Aufbruch ins Ungewisse

Schröder-Stranz wagt eine Erkundungstour durchs Eis

Am 15. August 1912 trifft Herbert Schröder-Stranz eine folgenschwere Entscheidung. Er will mit drei Begleitern, Hundeschlitten und Booten die Mammutstrecke von Nordostland über zwei Wasserstraßen bis zum Westen Spitzbergens bewältigen.

Schröder-Stranz-Expeditionsteam Quelle: ZDF

Die übrigen Teilnehmer schickt der Leutnant mit dem Motorsegler zur Cross-Bay voraus. Dort, so seine Vorstellung, geht der Stoßtrupp etwa zwei Monate später wieder an Bord. Bei 80 Grad 25 Minuten Nord und 21 Grad 15 Minuten Ost wagen die vier Deutschen einen Höllentrip durchs ewige Eis. Die "Herzog Ernst" sticht umgehend in See. Nur so entkommt sie der nachdrückenden Drift. Der Marsch durch klirrende Kälte, ohne Kenntnisse der Region ist für Kenner purer Leichtsinn.

Schröder-Stranz verlässt das Schiff Quelle: ZDF

300 Kilometer durch die weiße Wüste

Eilig beladen die vier Männer die Hundeschlitten. Allzu lange dürfen sie sich an der brüchigen Eiskante nicht aufhalten. Außerdem liegt eine Strecke von etwa 15 Kilometern vor ihnen, bis sie an die Küste von Nordostland gelangen. Die eigentliche Route beginnt erst auf der Insel - über mindestens dreihundert Kilometer. Allein der Kompass soll die Kameraden sicher durch die weiße Wüste führen. Ein Aufbruch ins Ungewisse. Der Verlauf des Weges jedoch liegt noch immer im Dunkel. Wenigstens gibt das einzigartige Filmmaterial von Christopher Rave Aufschluss über den Start.

"Werden wir uns alle gesund wiedersehen", fragt sich der Kameramann Christopher Rave, kurz bevor das Schlittenkommando loszieht. Denn nicht nur er fürchtet, dass die Erkundungstour ins Verderben führt. Schon jetzt zweifeln viele an Bord der "Herzog Ernst" am Erfolg der Testfahrt. Mit einem Salut als Abschiedsgruß setzen sich Schröder-Stranz und seine Leute ab. Voller Zuversicht zieht das Gespann in das waghalsige Abenteuer. Niemand weiß, ob alle wie geplant die Insel Nordostland erreichen. Bekannt ist nur: Am Duve-Fjord verliert sich ihre Spur. Die Männer werden nie wieder gesehen.

Eisschollen vor der Herzog Ernst Quelle: ZDF

Nicht gerade ein Sonntagsausflug

Nahe dem Nordkap verlässt Schröder-Stranz das Schiff. Von dort aus - so die Rekonstruktion von Arved Fuchs - wandert die Gruppe über das Packeis in südöstliche Richtung. 1912 präsentiert sich das Gewässer am Polarkreis als grau-weißer Flickenteppich. Die Schlittenfahrt am Nordkap - soviel steht fest - war nicht gerade ein Sonntagsausflug.

Schiff Herzog Ernst sitzt im Eis fest Quelle: ZDF

Schon mehrere Tage hält die "Herzog Ernst" Kurs West. Bis zu ihrem Ziel, der Cross-Bay an der Westküste von Spitzbergen, liegen noch viele Seemeilen. Am 21. August 1912 stoppt der Motorsegler in der Sorge-Bay. Ungünstige Winde und gewaltige Eisschollen zwingen die Mannschaft zum unfreiwilligen Aufenthalt. Die Crew hofft auf baldige Weiterfahrt. Doch es kommt anders. Plötzlich sitzt das Schiff fest, eingeschlossen vom Packeis. Jedem ist klar: Wochen werden verstreichen ohne Aussicht, frei zu kommen. Auch quält die Sorge, ob der hölzerne Rumpf dem Druck der Eismassen standhält. Mitte September macht sich die Crew mit dem Gedanken vertraut zu überwintern. Wenigstens die Versorgung mit Frischfleisch ist gesichert. Und selbst Trinkwasser gibt es genug.

Frischfleischgewinnung durch Eisbär Quelle: ZDF

Weihnachten in der Einöde?

Untätiges Warten auf der festgefrorenen "Herzog Ernst". Für Kapitän Alfred Ritscher höchste Zeit, endlich eine Entscheidung herbeizuführen. Weihnachten steht vor der Tür. Und keiner der elf Männer möchte das Fest ohne Familie in der Einöde verbringen. Doch die Aussichten, zum nächsten Ort durchzukommen und ein Schiff zu erwischen, stehen schlecht.

Stellt sich die Frage: soll die Crew beim Schiff bleiben oder gehen. Eine fatale Situation. Hin- und hergerissen zwischen Optimismus und Zweifel reden die Kameraden stundenlang. Nur Christopher Rave vertritt einen klaren Standpunkt. Er hält den Vorschlag, sich bei minus 30 Grad zur 300 Kilometer entfernten Sorge-Bay durchzuschlagen für zu riskant. Doch Ritscher kann ihn überreden. Allein die fünf norwegischen Matrosen zeigen sich weiterhin skeptisch.

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