Augusts Sinn für das Schöne

Förderer von Kunst und Kultur im Kurstaat Sachsen

August der Starke hat das 50. Lebensjahr überschritten, als sein Feuer für die Reize der Frauen erlischt. Seine Leidenschaft für das Schöne aber brennt weiter - in einem Musentempel, der in der ganzen Welt einmalig ist. Um der Welt seine Majestät vor Augen zu führen, schmückt er sich mit einer Schatzkammer wie aus Tausendundeiner Nacht.

August bewundert ein Porzellangefäß (Spielszene)
August bewundert ein Porzellangefäß (Spielszene) Quelle: ZDF

In Dresden widmet sich der König mit größter Hingabe der Selbstinszenierung. Bernstein, Bergkristall, Gold - alles findet seinen eigenen Raum im "Grünen Gewölbe", benannt nach den malachitgrünen Säulen im Pretiosensaal. Die Nachbildung des Hofstaats zu Dehli am Geburtstag des Großmoguls Aureng Zeb hat einen unermesslichen Wert. Die Figuren sind vielleicht die persönlichsten Gegenstände, die es von einem Barock-Herrscher gibt. Das Meisterwerk des königlichen Juweliers Dinglinger erzählt von einem indischen Märchenkönig, dem die Untertanen kostbare Geschenke darbringen. Eine Phantasiewelt unumschränkter Macht, wie August sie sich erträumte.

König im Porzellanfieber

Der starke Mann aus Sachsen zeigt seine uneingeschränkte Macht auch mit dem Zerbrechlichsten, das seine Zeit zu bieten hatte. Er sagt, er sei von der "Maladie Porcelaine", dem Porzellanfieber befallen, so sehr, dass er sogar Vasen gegen Soldaten tauscht. Wie Trophäen sammelt er die kostbarsten Stücke, die aus China nach Europa gelangen. Doch er will das "weiße Gold" auch nutzen, um die leeren Kriegskassen zu füllen. Der Alchemist Johann Friedrich Böttger findet tatsächlich eine Rezeptur, um Gefäße aus dem heiß begehrten Material zu erschaffen. Wenig später wird in Meißen die erste europäische Porzellan-Manufaktur gegründet.

Porzellanfertigung
Porzellanfertigung Quelle: ZDF

Die ersten Stücke, die bis heute im Zwinger aufbewahrt werden, sind aus rotem Böttger-Steinzeug. Erst einige Jahre später kann der Alchemist die Rezeptur soweit verfeinern, dass er auch "weißes Gold" herstellen kann. An allen europäischen Fürstenhöfen ist das "weiße Gold" gefragt - und bald wird das sächsische Porzellan sogar nach China exportiert.

Interesse für Architektur

Der Sinn für die Annehmlichkeiten des höfischen Lebens wird Friedrich August in die Wiege gelegt. Schon sein Großvater, Johann Georg II., liebt es, große Feste zu veranstalten und französische wie italienische Künstler in das Kurfürstentum einzuladen. Am wettinischen Fürstenhof ist es zudem üblich, dass jeder Prinz ein Handwerk erlernt. Augusts Elfenbeinschnitzereien werden später im Grünen Gewölbe aufbewahrt. Einer seiner Lehrer, Wolf Caspar von Klengel, weckt schon in jungen Jahren Augusts Interesse für die Architektur. Der Kurfürst entwirft sogar eigene Pläne für seine Kunstsammlung und für sein Jagdschloss Moritzburg. Er legt großen Wert auf den engen Kontakt zu seinen Baumeistern. Auf dem Höhepunkt der Macht verwirklicht August seinen Traum von einem Florenz an der Elbe. Er gibt 1710 den Zwinger in Auftrag.

Dresdner Zwinger
Dresdner Zwinger Quelle: mev

Auf dem großen Platz zwischen den Galerien und Pavillons finden prunkvolle Feste statt - und stets spielt August den Regisseur bei der Planung seiner Mega-Events. Die Hochzeit seines Sohnes Friedrich August mit Maria Josepha von Österreich wird ein solcher Mega-Event. August sieht die Verbindung als politischen Erfolg, durch den der sächsische Hof in der Rangordnung deutscher Fürstentümer aufsteigt. Nicht verwunderlich also, dass August 1719 schon Monate vor den Hochzeitsfeierlichkeiten mit der Planung beginnt.

Minutiös geplante Feiern

Obwohl die Hochzeit in Wien stattfindet, organisiert August in Dresden minutiös geplante Feiern, die sich über den gesamten September erstrecken. Er kauft das Holländische Palais von Flemming, baut das Türkische Palais um und lässt sogar in der Nähe des Zwingers ein ganzes Opernhaus neu errichten. Den beeindruckenden Auftakt der Festlichkeiten bildet Maria Josephas Ankunft über die Elbe. Ein eigens gebautes Lustschiff bringt sie in Begleitung von 15 holländischen Yachten in ihre neue Heimat.

August betrachtet gemeinsam mit einer Mätresse ein Feuerwerk (Spielszene)
August betrachtet gemeinsam mit einer Mätresse ein Feuerwerk (Spielszene) Quelle: ZDF

Der sächsische Hof ist unter August in ganz Deutschland für seine extravaganten Feste berühmt. Für August stellen sie, wie auch seine umfangreiche Kunstsammlung, eine Möglichkeit zur Repräsentation dar. Seine Schatzkammer, das Grüne Gewölbe, öffnet August 1728 auch für das Volk: Jeder soll sich vom unerschöpflichen Reichtum seines "Sonnenstaates" überzeugen. "Wer das Staunen verlernt hat, der lernt es hier wieder", schwärmt der Schriftsteller Gerhart Hauptmann später.

Unverwirklichte Träume

August der Starke stirbt im Jahr 1733 an den Folgen von Diabetes. Er träumte, lebte und feierte die schillernden Ideen des Absolutismus. Ganz verwirklichen konnte er sie nie. Seine letzte Ruhestätte findet der König in Polen. Sein Herz aber kehrt in einer silbernen Kapsel nach Dresden zurück. Dass es wieder zu schlagen beginnt, wenn ein hübsches Mädchen vorübergeht, ist ein schönes Märchen. Als großer Herkules Saxonicus und sächsischer Stammvater wird er berühmt. In Erinnerung bleibt er vor allem durch seine Sammlungen und seine Bauwerke.

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