Aus Nofretete wird ein Mann

Erste erfolgreiche Schritte zur Identifikation

1966 landet ein Besucher aus Deutschland in der Ausstellung in einem kanadischen Museum nahe der Niagara-Fälle. Am Ende einer Dienstreise findet Meinhard Hoffmann Gelegenheit, die ägyptischen Funde zu bestaunen und glaubt Nofretetes Mumie entdeckt zu haben.

Beim Anblick einer Mumie stutzt Meinhard Hoffmann. Dem Etikett zufolge soll die Gestalt die Frau von Pharao Amenophis IV., also von Echnaton sein. Das heißt: Es wäre Nofretete. Er stellt Überlegungen an, denn eigentlich ist es kaum möglich, dass eine Königin, die in Ägypten mumifiziert, bestattet worden ist, ihren Weg bis in ein Panoptikum zu den Niagara Falls findet.

Hinweis auf Nofretete

Zehn Jahre lang behält Hoffmann die Beobachtung für sich. Dann liest er in einem Zeitungsartikel, dass ägyptischen Königinnen vor der Mumifizierung der linke Arm angewinkelt worden sei. Auf den Dias von 1966 ist bei der angeblichen Gattin Echnatons kein angewinkelter Arm zu entdecken. Doch Hoffmann verschlägt es den Atem, denn die nackte Mumie im Hintergrund liegt exakt in der beschriebenen Pose. Er vergleicht eine Replik der berühmten Nofretete-Büste mit dem Profil der ausgestellten Figur.

Die Gesichtslinie ist derart übereinstimmend, dass er von der Nofretete-Vermutung überzeugt ist. Hoffmann überprüft die These mit einer genaueren Messmethode - und findet sein Ergebnis bestätigt. Doch wenn in einem unbedeutenden Museum in Kanada die Mumie von Nofretete ruhen soll, wäre das tatsächlich eine Weltsensation.

Unerwartetes Detail

1985 untersucht der Ägyptologe Arne Eggebrecht das fragile Skelett im Auftrag des ZDF. Der Experte entfernt das Leichentuch und erlebt eine Überraschung. Die Mumie offenbart ein unerwartetes Detail: ein eingewickelter Penis. Darüber hinaus hält sie nicht einen, sondern beide Arme gekreuzt. Meinhard Hoffmann wartet gespannt auf das erste Urteil von Professor Eggebrecht. Nach eingehender Betrachtung der "nackten" Mumie kommt Eggebrecht zur verblüffenden Schlussfolgerung: die vermeintliche Nofretete ist ein Mann. Um 1500 vor Christus, zur Zeit des Neuen Reiches, wurden ausschließlich Pharaonen mit über der Brust gekreuzten Armen bestattet. Aber auch 2000 Jahre später - unter römischer Herrschaft - war diese Totenhaltung üblich.

Bei einem zweiten Ortstermin an den Niagara-Fällen soll der deutsche Mediziner Wolfgang Pahl eine umfassende radiologische Untersuchung vornehmen. Vielleicht lassen sich so Alter und Herkunft des Verstorbenen feststellen. Wird der alte Ägypter sein Geheimnis endlich preisgeben? Wolfgang Pahl und Arne Eggebrecht richten im Museum ein provisorisches Labor ein. Den Kopf des Toten durchleuchten die Wissenschaftler mit einem mobilen Röntgengerät. Nach und nach entsteht eine Reihe von Aufnahmen. Fazit: Eine Datierung in die Zeit des Neuen Reiches ist wahrscheinlich.

Aufwendige Mumifizierung

Was die Bilder bereits vermuten lassen, bestätigt schließlich die Endoskopie. Das Gehirn des Leichnams ist entfernt worden, der Schädel stattdessen zur Hälfte mit Baumharz gefüllt. Ein Verfahren, wie es um 1500 vor Christus in Ägypten gebräuchlich war. Die aufwendige Mumifizierung deutet auf einen hohen Stand des Toten.

In Deutschland wertet Pahl die Röntgenbilder aus. Im Brustkorb sieht er einige Fremdkörper. Nichts Ungewöhnliches, denn im Neuen Reich entnahmen die Balsamierer verstorbenen Königen die Organe und ersetzten sie gegen Stoffbündel. In der römischen Epoche wurden die Organe zwar ebenfalls entfernt, jedoch in Leinen gewickelt und anschließend wieder in die Bauchhöhle zurück gelegt. Solche Organ-Päckchen glaubte Wolfgang Pahl damals im Brustkorb deutlich zu erkennen.

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