Avicennas Lehren

Stärkung durch Weihrauch

Die Stadt Isfahan wurde von den jüngsten Erdbeben verschont, sie ist noch immer ein Juwel des Alten Persien. In Isfahan, so heißt es, befand sich Avicennas sagenhafte "Schule der Medizin".

Kein Beruf war und ist im Vorderen Orient mehr geschätzt als der des Arztes, des Hakím - das bedeutet "weiser Mann". Das Wunderkind Avicenna erhielt diesen Titel mit 16 Jahren, als ihn der Herrscher von Buchara an seinen Hof rief.

Das Edelste am Menschen

Der junge Mann heilte den Fürsten und sammelte wertvolle Erfahrung. Tagsüber besuchte er Patienten, nachts lehrte er Philosophie. Denn der Geist, so sein Credo, ist das Edelste am Menschen. Zur Stärkung des Geistes hatte Avicenna ein spezielles Rezept.

In einem Tierversuch an der Universität von Isfahan überprüft Professor Alaei diese Theorie. Seit Wochen bekommt die Ratte ihr Futter am anderen Endes des Labyrinths - und vergisst dies immer wieder. Weihrauch "nützt dem Verstand und stärkt ihn", hatte Avicenna geschrieben. Eine Rezeptur, die in Europa nie angewandt wurde. Und eines der wohl spannendsten Kapitel im "Kanon der Medizin". Das zweite Tier erhält seit längerem Weihrauch-Harz als Futter-Zusatz und erinnert sich weit besser als die Konkurrenz an den Weg zur Belohnung.


Die Einnahme von Weihrauch stärkt das Gedächtnis - das hat Professor Alaei auch schon beim Menschen nachgewiesen. Bereits nach zwei Wochen Versuchsdauer steigerte sich die Erinnerungsleistung um 90 Prozent.

Ungebrochene Tradition

Avicennas Lehren sind noch heute gültig, meinen die Wissenschaftler in Isfahan. Am Stadtrand hat Professor Moattar eine kleine Fabrik aufgebaut, in der ausschließlich pflanzliche Arznei hergestellt wird. Im Iran ist die Tradition der Volksmedizin ungebrochen, es werden weitaus weniger synthetische Medikamente verkauft als in Deutschland.


Nicht nur bei kleineren Beschwerden wie Halsweh oder Appetitlosigkeit wirke die Kräutermedizin, meint Moattar. Viele Zivilisationskrankheiten oder chronische Leiden seien mit Avicennas Lehren gut behandelbar. Es gibt, so sagt man im Iran, kaum eine Erkrankung, gegen die in Allahs grünem Garten kein Kraut gewachsen ist.

Die Freuden des Lebens

In Isafahan verbrachte Avicenna seine letzten 15 Lebensjahre. Bis heute pflegt sie das Andenken ihres berühmten Sohnes. Und lebt nach seiner Philosophie indem sie die Freuden des Lebens genießt. Denn der Arzt der Kalifen war ein Genussmensch. Bis in die frühen Morgenstunden, so heißt es, erholte er sich bei Wasserpfeife und starkem Tee von den Strapazen des Forscherlebens.

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