Aufstrebende Handelsmacht

Schifffahrt bis an die damals bekannten Grenzen der Welt

Machtgier und Hinterlist sind das Erbe der Welt, in die Hannibal im 3. Jahrhundert vor Christus hineingeboren wird. Die legendäre Metropole Karthago an der Küste des heutigen Tunesien ist seine Heimat.

Die Stürme der Jahrhunderte haben alles hinweg gefegt. Heute sind nur noch Ruinen, wo vor zweitausend Jahren Menschen aus aller Herren Länder zusammen lebten - Hochburg der Händler und Kaufleute. Man sagte den Einwohnern von Karthago nach, dass sie ihre Kunden übers Ohr zu hauen pflegten. Ein Ruf, der den Vorfahren Hannibals im gesamten Mittelmeerraum anhaftete.

Der Trick mit dem Kuhfell

Um 800 vor Christus wird Karthago gegründet. Schon der Aufstieg Karthagos beginnt mit einer List - so erzählt die Legende. Übers Meer aus der Stadt Tyros im heutigen Libanon soll die Ahnherrin Hannibals gekommen sein: die phönizische Prinzessin Elyssa, von den Römern Dido genannt. Die Heimatlose auf der Flucht bittet einen afrikanischen Fürsten um Land. Der geizige Häuptling schenkt ihr gerade so viel, wie auf eine Kuhhaut geht. Er hat nicht mit der Gerissenheit der Prinzessin gerechnet. Sie schneidet das kleine Fell in hauchdünne Riemen. Aneinander gereiht reichen sie aus, ein Stück Küste einzugrenzen - die Keimzelle Karthagos.

Das Meer ist die wahre Heimat der Erben Didos. Die Karthager sind mutige Seeleute. Sie befahren alle Küsten zwischen Ägypten und Spanien und wagen sich sogar in den stürmischen Atlantik hinaus, bis an die Grenzen der damals bekannten Welt. Bis nach England und zu den kanarischen Inseln durchpflügen ihre Schiffe den Ozean.

Herren über das Meer

Bereits im 3. Jahrhundert vor Christus sind die Vorfahren Hannibals die unangefochtenen Herren über das Meer. Kein anderes Volk kann es an Mut und Geschick mit diesen Seefahrern aufnehmen. Seiner Flotte verdankt Karthago Macht und Reichtum.

Schiffe waren der Schlüssel zum Erfolg der Karthager. Schiffe mit über hundert Ruderern - schnell und wendig wie der Wind. Sie brachten Purpur aus der Levante, Elfenbein aus Afrika, Weihrauch aus den Wüsten Arabiens, Silber, Alabaster und Perlen. "Karthago", sagten die Nachbarn neidisch, "ist die reichste Stadt der Welt". Und ihr Hafen, das Herz der pulsierenden Metropole, war ein Wunderwerk antiker Technik.

Überwältigender Anblick

Archäologen haben ausgerechnet, dass die Karthager eine Viertelmillion Kubikmeter Erde für das ehrgeizige Bauprojekt bewegten. Ein Seefahrer der Antike muss überwältigt gewesen sein, wenn er in den prachtvollen Hafen einfuhr. 150 auf 400 Meter misst das Becken, das die Erbauer ausgeschachtet haben. Zu beiden Seiten erstrecken sich breite Kais mit Lagerhäusern der Reeder und Kaufleute. Ein internationaler Handelsplatz. Dahinter aber liegt - von gewaltigen Mauern abgeschirmt - der militärische Sperrbezirk mit dem Herzen Karthagos, dem Kriegshafen - für fremde Augen streng verboten.

Eine raffinierte Dockanlage bietet platz für über 200 Kriegsschiffe. Wie Garagen reihen sich überdachte Bootsplätze aneinander - die modernste Werft der damaligen Zeit. Über allem, auf dem Dach der Anlage, thront die Admiralität und überwacht dieses gigantische Tor zur Welt. Aber diese einzigartige Weltstadt hat einen mächtigen Gegner: Rom.

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