Baikal - das große Blau

Der tiefste See der Welt ist eine Schatzkammer der Natur

Sibirien verfügt über ein Fünftel der gobalen Süßwasserreserven: Sie füllen den Baikal, den tiefsten See der Welt. Seine Wassermenge würde ausreichen, um die gesamte Menschheit fünfzig Jahre lang mit Trinkwasser versorgen. Rekordverdächtig ist auch die Vielfalt seiner Flora und Fauna: Er beherbergt rund 1000 endemische Tier- und etwa 350 Pflanzenarten.

Der Baikalsee in der Morgendämmerung Quelle: ZDF

Das heilige Meer, wie die Russen den See nennen, birgt auch heute noch völlig unbekannte Schätze. Zu den Tierarten, die nur am Baikalsee vorkommen zählt die Baikalrobbe oder Nerpa. Im Sommer sammeln sich diese Robben im Südosten des rund 600 Kilometer langen Sees.

Lebensraum für Robben

Baikalrobbe nah Quelle: ZDF


Im Winter friert der Baikalsee komplett zu. Auf der dicken Eisschicht überqueren ihn die Einheimischen dann in ihren Autos oder mit dem Lastwagen. Es gibt aber auch eine viel ältere Tradition: Wenn das Eis meterdick gefroren ist, gehen die Burjaten auf die Jagd. Sie kennen die Besonderheiten des Sees ebenso wie die seiner scheuen Bewohner und wissen: Die Robben müssen an die Wasseroberfläche kommen, um Luft zu holen. Sie liefern Fleisch und Felle für den eisigen Winter. Einige Hundert Tiere dürfen die Burjaten jagen, so bleibt der Bestand im Gleichgewicht.

Baikalrobben sind deutlich kleiner als ihre Verwandten in den Ozeanen, dennoch haben sie viele Gemeinsamkeiten. Eine davon ist die besondere Tauchtechnik der Säugetiere. Bis zu 200 Meter tief können sie abtauchen und fast eine halbe Stunde unter Wasser bleiben. Möglich wird das durch einen Trick: Sie atmen mehrmals tief durch und reichern dadurch ihr Blut mit Sauerstoff an. Dann pressen sie die Luft aus der Lunge. So verhindern sie, dass das zarte Gewebe unter dem Druck in großer Tiefe reißt. Eine Technik, die auch im Baikalsee von Vorteil ist, wo es gilt, die Beute in großer Tiefe aufzuspüren.

Entstehung in einer Riftzone

Der Grund, warum sich hier, abgeschieden in den Weiten Sibiriens, eine so einzigartige, spezialisierte Tier- und Pflanzenwelt entwickelte, liegt in der Entstehungsgeschichte des Sees, die vor rund 30 Millionen Jahren begann. Der Baikalsee ist Teil einer rund 2000 Kilometer langen, kontinentalen Riftzone - eines Grabenbruchs. Ein Grabenbruch entsteht, wenn zwei tektonische Platten auseinanderdriften. Über die Entstehung des Baikalrifts sind sich die Geologen nicht ganz einig, fest steht nur, dass die Platte des Indischen Subkontinents an diese Platten andockte und sich wie ein Keil zwischen sie schob.

Trick Baikalsee Quelle: ZDF

Dadurch wölbten sich in der ursprünglich ebenen Tundra Gebirge empor, und die Erdoberfläche riss auf. Der circa sechs Kilometer tiefe Riss verfüllte sich im Lauf der Jahrmillionen mit Sedimenten, doch immer noch reicht der Baikalsee, der in der Senke entstand, bis auf rund 1.700 Meter hinab. Er wird immer breiter, denn seine Ufer driften auseinander - jedes Jahr ungefähr zwei Zentimeter. Irgendwann in ferner Zukunft wird Asien wohl durch einen Ozean in zwei Teile zerschnitten sein.

Wie kamen die Robben hierher?

Keine eindeutige Antwort haben die Wissenschaftler auf die Frage, wie die Robben ins südliche Sibirien gelangten, mehr als 4000 Kilometer vom Meer entfernt. Weltweit sind sie die einzige Robbenart, die nur im Süßwasser lebt. Vielleicht schwammen sie durch die Lena, die vor Millionen Jahren den See mit dem Nordpolarmeer verband, bis tektonische Bewegungen ein Gebirge schufen, das den Weg versperrte.

Felsen mit Robben Quelle: ZDF

Heute sind die Baikalrobben an das Leben im größten Süßwassersee der Erde angepasst, ihr Schicksal hat sich mit dem des Sees verwoben. Seine Fische sind ihre Nahrungsgrundlage. Und nur wenn dieses einzigartige Ökosystem erhalten bleibt, haben auch die Robben eine Chance, mitten in Sibirien weiter zu überleben.

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