Australien - teuflisches Paradies

Der fünfte Kontinent ist Himmel und Hölle zugleich

Noch 1 Tag

Dokumentation | Terra X - Australien - teuflisches Paradies

Für Faszination Erde drehten Dirk Steffens und sein Team in Australein mit Haien und Krokodilen. Das klingt nicht nur gefährlich ...

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5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 22.02.2017, 10:17

Das Traumland vieler Auswanderer ist der trockenste Kontinent der Welt. Drei Viertel des Landes sind mit Wüsten und Halbwüsten bedeckt. Gefährliche Tiere leben hier: die giftigste Schlange, die giftigste Spinne und die giftigste Qualle der Welt. Ein Paradies stellt man sich anders vor. Wie kam man nur auf die Idee, dieses Land sei ein idealer Ort zum Auswandern?

1787: Eine Flotte voller Sträflinge ist im Auftrag Seiner Majestät, des Königs von Großbritannien, unterwegs nach Australien. Der Plan scheint genial. Mit einem Schlag entledigt er sich seines Gesindels - und besetzt ein neues Land. Doch als Kommandant Arthur Phillip ein Jahr später in Australien ankommt, merkt er schnell, dass der Plan einen Haken hat.

In einem feindlichen Land

Australien ist der trockenste Kontinent mit den giftigsten Tieren der Welt. Der Boden ist sandig und unfruchtbar. Regen kommt selten, aber wenn, dann richtig. Nach einem Jahr sind die Siedler krank, halb verhungert und ihre Vorräte verdorben. Die Idee, ausgerechnet in Australien eine Sträflingskolonie zu gründen, beruht auf einem Irrtum: Der berühmte Entdecker James Cook hatte bei seinen Weltreisen kleine Teile des Landes gesehen und die falschen Schlüsse gezogen. Er sah Küstenstriche, auf denen einheimische Pflanzen wuchsen. Doch für europäische Nutzpflanzen war der Boden nicht geeignet. Hier gedeihen nur Spezialisten, die sich über Jahrmillionen an die harten Bedingungen angepasst haben.

Sydney, vom Meer aus gesehen, Oper im Vordergrund
Sydney - die älteste Metropole Australiens Quelle: ZDF

Der Kommandant fürchtet den Aufstand und schreibt einen Hilferuf an die britische Krone. Und diese handelt prompt: Sie schickt ein Schiff voller weiblicher Sträflinge auf die weite Reise. Die Frauen sollen die Moral in der Kolonie verbessern. Dabei ist ihre eigene Herkunft mehr als zweifelhaft: Es sind Huren und Diebinnen. Ihr Schiff nennt man das "schwimmende Bordell". Für die Siedler zunächst eine Enttäuschung: Statt neuer Vorräte und Werkzeuge bringt Ihnen das Schiff weitere hungrige Münder. Doch der Plan geht auf. In kürzester Zeit gründen die Siedler Familien und fassen neuen Mut. Sie legen den Grundstein für die Metropole Sydney mit heute rund vier Millionen Einwohnern.

Das älteste Navigationssystem

Die Geschichte des riesigen Landes reicht jedoch viel weiter zurück. Über 50.000 Jahre bevor die britischen Siedler kamen erreichten Menschen den australischen Kontinent. Sie stellten sich auf die extremen Bedingungen ein, lernten die Nahrungsquellen zu nutzen, die die karge Natur für sie bereithielt, und entwickelten einen besonderen Blick auf das für uns so feindliche Outback. In der Vorstellung der Aborigines, der australischen Urbevölkerung, ist das Land beseelt von den Ahnen. In der Traumzeit formten mächtige Wesen auf ihren Wegen über den Kontinent alle Landschaften. Diese sogenannten Traumpfade bewahrten die Aborigines in ihren Mythen. Bis heute werden die Reisen der Ahnenwesen in Bildern, Liedern und Tänzen weitererzählt. Sie sind eine einzigartige Hilfe, um sich im Outback zu orientieren.

Das Land zu beobachten und seine Geschichten lesen zu können sind auch heute noch erfolgversprechende Fähigkeiten. Mit geologischen Kenntnissen lassen sich in Australien viele Zeichen der Vergangenheit erkennen. Die Landmasse ist eine der ältesten der Erde. Wer weiß, nach welchen Gesteinsschichten er suchen muss, kann uralte Schätze finden: Gold, Silber, Eisen und Zink zum Beispiel. Von der Zusammensetzung von Gesteinen kann man auf ihren möglichen Goldgehalt schließen - die knifflige Aufgabe von Geologen. Wegen des hohen Goldpreises sind in letzter Zeit viele neue Minen im ganzen Land entstanden.

Überlebensstrategien der Tiere

Das Beste aus ihrer lebensfeindlichen Umgebung herauszuholen, darauf verstehen sich auch die Tiere Australiens. Eines der Überlebensrezepte der Evolution ist Gift: Nirgendwo auf der Welt töten Schlangen, Spinnen oder Meerestiere ihre Beute so effizient wie hier. Im Outback lebt die giftigste Schlange der Welt, der Inlandtaipan. Wo Beutetiere so selten sind, muss bei der Nahrungssuche jede Chance genutzt werden.

