vor Kolumbus länger als sieben Tage ohne Landsicht gesegelt. Er wird diese Marke um vier Wochen übertreffen. Die Mannschaft hat für sechs Monate Lebensmittel gebunkert, doch das Wasser droht zu verschimmeln. Bald reicht es nicht mehr für den Rückweg. Die Navigationskenntnisse zu Kolumbus' Zeit sind beschränkt. Er hat nur eine grobe Ahnung davon, wo sie sich befinden. Nach drei Wochen Fahrt ins Nichts sind die Seeleute verzweifelt. Wie lange können sie noch durchhalten? Kolumbus fälscht die Logbücher, lässt immer wieder Tage wegfallen. Doch nach mehr als zweitausend Kilometern fragt auch er sich: Wo bleibt Asien?

Über tausend Jahre alte Karten

Weltkarte des Martellus
Die Weltkarte von Henricus Martellus nach ptolemäischem Vorbild (um 1490)

Kolumbus stützt sich auf das aktuellste verfügbare Kartenmaterial: Es beruht auf den mehr als 1300 Jahre alten Aufzeichnungen des berühmtesten Kartografen des Antike: Claudius Ptolemäus. Der Gelehrte, der im 2. Jahrhundert n. Chr. in Alexandria lebte, sammelte die Reiseberichte von Seefahrern und Händlern und erstellte daraus Karten. Als Astronom wusste er, wie man mit einem Gitternetz eine exakte Karte der Sterne des Himmels erstellen kann.

Dieses System aus Längen- und Breitengraden übertrug er auf die Erde - eine große Leistung. Erst so ließen sich sinnvolle Karten von Regionen erstellen, die sich auf einer Kugel befinden. Da er um die Übertreibungen der Seefahrer wusste, halbierte er deren Entfernungsangaben. Doch selbst das genügte nicht. Sein Asien geriet viel zu groß, es bedeckt den halben Globus. Asien und Europa wären sich dadurch sehr nahe gewesen. Tatsächlich ist Asien viel kleiner und der Ozean zwischen den Kontinenten viel größer.

Vermessungsprojekt in der Wüste

Nach 34 Tagen auf See scheint für Kolumbus und seine Mannschaft das Meer immer noch endlos. Die Mannschaft steht knapp vor der Meuterei. Kolumbus kann noch drei Tage Weiterfahrt aushandeln. Sein Wille, Asien zu erreichen, ist ungebrochen. Doch fehlerhafte Karten sind nicht der einzige Grund, weshalb immer noch kein Land in Sicht ist: Kolumbus ahnt nicht, dass ihm bei der Streckenberechnung ein folgenreicher Irrtum unterlaufen ist.

Männer mit Kamelkarawane vermessen die Wüste
Alfraganus ließ die Wüste vermessen, um den Erdumfang zu errechnen. Quelle: ZDF

Im 15. Jahrhundert gab es eine Vielzahl einander widersprechender Messungen und Berechnungen des Erdumfangs. Kolumbus berief sich auf die Messungen des Astronomen Alfraganus, der im 9. Jahrhundert im heutigen Iran gelebt hatte. Im Auftrag seines Sultans führte dieser quer durch die Wüste eine Messung des Erdumfangs durch. Um zwei Grad des Erdumfangs zu bestimmen, ließ er seine Diener 224 Kilometer von Hand vermessen. Das Ergebnis ist bis auf ein Prozent genau. Dennoch saß Kolumbus einem Fehler auf: Er hielt die arabischen Meilen für italienische, welche ein Fünftel kürzer sind. In arabischen Meilen ist die Erde viel größer, die Kontinente weiter voneinander entfernt.

Landung in der Neuen Welt

Am 10. Oktober 1492 ist immer noch kein Land in Sicht. Doch es gibt Anlass zur Hoffnung: Ein Vogel lässt sich an Bord nieder. Als er am Abend weiterfliegt, wenden die Schiffe in seine Richtung. Am 12. Oktober 1492 erreichen Kolumbus und seine Mannschaft eine Insel der heutigen Bahamas. In einer feierlichen Zeremonie betreten sie den fremden Boden. Kolumbus tauft die Insel San Salvador - "heiliger Retter". Bis zu seinem Tod glaubt er fest daran, in Asien gelandet zu sein.

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