Aufstieg der East India Company

Die "Royal Captain" als Stolz der Flotte

Im Jahr 1600 unterzeichnet Königin Elisabeth I. in London die Gründungsurkunde für eine englische Handelskompanie zur See. Die Mitglieder sollen dorthin segeln, "wo der Pfeffer wächst" und begehrte Rohstoffe nach Hause bringen. Dafür erhalten sie die Unterstützung der Regentin.

Die neue Partnerschaft nutzt beiden Seiten. Den Kaufleuten winken satte Profite, der Monarchin die Aussicht auf ein Weltreich.

Güter aus dem Reich der Mitte

Auf dem indischen Subkontinent und in Asien gründet die sogenannte East India Company zahlreiche Niederlassungen. Die Docklands in London avancieren zum Umschlagplatz. Die Flotte verschifft Opium nach China, Baumwolle nach Japan, Kaffee nach Indien, Gewürze nach Amerika. Die Laderäume der Rückkehrer sind gefüllt mit Zimt, Muskat und Nelken aus Südostasien, mit Seide, Porzellan und Tee aus dem Reich der Mitte. Die Kompanie kontrolliert die Hälfte des Welthandels und ein Viertel der Erdbevölkerung. Sie ist die größte multinational operierende Firma jener Epoche.






Doch die Schiffe der Kompanie haben nicht nur Erfolgsgeschichte geschrieben. Anfang 1773 geht James Quick als Erster Offizier an Bord der "Royal Captain". Sie ist gerade vom Stapel gelaufen und steht kurz vor ihrer Jungfernfahrt ins Südchinesische Meer. Der Brite sollte Zeuge einer denkwürdigen Reise werden. Am 24. Januar verlässt der Segler den Hafen. Die "Royal Captain" - mit 44 Metern Länge, elf Metern Breite und drei hohen Masten der Stolz der Flotte. James Quick notiert in sein Logbuch: "Kommen gut voran. Höchstgeschwindigkeit fünf Knoten, Wetter günstig." Die Fahrt verläuft also zunächst planmäßig - ohne besondere Vorkommnisse.

Komplizierte Rechnung

Nach knapp 11.000 Seemeilen erreicht die Crew am 23. August die chinesische Küste vor Kanton. Ihr Weg führt sie auf dem Perl-Fluss zur Insel Whampoa. Nur dort dürfen sie ankern. Ein Gesetz, das für alle europäischen Kaufleute gilt. Ebenso wie eine spezielle Zeremonie: das Vermessen des Schiffes. Ein hoher Zollbeamter des Kaisers ist dafür zuständig. Sein Mitarbeiter schreitet die Entfernung zwischen Fock- und Besanmast ab. Auch über die Breite des Decks zählt er die Schritte. Die Maße liefern die Grundlage für eine komplizierte Rechnung. Das Resultat ergibt die Höhe der Liegegebühr. Hinzu kommt das Bakschisch für den Offiziellen - zusammen immer eine stattliche Summe.

Auch in Kanton selbst herrschen für Ausländer strenge Regeln. Nur erfahrene Kaufleute mit einer Zulassung dürfen bis vor die Stadtmauern fahren. Die Warenhäuser der verschiedenen Nationen reihen sich entlang des Hafenbeckens. In den Kontoren lagern die chinesischen Exportgüter - bereit zum Abtransport. Die "Royal Captain" nimmt die übliche Fracht an Bord: Tee, Seide und Porzellan. Als Belohnung für die gefährliche Reise nach Fernost gewährt die Handelsorganisation ihren Mitgliedern ein besonderes Privileg: Sie erlaubt Privathandel. Dem Kapitän und jedem Offizier ist es gestattet, fünf Prozent der Register-Tonnen für den Eigenbedarf zu beanspruchen.

Überlebenskampf im Logbuch



Am 14. Dezember 1773 startet der Segler mit gutem Wind in Richtung Balambangan, einem Freihafen der Engländer in Malaysia. Die See ist ruhig. Drei Tage später jedoch - 170 Seemeilen vor dem Ziel - endet die Fahrt abrupt. Um 2.30 Uhr in der Nacht läuft die schwer beladene "Royal Captain" auf ein Riff. Den Überlebenskampf schildert James Quick im Logbuch, das er in letzter Minute retten konnte.

Minutiös hält der Erste Offizier fest, wie die Mannschaft versucht, das Schiff wieder flott zu machen. Doch alle Bemühungen scheitern. Als sich der Segler schräg legt und Wasser durch die Geschützluken dringt, gibt der Kapitän Befehl, in die Beiboote zu steigen. Die "Royal Captain" ist verloren.

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