Eine andere Strategie verfolgt der typischste Bewohner Australiens, das Känguru. Seine Devise: Take it easy! In den Ruhephasen kann es die spärliche Nahrung optimal verwerten. Sogar beim Hüpfen verbraucht das Känguru kaum Energie. Der besondere Bau seiner Hinterbeine lässt es auch weite Strecken ohne viel Kraft überwinden. Selbst sein Beutel birgt ein Energiespar-Geheimnis: Das Känguru ist in der Lage, seine Schwangerschaften selbst zu planen - je nachdem ob es über genügend Ressourcen verfügt, um seine Jungen zu ernähren.

Asyl am Ende der Welt

Küstenlandschaft auf Tasmanien
Küstenlandschaft auf Tasmanien Quelle: ZDF

Zu den wenigen fruchtbaren Regionen Australiens zählt Tasmanien, eine Insel vor der Südküste, die sich ihren ursprünglichen Charakter noch weitgehend bewahrt hat. Sie ist das Rückzugsgebiet des Tasmanischen Teufels, des letzten Beutelraubtiers der Welt. Die Aasfresser waren früher in ganz Australien verbreitet, konnten sich dort aber nicht gegen die vielen neuen Eindringlinge behaupten. Heute ist der Tasmanische Teufel extrem gefährdet. Eine ansteckende Krebserkrankung, die sich durch Bisse überträgt, hat schon über 80 Prozent der Tiere ausgelöscht.

Die Teufel sind in ihrer Heimat ein wichtiges Glied der Nahrungskette. Ohne sie käme das grüne Paradies Tasmaniens, der Regenwald, aus dem Gleichgewicht. Doch in den letzten 200 Jahren verschwanden 75 Prozent der Waldfläche. Den Beginn der Vernichtung markiert die Ankunft der europäischen Siedler, die Holz und Weideland für ihre Schafe brauchten. Zu dieser Zeit lebten auf Tasmanien bereits etwa 5000 Aborigines als Jäger und Sammler. Die Siedler sahen in ihnen Konkurrenten um Land und Nahrung. Rücksichtslos verdrängten sie die Aborigines aus ihrem Lebensraum, die gegen die Waffen der Siedler keine Chance hatten. Nach langen gewaltsamen Auseinandersetzungen sollte die Urbevölkerung schließlich In Reservaten untergebracht werden. Doch fast niemand überlebte. Krankheitserreger, die von den Siedlern eingeschleppt wurden, vollendeten den Völkermord.

Jagd auf die Schätze des Meeres

Taucher mit Haikäfig
Taucher schützen sich mit fahrbaren Haikäfigen. Quelle: ZDF

Über die Kultur und Lebensweise der ursprünglichen Tasmanier ist noch wenig bekannt. An manchen Stränden finden sich rätselhafte Hügel mit gewaltigen Mengen an Schalentieren - Überreste von Mahlzeiten aus Tausenden von Jahren, die von Archäologen untersucht und datiert werden können. Merkwürdigerweise finden sich Fischreste nur in den Ablagerungen, die älter als 3500 Jahre sind. Warum die Menschen aufgehört haben, Fische zu essen, darüber können die Forscher nur spekulieren. Die wahrscheinlichste Theorie: Es gab schlicht keine Notwendigkeit, Fische zu fangen. Die Tasmanier perfektionierten stattdessen Techniken, mit denen sie andere Meerestiere in Küstennähe erbeuteten, denn Nahrung war ausreichend verfügbar. Dadurch vermieden sie riskante Bootsfahrten auf den stürmischen Meeren vor der Insel.

Dabei ist die Bass Strait, die Tasmanien vom australischen Festland trennt, besonders reich an Fischen und Robben. Auch der wohl meistgefürchtete Räuber der Meere, der Weiße Hai, profitiert von diesen Schätzen. Die Wasserstraße ist eine feste Etappe in seinen Wanderungen. Fischer, die nach Abaloneschnecken, einer wertvollen Delikatesse tauchen, fürchten die tödliche Begegnung mit dem Räuber und schützen sich mit fahrbaren Haikäfigen. Auch wenn Haiattacken mit tödlichem Ausgang in Australien relativ selten sind, verbreiten die Tiere dennoch Angst. Forscher untersuchen deshalb das Wanderverhalten der Tiere und verfolgen mithilfe spezieller GPS-Sender ihre Wege. Überraschendes haben sie dabei herausgefunden: Die Haie jagen nicht nur in Küstennähe, sondern legen oft weite Strecken auf dem offenen Meer zurück. Diese Erkenntnisse helfen, die Natur der Haie besser zu verstehen. Denn unter Wasser verhält es sich nicht anders als an Land: Im teuflischen Australien kann man die paradiesischen Seiten nur genießen, wenn man das Wesen des Landes erkennt.

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