"Baker"-Day

Der Navy-Test am 25. Juli 1946 mit Unterwasser-Bombe

"Baker", der zweite "Operation Crossroads"-Test, war wesentlich erfolgreicher als "Able". Die Navy legte die Bombe in einen Zement-Behälter und hängte sie 30 Meter unter ein Landungsboot. Die Bombe explodierte somit genau an der Stelle, an der die Militärs sie haben wollten. Die Wucht der Unterwasserexplosion war gigantisch.

Beobachter beim Atombombentest
Beobachter beim Atombombentest Quelle: ZDF/U.S. National Archives and Records Administration (NARA)

Marinehistoriker Steve Wiper erklärt die Hintergründe: "Zwei der namhaftesten Schiffe, die sich nahe an der Explosionsstelle befanden, waren der berühmte Flugzeugträger 'Saratoga' und das ausgediente Schlachtschiff 'Arkansas'. Die Arkansas versank schnell. Die Schockwelle der Unterwasserexplosion war gewaltig. Wasser lässt sich kaum komprimieren, also wurde eine extrem kraftvolle Druckwelle durch das Wasser geschickt und diese verursachte einen enormen Schaden am Rumpf der jeweiligen Schiffe in unmittelbarer Nähe der Explosion."

Doppelte Trefferquote

Acht Stunden später war die "Saratoga" gesunken, mit ihr noch acht andere Schiffe. Damit hatte die Navy zwar fast doppelt so viele Schiffe versenkt wie die Air Force während des "Able"-Tests, doch war auch hier die komplette Vernichtung der Flotte ausgeblieben. Zumindest auf den ersten Blick.

Versuch, atomare Strahlenbelastung vom Schiff zu waschen
Versuch, atomare Strahlenbelastung vom Schiff zu waschen Quelle: ZDF

Steve Wiper: "Nach dem Baker-Test sendeten die Messgeräte Informationen mit extrem hohen Strahlenwerten an die Experten. Die Strahlenbelastung war teilweise 50 Mal so hoch wie der durchschnittliche menschliche Toleranzwert. Die Militärs wollten davon jedoch nichts wissen. Sie vertraten die Meinung, dass die Schiffe nicht beschädigt aussahen und daher auch nicht beschädigt waren. Sie glaubten, dass die Schiffe dekontaminiert und wieder in Betrieb genommen werden konnten. Den Matrosen wurde befohlen an Bord zu gehen und die Schiffe für die Rückreise vorzubereiten. Ihnen wurde auch gesagt, sie sollen die Schiffe reinigen - also schrubbten sie die Decks und die Aufbauten, um die radioaktive Strahlung loszuwerden. Ich glaube, sie nahmen die Strahlung nicht wirklich als Bedrohung wahr, da sie sie nicht sehen konnten."

Aussichtslose Aktion

Doch radioaktive Strahlung lässt sich nicht einfach wegschrubben - besonders, weil der Schiffstahl zumindest teilweise selbst radioaktiv geworden war. Die Folgen dieser Unvorsichtigkeit sollten viele Matrosen später teuer bezahlen. Für die Navy hatte die aussichtslose Aktion für Steve Wiper hauptsächlich zwei Gründe: "Es gab einige Leute bei der Navy, denen es tatsächlich darum ging, die Schiffe zu säubern und die Radioaktivität loszuwerden. Doch manchen ging es hauptsächlich darum zu beweisen, dass die Navy diese Schiffe immer noch benutzen konnte und die Flotte den Atomangriff überlebt hatte."

Radioaktive Last

Dass jede Besatzung einen atomaren Angriff mit dem Tod bezahlt hätte, wurde unter den Tisch gekehrt. Auf lange Sicht musste sich die Navy jedoch eingestehen, dass es nicht ganz so einfach war, wie sie es sich vorgestellt hatte. Dazu Steve Wiper: "Im September 1946 gab es schließlich die Entscheidung, Bikini zu verlassen. Die meisten der Schiffe, die radioaktiv geworden waren, wurden zur Insel Kwajalein geschleppt und ankerten dort bis entschieden wurde, was mit ihnen passieren sollte. Ein paar der Schiffe wurden in den Militärhafen von San Francisco gebracht. Auch dort wurde noch einmal versucht, die Schiffe mit Schrubben und Sandstrahlung zu reinigen. Was dabei jedoch eigentlich passierte, war, dass die radioaktive Farbe in Staub verwandelt und durch die Luft in ganz San Francisco verteilt wurde. Als die Navy feststellte, dass sogar diese Methode erfolglos war, brachten sie die Schiffe auf das offene Meer und versenkten sie."

Korallenbewachsenes Kanonenrohr
Korallenbewachsenes Kanonenrohr Quelle: ZDF

Viele Schiffe wurden aber auch gleich vor Kwajalein versenkt. Der deutsche Schlachtkreuzer "Prinz Eugen" kenterte vor dem Atoll und liegt noch heute im flachen Wasser vor der Insel. Was also war die Lehre, die aus "Operation Crossroads" gezogen werden konnte, und wer gewann den Machtkampf zwischen der Army Air Force und der Navy? Steve Wiper: "Aus Sicht der Zivilbevölkerung war 'Operation Crossroads' eine riesige Verschwendung von Steuergeldern. Außerdem waren viele Leute dafür, die ausrangierten Schiffe lieber als Museum oder auf andere Art weiter zu nutzen. Für sie war der finanzielle Aufwand von 'Operation Crossroads' einfach exzessiv. Was bei den Atomtests am Ende herauskam, hätte man sich auch ohne Tests denken können. Letztendlich war das Resultat, dass eine Atomwaffe eine Flotte zerstören konnte, ohne die Schiffe selbst zu zerstören. Denn die starke Strahlung würde die Crews umbringen und so die Flotte vernichten."

Ergebnislose Tests

Für die rivalisierenden Parteien blieben die Tests ergebnislos. Die Navy passte das Design ihrer Schiffe etwas an die neue Bedrohung an und installierte unter anderem Sprinkleranlagen, um radioaktiven "Fallout" im Notfall schnell wegwaschen zu können. Die Forschung von Atomwaffen der Navy ging weiter. 1952 wurden die ersten Luftabwurf-Bomben mit dem Namen "Thor" zur Zubringung auf Flugzeugträgern hergestellt. 1956 stellte die Navy die ersten atomaren 41cm-Geschosse als Unterstützung bei Strandlandungen der Marineinfanterie her. Die Waffen blieben Teil der Ausrüstung auf See, bis 1992 der damalige Präsident George Bush sie im Zuge der atomaren Abrüstung zurück ans Land befahl.

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