Ausbreitung einer Kultur

DNA-Analysen sollen helfen, Wanderungen der Skythen zu bestimmen

Wer waren die Skythen, deren Welt von mongolischen Gipfeln bis nach Ungarn reichte? Wie erklärt sich das Phänomen der gewaltigen durch Funde belegten Ausbreitung dieser Kultur? Fragen, die Ortwin Dally vom Deutschen Archäologischen Institut (DAI) ans Schwarze Meer führen.

Steilküste Asowsches Meer Quelle: ZDF

Ortwin Dally sucht nach den Grabhügeln der Skythen. Eine schwierige Aufgabe in einer Landschaft, die seither tausende Male umgepflügt wurde. Doch ein seltsamer Stein auf einer unscheinbaren Erhöhung ist für den Spezialisten mit dem geschulten Auge ein Volltreffer: Er weist auf einen Kurgan hin. Dallys Revier sind die Ufer des Asowschen Meeres. Hier fließt der Don in die nordöstliche Ecke des Schwarzen Meeres. Die Skythen folgten den Flüssen, glaubt er, und stießen auf eine ganz andere Welt.

Wissenschaftler untersucht Stein im Maisfeld Quelle: ZDF

Kulturelle Entwicklungen

Zufallsfunde wie ein Fragment einer griechischen Amphore aus dem 4. Jahrhundert vor Christus belegen, dass die Skythen am Schwarzen Meer auf Griechen gestoßen sind. Kam es zu einem Kampf der Kulturen? Hermann Parzinger verneint, denn Außenkontakte spielten eine zentrale Rolle als Schub für kulturelle Entwicklungen. Das betraf Sibirien genauso wie die Reiternomaden Mittelasiens und, deutlich sichtbar am Schwarzen Meer, die Griechen, die dort nachhaltig auf die Skythen einwirkten.

Herkunft und Verwandtschaft

Einem künstlichen Auge ähnelnde Perle Quelle: ZDF

Wie verlief das Zusammentreffen der beiden Welten? Stimmt das Klischee von den rohen Barbaren aus der Steppe? Archäologische Grabungen sollen Fakten liefern. An der Steilküste des Asowschen Meeres untersuchen die Wissenschaftler auch abgebrochene Schollen. Die Grabung ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn es lösen sich fast täglich Erdschollen, die zum Strand hin abrutschen und dann im Meer versinken und die Gräber, die bis jetzt nur zu einem Drittel bekannt sind, mit sich reißen. Die Spurensicherung erfolgt, bevor der Befund endgültig in den Wellen versinkt: Dallys Team findet eine Perle, die aussieht wie ein künstliches Auge, und einen Vorratstopf.



Neben den Grabbeigaben interessiert Ortwin Dally hauptsächlich die DNA der Skelette. Um die Proben nicht zu verunreinigen und damit unbrauchbar zu machen, wurden neben einem Rauchverbot strenge Hygiene-Regeln eingeführt - fast wie im OP. Grabungsmitarbeiter Torsten Schunke betätigt sich als Zahnarzt: Ein Backenzahn 4/wird entfernt. Er wird im Labor untersucht und soll über Herkunft und Verwandtschaft des Toten Auskunft geben. Ziel der umfangreichen Zahn-DNA-Analysen ist es, die gewaltigen Wanderungen der Reiternomaden aus dem Osten bis vor die Tore Berlins endlich besser zu verstehen.

Die sibirische Steppe ist das Ursprungsgebiet der geheimnisvollen Skythen. Von hier aus verbreitete sich ihre faszinierende Goldkunst. Das belegen Grabungsfunde. Wenn es den Forschern nun gelingt, die Toten zum Sprechen zu bringen, kann ein vergessenes Kapitel Menschheitsgeschichte geschrieben werden.

Ausgrabungen in Taganrog Quelle: ZDF

Versunkene Stadt

Von der Hafenstadt Taganrog aus wollte der Zar Peter der Große sein Reich nach Westen öffnen. Das scheiterte an den Türken, die den Bosporus beherrschten. Heute ist Taganrog ein Provinznest. Archäologe Ortwin Dally sucht dort nach einer versunkenen griechischen Stadt, in der auch Skythen gelebt haben könnten.

Erst vier bis fünf Meter unter der Oberfläche stoßen die Ausgräber auf Fundschichten. Auf den ersten Blick kommt grünlich schimmernde Eisenschlacke zum Vorschein. Doch wo Schlacke ist, wurde auch Eisen produziert. Die Gräber finden auch eine Pfeilspitze, eindeutig vom skythischen Typ. Hier könnte eine Waffenschmiede gestanden haben, die die Reiterkrieger mit Munition versorgte.

Vergebliche Suche in den Gewässern vor Taganrog Quelle: ZDF

"Atlantis im Schwarzen Meer"

Doch wo liegt die dazugehörige Stadt? Einen großen Teil vermutet Dally unter Wasser. Darauf deuten viele Tausende Scherben hin, die in Taganrog ans Ufer gespült wurden. Zwei Weltmeister im Orientierungstauchen sollen helfen, das "Atlantis im Schwarzen Meer" zu finden. Am Übergang zur Tiefwasserzone sehen sie die größten Chancen. Mit einer Unterwasserkamera sollen sie den versunkenen Ort dokumentieren.

Ortwin Dally setzt einige Hoffnungen in die Orientierungstaucher. Doch die scheinen machtlos. 15 Zentimeter Sicht sind katastrophal. Dichte Algenblüte. Das Asowsche Meer ist ökologisches Notstandsgebiet. Sie müssen aufgeben. Keine Chance, den Meeresgrund abzusuchen. Der Stadtkern bleibt ein Phantom.

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