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Australien – eine unendliche Geschichte

Faszination Erde mit Dirk Steffens

Doku | Terra X - Australien – eine unendliche Geschichte

Uralte Landschaften und sonderbare Tiere – eine Reise durch Australien ist eine Reise in eine längst vergangene Zeit. Dirk Steffens enthüllt die unendliche Geschichte des Kontinents.

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.02.2019, 23:30
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

Das Leben hat es nicht leicht in Australien: Hitze und extreme Trockenheit, sintflutartige Niederschläge und über Jahrmillionen ausgewaschene, nährstoffarme Böden prägen den Kontinent. Doch genau diese Bedingungen haben die Tiere hier zu besonderen Anpassungsstrategien gezwungen.

Koala und Eukalyptus – zwei Überlebenskünstler

Koala auf Eukalyptus-Ast
Koalas beherrschen die Kunst des Energiesparens.
Quelle: getty images

Kein Tier verkörpert die australische Lebensart so wie der Koala. Die Beuteltiere schlafen bis zu 20 Stunden am Tag, Zeit, in der ihr Stoffwechsel auf Sparflamme arbeitet. Sie können es sich leisten, denn ihr Schlafplatz bietet ihnen zugleich genug zu fressen: Koalas ernähren sich ausschließlich von Eukalyptusblättern.

Die Blätter des Eukalyptusbaums sind allerdings schwer verdaulich. Der Aufwand, sich mit Energie zu versorgen, ist entsprechend hoch. Eine erfolgreiche Anpassung hilft den Koalas beim Energiesparen: Ihre Gehirne sind verglichen mit denen anderer Säugetiere im Verhältnis zur Körpergröße auffallend klein, nur etwa 20 Gramm schwer. Koalas müssen dadurch nur einen Bruchteil der Energie verbrennen, um die Leistungsfähigkeit dieses zentralen Organs zu ermöglichen.

Buschfeuer im Eukalyptuswald
Feuer im Eukalyptuswald: Einmal entfacht, ist es kaum zu stoppen.
Quelle: bbc

An ihren Nahrungslieferanten, den Eukalyptusbaum, haben sich die Koalas über Millionen von Jahren angepasst. Eine erfolgreiche Koevolution – Eukalyptus gibt es auf dem trockenen Kontinent schon seit mindestens 20 Millionen Jahren. Rund 75 Prozent der australischen Wälder sind Eukalyptuswälder. Dabei hat dieser Baum eine im wahrsten Sinne brandgefährliche Eigenschaft: Seine Blätter enthalten ätherische Öle, die im Falle eines Buschfeuers wie ein Brandbeschleuniger wirken.

Die leichte Brennbarkeit des Eukalyptus ist für die Städte, die am Rande der Wälder an den Küsten liegen, eine Bedrohung – für den Eukalyptus selbst jedoch ein Überlebensvorteil. Denn im Vergleich zu anderen Pflanzen nimmt er bei einem Brand wenig Schaden und regeneriert sich sehr schnell. Sobald alle konkurrierenden Bäume durch das Feuer vernichtet sind, kann der Eukalyptus ungestört wachsen – ein schlauer Trick der Evolution.

Was hat das Känguru in seinem Beutel?

Winziges, unbehaartes Känguru-Baby saugt an Zitze im Beutel
Das winzige, unbehaarte Kängurubaby hat sich an einer Zitze festgesaugt.
Quelle: nhnz

Alle ursprünglichen Säugetiere Australiens sind Beuteltiere. Ihre Jungen werden nicht in der Gebärmutter ausgetragen, sondern in einem sehr frühen Stadium geboren, um sich im Beutel der Mutter weiterzuentwickeln. Sie saugen sich dort an den Zitzen fest und bekommen darüber – wie über eine Nabelschnur – alles, was sie für ihr Wachstum brauchen. In der Milch finden sich sogar hochwirksame Antibiotika, die sie vor Infektionen schützen. Wird das Junge größer, saugt es nur noch nach Bedarf.

Nach sechs Monaten verlässt es den Beutel. Die Besonderheit: Das Känguruweibchen trägt noch eine befruchtete Eizelle in sich. Wenn die Bedingungen gut sind, kann sie sofort noch ein zweites Junges bekommen. Da das Geburtsgewicht des Jungen nur wenige Gramm beträgt, verläuft die Geburt für das Känguru ohne Strapazen. Unterentwickelt und blind bahnt sich der Winzling seinen Weg durch das Fell der Mutter in den Bauchbeutel.

