Barke mit Geisterantrieb

Erfolgreicher Test mit Schraube am Bug lockt neuen Geldgeber

Josef Ressel will seine Idee eines neuartigen Schiffsantriebs zum Patent anmelden. Doch ohne Geldgeber wird es nicht weitergehen. Er versucht, einflussreiche Kaufleute in Triest von seiner Idee zu begeistern und will als ersten den bekannten Reeder William Morgan überzeugen. Ressel braucht Investoren, um ein Testschiff zu bauen und seine Schraube aus Metall zu gießen.

Ressel unternimmt einen ersten Test der Schraube
Ressel unternimmt einen ersten Test der Schraube Quelle: ZDF

Morgan studiert Ressels Unterlagen aufmerksam, doch er sieht in der Finanzierung des neuartigen Antriebs eine Bedrohung für seinen Raddampfer. Doch aus eigenen Mitteln kann er seine Erfindung niemals finanzieren. Auch bei anderen potenziellen Geldgebern stößt er auf Unverständnis und Ablehnung.
Ressel war zu jener Zeit nicht der einzige, der sich mit einem Schraubenantrieb beschäftigte. Doch es gab kaum Veröffentlichungen. Ob Ressel von solchen Erfindungen wusste, ist unbekannt.

Finanziers für eine Schraube

In Triest freundet sich Josef Ressel mit einem Bootsbauer namens Zanon an, der in einer ortsansässigen Werft arbeitet. Zanon setzt sich bei seinem Chef für Ressels Idee ein, doch leider ohne Erfolg. Da tauchen im Frühjahr 1826 zwei Triester Kaufleute in der Werft auf: Enrico Julian und Oswald Tositti. Sie haben von Ressels Plänen gehört. Nach einer Demonstration der Wirkungsweise sind die Triester Kaufleute beeindruckt. Sie wollen mit 60 Gulden eine Schraube aus Metall finanzieren und als Versuchsschiff ihre Bark zur Verfügung stellen. Im Februar 1827 liefert der Schmied Franz Hermann aus Triest die Schraube. Sie misst 45 Zentimeter im Durchmesser und ist nach Ressels Plan massiv aus einer Bronzelegierung gegossen.

Ressel begutachtet fertige Schiffsschraube (Spielszene)
Ressel begutachtet fertige Schiffsschraube (Spielszene) Quelle: ZDF,Marketa Marova

"Der schicklichste Ort, wo das Rad anzubringen ist, ist vorne", schreibt Ressel: "Am Hinterteil ist es nicht ratsam, weil der Strom, den das fahrende Schiff hinter sich bildet, dessen Wirksamkeit behindern könnte." Ressel lässt seine Schraube ganz unter der Wasseroberfläche anbringen, hofft so auf größtmögliche Wirkung und schreibt: "Zur Vorsicht ist es gut, vor dem Rade Eisenspangen anzubringen. Denn bei großer Welle würde das Schraubenrad nicht so einen nachteiligen Schlag erleiden." Als Triebkraft schlägt Ressel eine Dampfmaschine vor, doch sein erstes Boot mit Schraube wird von Menschenkraft angetrieben.

Erste Probefahrt mit Erfolg

Am 11. Februar 1827 wird Ressels Eingabe unter der Privilegiumsnummer 746 entsprochen. Zwei Monate später erfolgt die erste Probefahrt dieses neuartigen Antriebs. Auf diesen großen Tag hat Josef Ressel sehnsüchtig gewartet. Die mit einer Antriebsschraube versehene Barke der beiden Triester Kaufleute steht bereit. Ressel ist unsicher, selbst seine Geldgeber sind etwas skeptisch geworden. Doch Ressels Bronzespiral funktioniert und zieht den Kahn stetig nach vorne. Das Gefährt mache höllischen Lärm und vertreibe die Fische - eine solche Beschwerde soll später bei der Polizei eingehen. Zufällige Passanten beobachten erstaunt, dass sich die Barke ohne Ruder und Segel wie von Geisterhand geschoben vorwärts bewegt.

Carlo d'Ottavia Fontana
Carlo d'Ottavia Fontana Quelle: ZDF

Das Experiment ist ein Erfolg, und Ressel fühlt sich im Aufwind. Er ist sich sicher, dass ihm seine Schiffsschraube schon bald nicht nur Ruhm, sondern auch Geld verschaffen wird. Der nächste Schritt steht für Ressel schon fest: ein großer Dampfer mit Schraubenantrieb. Doch nicht alle sind an diesem Tag von der neuen Errungenschaft begeistert. Denn William Morgan droht möglicherweise doch noch Konkurrenz von diesem verrückten Erfinder aus Österreich. Selbst die Schrauben-Geldgeber Julian und Tossiti lehnen überraschenderweise jedes weitere Engagement ab.

Angebot mit Gewinnbeteiligung

Nach dem erfolgreichen Probelauf des mit einer Schraube versehenen Schiffs macht ein Triester Geschäftsmann namens Carlo d'Ottavia Fontana ein verlockendes Angebot: Er will ein richtiges Passagierschiff mit Dampf- und Schraubenantrieb finanzieren. Fontana stellt eine Gewinnbeteiligung in Aussicht, wenn der Erfinder ihm das Patent überträgt. Und Josef Ressel willigt ein.

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