Barriere aus Eis

Versperrten Gletscher den Weg nach Süden?

In Patagonien setzen Frank Riedel und seine Kollegen ihre Spurensuche fort. Der äußerste Süden des Kontinents zählt zu den schönsten Landschaften der Erde. Doch die eisigen Winde und die raschen Wetterumschwünge stellen eine große Herausforderung für die Forscher dar.

Höllentrip durch Patagonien

Es ist eine Expedition zu den Anfängen der Menschheit, bei der das Team im wahrsten Sinne des Wortes Neuland betritt. Die Etappe führt sie in das Gletschergebiet des 4058 Meter hohen San Valentin, das zur größten zusammenhängenden Eisfläche des Kontinents gehört.


Der Gipfel des San Valentin befindet sich im äußersten Westen Chiles, nahe der Pazifikküste. Von hieraus dehnten sich die Eismassen einst 600 Kilometer nach Osten aus. Dieses Hindernis hätten die ersten Einwanderer wohl kaum überwinden können. Hierzu wäre eine moderne Ausrüstung aus Steigeisen, Eispickel und wetterfester Kleidung zwingend erforderlich gewesen. Die tückischen Stürme Patagoniens können aus einer gut geplanten Bergtour auch heute noch einen eiskalten Höllentrip machen.

In luftigen Höhen

Gespeichertes Licht

Das Eis des San-Valentin-Massivs ist ständig in Bewegung. Wegen der zunehmenden Erderwärmung und mangelnder Niederschläge ist es seit einiger Zeit auf dem Rückzug. Das Team stellt sich die Frage: Welche Ausdehnung hatte das Eis vor 12.000 Jahren, während der letzten Eiszeit?


Um diese Frage beantworten zu können, müssen sich die Forscher einen Gesamtüberblick über die Gletscherregion verschaffen. Nachdem die Besteigung des Massivs wegen der stürmischen Wetterlage scheitert, will Frank Riedel die Ausdehnung der Eisbarriere aus der Vogelperspektive erkunden. Eine zweimotorige "Piper" befördert ihn und seine Kollegen in luftige Höhen.


Erst von weit oben sieht man deutlich die Beckenseen, die die Eiszungen hinterlassen haben, umrahmt von mächtigen, bis zu 600 Meter hohen Endmoränen. Ein digitaler Abgleich der aktuellen Vergletscherung mit den offiziellen Karten ergibt, dass diese keineswegs stimmen. Die Gletscher sind in den letzten Jahren noch viel stärker abgeschmolzen als erwartet.


Zur Lösung des Rätsels um die urzeitlichen Bedingungen in der Region scheut das Team keine Mühen. Die Ausbreitung der Gletscher lässt sich an den Endmoränen erkennen und auch datieren. Dazu machen sich die Forscher zu nächtlicher Stunde auf die Suche nach einer Endmoräne, die Quarze und Feldspate enthält. In ihnen ist Licht gespeichert, dessen Alter mit der so genannten Thermoluminiszenz-Methode bestimmbar ist.

Erfolg durch Kooperation

Das Prinzip ist einfach: Seit der Gletscher seine maximale Ausdehnung erreicht hatte und zum Stillstand kam, wurde das Gestein nicht mehr der Sonnenstrahlung ausgesetzt. Die im Quarzsand verbliebene Lichtenergie gibt Aufschluss darüber, wann dies der Fall war. Voraussetzung für das Gelingen der Untersuchung ist absolute Dunkelheit bei der Entnahme des Materials.


Im Labor untersuchen die Wissenschaftler den Quarzsand mit präzisen Methoden. Die Werte geben Hinweise darauf, dass die letzte maximale Vereisung vor weit mehr als 12.000 Jahren stattfand und weniger ausgedehnt war, als bisher angenommen. Daraus ergibt sich, dass zur Zeit der Monte-Verde-Kultur auch hier Leben bereits möglich war.







Die Gletscher reichten damals nicht bis an die Küste heran. Der Zwischenbericht gibt Tom Dillehays Thesen weiteren Auftrieb. Die Richtigkeit seiner Datierung und seiner daraus abgeleiteten Theorie wird dank der vielfältigen Untersuchungen des deutschen Forscherteams immer wahrscheinlicher. Die internationale Zusammenarbeit trägt Früchte.




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