Kängurumutter mit größerem Jungem
Kängurujunge werden bis zum Alter von etwa einem Jahr gesäugt.
Quelle: nhnz

Kängurumütter können zwei Junge gleichzeitig säugen. Jedes bekommt über seine eigene Zitze seine eigene Milch, perfekt auf sein Alter abgestimmt. Und noch einen entscheidenden Vorteil haben Kängurumütter im Vergleich zu Säugetieren, die ihre Jungen lange in der Gebärmutter austragen, den sogenannten Plazentatieren: In Dürreperioden kann sie das Junge einfach aus dem Beutel entfernen – praktisch abtreiben – und so ihr eigenes Überleben sichern. Damit scheinen die Beuteltiere wie für den gnadenlosen Kontinent gemacht. Die Evolution der Beuteltiere ist eng mit Australiens erdgeschichtlicher Vergangenheit verknüpft.

Vor langer, langer Zeit in Australien

Blattabdruck von Glossopteris-Farnen
Abdrücke von Blättern des Glossopteris-Farns fanden sich sowohl in Australien als auch in der Antarktis.
Quelle: abc

Ausgerechnet im ewigen Eis der Antarktis gelang dem britischen Polarforscher Robert Falcon Scott, der kurze Zeit später auf tragische Weise ums Leben kam, eine spektakuläre Entdeckung. In der Sammlung von Proben, die er von Gesteinsformationen auf dem Rückweg vom Südpol genommen hatte, fanden sich fossile Überreste von Glossopteris-Farnen. Die gleichen Fossilien waren aber auch in Australien gefunden worden – der Beweis, dass die Landmassen einst zusammenhingen. Weite Farnwälder bedeckten in einem früheren Erdzeitalter den Urkontinent Gondwana, der auch Afrika, Südamerika und den Indischen Subkontinent umfasste.

Urkontinent Gondwana (Grafik)
Vor rund 55 Millionen Jahren trennte sich Australien vom Urkontinent Gondwana.
Quelle: ZDF

Alle großen Landtiere waren damals Dinosaurier. Die Giganten zwangen die anderen Tiere in eine Randexistenz – auch die frühen Säugetiere. Vor rund 100 Millionen Jahren lebten sie überwiegend auf Bäumen und waren nur in der Nacht aktiv. Die kleinen Säuger unterschieden sich schon damals in zwei große Gruppen: Die einen trugen ihre Nachkommen in der Gebärmutter aus, die anderen in einem Beutel.

Als sich vor rund 55 Millionen Jahren Australien von Gondwana löste, lebten dort vermutlich sowohl Beuteltiere als auch Plazentatiere. Der neue Kontinent Australien driftete Richtung Äquator und trocknete allmählich aus. Einer Theorie zufolge verdanken die Beuteltiere ihren Siegeszug unter anderem der Fähigkeit, bei Nahrungsmangel einen Embryo aus dem Beutel zu werfen. Dies habe einen entscheidenden Überlebensvorteil bedeutet.

Landschaft im Outback mit Uluru in der Dämmerung
Seit über 300 Millionen Jahren erhebt sich der Uluru im Zentrum Australiens.
Quelle: contentmint

Australien ist der flachste aller Kontinente und sieht über Kilometer ziemlich gleichförmig aus. Im Laufe von Jahrmillionen wurden weite Teile Australiens abgetragen. Die wenigen Erhebungen im australischen Outback sind uralt – viel, viel älter als die Alpen oder der Himalaya. Den berühmten Uluru, früher Ayers Rock genannt, existiert seit mehr als 300 Millionen Jahren. Neue Gebirge entstehen längst nicht mehr. Der Grund dafür ist die Lage mitten auf einer Kontinentalplatte. Hier gibt es keinen Vulkanismus, keine Erdbeben und keine tektonischen Verschiebungen – Australien ist geologisch ziemlich inaktiv.

Im Westen Australiens finden sich noch heute Teile der ersten, bruchstückhaften Erdkruste, die entstand, als die Oberfläche der Erde, zu Beginn ein glühend heißer Ball, allmählich abkühlte. Das Land hier ist seit unglaublichen 4,4 Milliarden Jahren weitgehend unverändert. Für Geologen ist Australien damit ein unvergleichliches Studienobjekt. Es gibt keinen besseren Ort auf unserem Planeten, um die Meilensteine der Erdgeschichte zu studieren.

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