Barbarische Sitten

Handel mit Pelzen und Menschen

Der berühmteste Wikingerhafen Haithabu lag im heutigen Schleswig-Holstein. Schon früh entwickelte sich eine arbeitsteilige Gesellschaft. Ehemalige Bauern wurden Händler oder Handwerker. Die Sitten der Wikinger waren laut arabischen Geschäftspartnern barbarisch.

Haithabu gilt als erste echte mittelalterliche Stadt des Nordens. Hier wurden Edelsteine und Gewürze aus dem fernen Osten verschifft. Oder die Exportschlager des Nordens, Eiderdaunen und Bernstein, in den Süden transportiert.

Menschen aus ganz Europa

Zweifellos machte Haithabu viele seiner Bewohner reich. Zum ersten Mal blieben Händler und Handwerker im Norden das gesamte Jahr über an einem Ort und wechselten nicht saisonal von Marktflecken zu Marktflecken. Angezogen vom Wohlstand arbeiteten hier Menschen aus ganz Europa. Rund 1500 Einwohner drängten sich dicht an dicht zusammen.

Pelze als "Schutzgeld"

In Haithabu entdeckten Archäologen die Überreste von bis zu 40 Meter langen Verkaufstheken, auf denen Waren aus aller Welt angeboten wurden. Als besonders profitabel erwiesen sich Pelze aus den unendlichen Wäldern Finnlands und Russlands. Die Tiere dieser Gegenden besaßen wegen des eisigen Klimas die besten und dichtesten Felle. Sogar der Sultan von Bagdad gehörte zum Kreis der Stammkunden.


Die meisten der wertvollen Pelze waren von den Wikingern nicht selbst erjagt, sondern von harmloseren Zeitgenossen als "Schutzgeld" erpresst worden. Auch eine andere Ware beschaffte sich das "Wikingerkartell" mit Gewalt: Während der Ausgrabungen in Haithabu haben Archäologen unter anderem auch eiserne Sklavenfesseln mit Ketten gefunden - ein eindeutiger Hinweis darauf, dass am Orte auch die Ware Mensch feilgeboten wurde. Den arabischen Herrschern ging es vor allem um blonde Frauen und Kinder.

Gewaltiges Handelsimperium

"Fesjukr", geldgeil, sollen die Wikinger gewesen sein. In ganz Europa erzählte man sich die Anekdote vom Wikinger-Kaufmann, dessen Kopf vom feindlichen Schwert abgeschlagen noch im Fallen sein Geld zu Ende zählte.


Zunehmend siedelten die Wikinger auch im Osten. Bedeutender als die Eroberungen war jedoch ihr gewaltiges Handelsimperium. Bis nach Konstantinopel, Bagdad und Taschkent reichten die Beziehungen. In auffälligem Kontrast zu der kaufmännischen Weltoffenheit standen die Berichte arabischer Händler über die barbarischen Sitten ihrer Geschäftspartner.

Das bereits betäubte Mädchen wurde durch einen gezielten Messerstich schnell getötet. Schließlich verbrannte man das Totenschiff oder ließ es aufs Meer hinaus treiben.

Düstere Feste

Blutopfer forderten auch die nordischen Götter als Gegenleistung für ihre HiIfe. Alle neun Jahre hielt man selbst nach der Christianisierung düstere Fruchtbarkeitsfeste ab. Das Herz der Feierlichkeiten bildete ein Opferritual, das die Wikinger "blot" nannten. Der deutsche Bischof Adam von Bremen beschrieb das "Blutfest" im Detail:

Anders als das Christentum, kannte das skandinavische Heidentum keine systematische Theologie. Es existierte kein Konzept von "gut" und "böse" oder von einem Leben im Jenseits für alle Gläubigen. Odin, der Gott des Krieges, versprach nur dem, der auf dem Schlachtfeld starb, einen Platz an seiner Seite. Vielleicht erklärt dieser religiöse Hintergrund den todesmutigen Einsatz der Nordmänner.

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