Barbarei unter Schicksalsgenossen

Der Untergang der Batavia

Selbst im Goldenen Zeitalter der Vereinigten Ostindischen Compagnie (VOC) ist es äußerst schwierig, genügend Schiffsmannschaft anzuheuern. Die Aussicht, reich zu werden, lockt, doch die Gefahren der langen Seereise schreckt die meisten Menschen ab. Die Mannschaften bestehen aus Kriminellen, Schuldnern und verwegenen Abenteurern. Dass nicht gerade die besten Charaktere in Ostindien ihr Glück suchen, zeigt ein berühmtes Beispiel: der Untergang der Batavia.

Gemälde der Hinrichtung Cornelisz´und seiner Komplizen Quelle: ZDF

Die Schiffsmannschaften der VOC bedienen sich aus dem Bodensatz der Gesellschaft, bei Leuten, die oft direkt aus den Gefängnissen gezerrt werden. Wer Holland nicht unbedingt verlassen will, fährt auch nicht mit. Die Chance eines VOC-Seefahrers, im Land der Sehnsüchte überhaupt anzukommen, liegt bei etwa fünfzig Prozent. Ein halbes Jahr auf See, während dem Stürme, Skorbut, Piraten, Sandbänke, Riffs und der weite Ozean viele das Leben kosten.

Der kalkulierte Tod

Havariemeldungen sind in der VOC-Zentrale in Amsterdam an der Tagesordnung. Zwanzig Prozent der Schiffe kehren niemals in die Heimat zurück - ein einkalkulierter Faktor. Die VOC bietet sogar eine Versicherung an. 600 Gulden für den Verlust von Auge, Arm oder Bein der rechten Körperseite, 500 Gulden für ein Teil der linken Hälfte. Doch auch das überzeugt nur wenige Abenteurer zur Mitfahrt.

Nachbau der Batavia Quelle: ZDF

Der exakte Nachbau des Segelschiffes liegt heute im Hafen von Lelystad. Doch die Batavia ist mehr als ein historisches Segelschiff. Sie ist ein Symbol, ein Sinnbild für die zwei Gesichter des VOC-Imperiums: Für Glanz und Grausamkeit, für Macht und Ohnmacht. Welch grausame Charaktere die Agenten in ihrer Not für die Fahrt der Batavia angeworben haben, sollte sich jedoch erst unterwegs zeigen.

Unter keinem guten Stern

1629 bricht die Batavia mit 342 Menschen an Bord nach Ostindien zu den Gewürzinseln auf. Neben den Matrosen und Soldaten fahren auch Kaufleute, Frauen und einige Kinder mit. Schon bald kommt es auf der Galeone zu Disziplinlosigkeiten und Übergriffen, die der an Malaria erkrankte Kommandant Pelsaert nicht verhindern kann. Bereits auf der stürmischen Überfahrt versucht der Kaufmann Jeronimus Cornelisz einige Matrosen zu einer Meuterei aufzustacheln.

Beginn der Barbarei

Batavia-Passagiere im Rettungsboot (Spielszene) Quelle: ZDF


Am 14. Juni 1629 bricht das totale Chaos aus. Die Batavia läuft auf ein Riff einer kleinen Insel, die ungefähr sechzig Kilometer vor der australischen Westküste liegt. Etwa zwanzig Menschen sterben unmittelbar bei der Havarie. Die Überlebenden können sich auf eine winzige unbewohnte Insel retten.
Doch das Eiland ist eine karge Koralleninsel, auf der es weder Wasser noch Nahrung gibt. Der Kapitän, der Oberkaufmann Pelsaert und einige Seeleute brechen in dem stärkeren der beiden Beiboote zu einer Fahrt in das etwa 900 Seemeilen entfernte Batavia auf, um dort Hilfe zu holen. Auf der Insel beginnt derweil das Grauen.

Mit Hilfe einiger Kumpane bringt sich der Kaufmann Jeronimus Cornelisz in den Besitz der Schiffsladung und schwingt sich zum Herrn über Leben und Tod auf. Die zumeist betrunkenen Schergen errichten eine wahre Schreckensherrschaft. Systematisch zwingt Cornelisz viele der Überlebenden zu den umliegenden Inseln zu schwimmen, um dort nach Wasser zu suchen. Wenn Sie auf dem Weg dahin nicht ertrinken, verdursten sie auf den wasserlosen Eilanden.

Mord ist ihr Hobby

Der Rest der Ausharrenden schwebt im Angesicht der Spießgesellen Cornelisz´ in permanenter Todesgefahr. Die Schergen metzeln die Überlebenden dahin. Zum puren Zeitvertreib foltern sie die Menschen. Die Frauen werden vergewaltigt. Jede gerettete Schatztruhe wird von ihnen geplündert.

Lager der gestrandeten Batavia-Besatzung Quelle: ZDF

Erst nach grausam langen Monaten naht die Rettung. Pelsaert hat tatsächlich halb tot das ferne Batavia erreicht und kehrt zurück, um den Rest der Überlebenden zu retten. Gerade noch kann er eine Gruppe Soldaten vor dem Überfall durch Cornelisz und seine Spießgesellen bewahren. Sie sind von dem Terrorherrscher zur Wassersuche und damit in ihr vermeintliches Verderben getrieben worden, hatten aber auf einer umliegenden Insel tatsächlich Trinkbares gefunden.

Kurzer Prozess

Schnellgericht für die Batavia-Verbrecher (Spielszene) Quelle: ZDF


Das Rettungskommando macht Cornelisz und seinen Helfern sofort den Prozess. Noch vor Ort werden die Verbrecher zum Tod am Galgen verurteilt.


Noch heute sind die Spuren dieser Barbarei auf den unbewohnten Inseln zu sehen. Verwitterte Skelette der Ermordeten, notdürftig aufgeschichtete Steinmauern und Galgen erzählen von Monaten der Gewalt, Anarchie und niedrigster Instinkte.

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