Aufbruch zu neuen Ufern

Ein Sapiens-Flussclan auf dem Weg nach Australien

Der Homo sapiens entdeckte mit der Zeit eine neue und wunderbare Art und Weise voran zu kommen: die Schifffahrt. Seit Generationen ist der Flussclan die meiste Zeit des Jahres auf den ausgedehnten Wasserwegen Asiens unterwegs. Sie sind ihm heilig.

Auf dem gewaltigen Gewässer reist die Sapiens-Gruppe bereits einige Monate. Sie haben die indonesische Halbinsel überquert, ohne auf einen einzigen anderen Clan zu stoßen. Trotzdem gibt es andere menschliche Bewohner in diesem Teil der Erde und sie beobachten die Aktivitäten des Flussclans seit langem.

Viele Unterarten

Diese Menschen sind Nachkommen des Homo erectus. Dieser war vor nahezu zwei Millionen Jahren nach Asien gekommen und hatte hier viele Unterarten entwickelt, die ganz Asien besiedelten: den Pekingmenschen, den Javamenschen, den Floresmenschen und andere.



Der Flussclan ist immer unterwegs. Er folgt dem Wasser, getrieben von der Strömung erreicht er schließlich das Ende der asiatischen Landmasse und erblickt zum ersten Mal den Pazifischen Ozean. Für die Sapiens sind die enormen Wassermassen nichts anderes als ein gigantischer Fluss. Allerdings ist er so breit, dass man das andere Ufer nicht sehen kann. Niemals zuvor war ihnen etwas Vergleichbares begegnet.

Schlangenauge und der Fremde

Die Sapiens bauen ein Lager auf. Ein Teil der Männer inspiziert die Küste. Nur ein Krieger bleibt mit drei Frauen und einem Kind zurück: Schlangenauge, der beste Fischer des Clans. Seit sie sich hier niedergelassen haben, kam immer wieder ein seltsamer Mann. Es ist immer derselbe und er tut immer dasselbe. Schlangenauge will mit ihm reden, doch er weiß genau, dass es gefährlich ist, sich Fremden zu nähern. Sie können leicht bösartig oder angriffslustig werden. Jedes Mal läuft der Mann weg. Sein Verhalten ist wirklich merkwürdig. Diesmal beschließt Schlangenauge zu handeln. Er ist sicher, dass ihn kein Mann im Rennen schlagen kann.



Im asiatischen Dschungel kennt er sich aus, er kann die Rufe der Tiere unterscheiden und jede Kreatur selbst aus größerer Entfernung erkennen. Eine Fährte führt Schlangenauge auf die richtige Spur, doch plötzlich tappt er in eine Falle eines "Waldgeistes" und Schlangenauge ist gefangen wie ein blinder Büffel. Die Homo erectus sind tatsächlich ausgezeichnete Jäger. In einer so feindlichen Umwelt gelten andere Regeln, zum Beispiel auch die des Kannibalismus - zumindest unter bestimmten Umständen.

Austausch von Wissen

Für einen Moment bewundern die Erectus-Männer seinen Federschmuck und seine Farben, dann laden sie ihn ein, ihr Mahl zu teilen. Ob sie ihn auch töten und essen wollen? Schlangenauge darf sie nicht erzürnen. Schließlich tauschen die, die im Wald leben mit denen, die auf dem Wasser wandeln, Wissen aus: die Kunst der Schmuckherstellung, Angeltechniken, die Herstellung von Werkzeugen und Kleidung. Überall auf dem asiatischen Kontinent vermischten sich Sapiens und Erectus. Ihre Nachkommen verschmolzen zu der großen Gruppe der asiatischen Völker.


Der Chef ist von der Idee begeistert, das Land auf der anderen Seite des Wassers zu finden. Er beschließt, den Clan zu teilen. Mit dem Schamanen und seiner Familie verlässt er die Gruppe. Später will er zurückkommen, um die anderen zu holen. Homo sapiens kann sich nicht vorstellen, dass Tausende von Kilometern gefährliches Wasser vor ihm liegen.

Angekommen in Australien



Vor 60.000 Jahren entdeckte Homo sapiens eine Landmasse, die seit Millionen von Jahren vom Rest der Welt abgetrennt war: Australien. Endlich angekommen. Nach vielen Tagen voller Hunger und Durst, ausgetrocknet von der sengenden tropischen Sonne haben sie tatsächlich das andere Ufer erreicht. Die Nachkommen dieser außergewöhnlichen Seeleute besiedelten den neuen Erdteil. Hier fanden sie alles, was sie brauchten: Süßwasser, tropische Wälder und nicht zuletzt ausreichend Wild. Trotz dieser Fülle war die Reise des Homo sapiens noch lange nicht zu Ende.

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