Ausbeutung eines Paradieses

Jagd nach Rohstoffen

Ende des 19. Jahrhunderts gerät die Südsee ins Visier der Kolonialmächte. Die Suche nach Rohstoffen treibt die Kolonialherren immer tiefer in unbekannte Wildnis. In der Südsee finden sie einen wertvollen Schatz: Guano, versteinerten Vogelkot. Er wird zur begehrten Quelle für Phosphatdünger, den die Landwirtschaft zu Hause dringend braucht. Für die Inseln und ihre Bewohner hat das fatale Folgen.

Guanoabbau in Nauru. Quelle: ZDF

Auf den guanoreichsten Inseln der Südsee beginnt ein rücksichtsloser Wettlauf der Kolonialherren um den wertvollen Rohstoff. Auch Deutschland betrieb eigenen Phosphatminen und verschiffte Tausende von Tonnen. Für die Insel Nauru wurde der einstige Reichtum zur Falle. Das winzige Eiland barg einst Bodenschätze im Wert von über einer Milliarde Dollar. Heute gleicht die Insel einer Mondlandschaft. Seit etwa 40 Jahren plündern die Nauruer ihre eigene Insel rücksichtslos aus. Seit den 1990er Jahren brach die Fördermenge zusammen, inzwischen schürfen die Inselbewohner nur noch Reste. In ein paar Jahren wird der einstige Reichtum unwiederbringlich dahin sein.

Vogelkot als Goldgrube

guano Südsee 3 Quelle: ZDF


Guano ist ein Geschenk der Natur: Millionen Vögel haben ihn über Millionen Jahre angehäuft. Er versteinerte und wurde zum reinsten Phosphatvorkommen der Welt und damit zu einem wertvollen Rohstoff. Doch die Zeiten haben sich dramatisch geändert: Vor etwa zweieinhalb Millionen Jahren hatte die Eiszeit die Erde im Griff: Nord- und Südpol waren vereist, und der Temperaturunterschied zwischen Polen und Tropen war größer als heute. Die Differenz wirkte sich massiv auf Strömungsverhältnisse in Atmosphäre und Ozeanen aus.

Aus den Polargebieten sank kaltes Wasser hinab in die Tiefsee und sorgte für kräftige Strömungen rund um den Globus. So gelangte viel kaltes Tiefenwasser aus dem Südpolarmeer in die Region am Äquator und zu den Inseln im Pazifik. Durch die große Dynamik strömte kaltes, nährstoffreiches Wasser an den Landsockeln aus der Tiefe nach oben. An der Oberfläche explodierte Leben: Das Plankton zog Fische an, und Fische wiederum lockten Vögel herbei. Paradiesische Zustände, die zu einer unvorstellbaren Dichte an Vögeln auf den kleinen Eilanden führte. Ihr Kot ließ die Guano-Schicht auf manchen Inseln bis zu 20 Meter hoch wachsen.

Motor der Evolution

Heute gelangt weniger kaltes Tiefenwasser in die Region. Außerdem ist das Wasser im Gebiet der Guanoinseln an der Oberfläche wärmer und die Wasserschichtung stabiler. Weniger Nährstoffe steigen auf, die Inselwelt hat für die Vögel an Attraktivität verloren. Aber gerade Nährstoffknappheit bewirkte Erstaunliches: Sie ist der Grund für die Entstehung besonders artenreicher Lebensgemeinschaften. Denn die Konkurrenz um knappe Ressourcen wirkte wie ein Motor der Evolution und schaffte.

Tiefenwasser Südsee 3

Trotz dieser Vielfalt bleibt das Problem der kleinen, abgelegenen der Südseeinseln, dass es nur ganz wenige Rohstoffe gibt. Die Zerstörung von paradiesischen Lebensräumen durch die Ausbeutung der Rohstoffe ist kaum aufzuhalten. Der größte Teil der Inselwelt des südwestlichen Pazifischen Ozeans ist Wasser. Findet sich an Land kein geeignetes Exportgut, bleibt immer noch das Meer.

Trügerische Idylle

Rund um die Südseeinseln gibt es große Vorkommen an Seegurken. Sie sind nicht nur wegen ihrer Klebefäden begehrt, sondern auch als Nahrung. Mit einem hakenbewehrten Senkblei kann man die plumpen Tiere leicht vom Grund sammeln. Vor allem in asiatischen Ländern werden Seegurken als Delikatesse geschätzt. Die Nachfrage ist so groß, dass die skurrilen Weichtiere zum wichtigsten Exportgut einiger Südseeinseln wurden.

Nun sollen Schutzzonen sicherstellen, dass der Fang nachhaltig bleibt. Seegurken sind eine der wenigen Ressourcen, mit denen die Südseebewohner internationalen Handel betreiben. Andere Exportgüter sind inzwischen Mangelware.

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