Baustelle des Jahrhunderts

Nach anfangs unklarer politischer Lage startet de Lesseps durch

Am 17. Januar 1863 erreicht Ferdinand de Lesseps eine dramatische Nachricht. Sein Freund, der Vizekönig Said, sei schwer krank und wenn er ihn noch einmal lebend sehen wolle, dürfe er keine Minute verlieren.

Nach hartem 24-stündigem Ritt trifft de Lesseps in Alexandria ein. Doch er kommt zu spät. Bereits am Morgen des 18. Januar ist Said gestorben.

Saids Schutz fällt weg

De Lesseps bittet darum, allein vom Herrscher Ägyptens, seinem Freund und Weggefährten, Abschied nehmen zu dürfen. Über eine Stunde verweilt er an der Seite des Toten. Ohne diesen Mann wäre sein Kanal nie begonnen worden. All die Jahre hat er dem politischen Druck weit mächtigerer Staaten standgehalten. Nun kann er die Vollendung seines Traumes nicht mehr erleben. Doch was wird jetzt - ohne Saids Schutz? Der Neffe des Verstorbenen, der 32-jährige Ismael Pascha wird neuer Herrscher und einiges grundlegend ändern.

Ismael bestätigt zwar die Konzession. Doch in Wirklichkeit wartet er nur auf einen günstigen Moment, um die Bedingungen neu zu verhandeln. Inzwischen arbeiten 50.000 Ägypter für de Lesseps. Offiziell gelten sie als frei, doch in Wahrheit ist es vom Pascha befohlene Zwangsarbeit.

Verfahrene Situation

Für die Engländer ein willkommener Anlass. Sie schüren eine Kampagne gegen de Lesseps, diffamieren ihn als Sklaventreiber und üben Druck auf Konstantinopel aus. Der türkische Sultan beugt sich und verbietet die Jahrtausende alte Zwangsarbeit in Ägypten. Ismael lässt die Fellachen sofort abziehen und fordert die Rückgabe der zum Bau des Kanals überlassenen Ländereien. Doch de Lesseps wehrt sich, fordert Entschädigung für die vertraglich zugesicherten Arbeitskräfte. Es ist eine verfahrene Situation - und das Ende des Kanals?


Nach zähem Ringen ist Ismael einverstanden, den französischen Kaiser um einen Schiedsspruch zu bitten. Eine große Chance für de Lesseps. Seine Cousine Eugenie, die Gemahlin des Kaisers, verspricht, ihren Mann zu überzeugen. Und Napoleon der Dritte verkündet, Ismael schulde de Lesseps eine Entschädigung für den Verlust der vertraglich zugesagten Arbeitskräfte. Der ägyptische Vizekönig fügt sich und zahlt 84 Millionen Franc.

Gigantische Schwimmbagger

Endlich hat de Lesseps genügend Kapital. Jetzt kann er die umfassende Mechanisierung planen: Dampfbetriebene Bagger und Kräne, Mischmaschinen und Traktoren, Wasserpumpen, Dampfboote und Förderbänder. In Frankreich konstruieren die Ingenieure eigens für den Suezkanal gigantische Schwimmbagger. Eine endlose Kette von Eimern schöpft den Schlamm aus dem Kanalbett. Über Förderbänder wird der Abraum am Ufer aufgeschüttet.

Eine mächtige Flotte der dampfgetrieben Schaufelmaschinen mit bis zu 10.000 Pferdestärken frisst sich in rasanter Geschwindigkeit durch die Wüste und macht aus der kleinen Rinne einen schiffbaren Kanal. Noch nie zuvor hat es so etwas gegeben, noch nie hat die Welt eine bautechnische Leistung dieser Größe gesehen. Doch noch liegen 20 Kilometer vor de Lesseps - und ein gigantischer Felsriegel zwischen dem Roten Meer und den Bitterseen versperrt den Weg.

Gefährliche Epidemien

Im Jahr 1868 arbeiten trotz unzähliger Maschinen noch über 10.000 Menschen an der Baustelle des Jahrhunderts. Entlang des Kanals entstehen neue Städte für die Verwaltung der Compagnie und die ägyptischen Familien der Arbeiter. Die Suezgesellschaft richtet Schulen und Krankenstationen ein. Doch die Ärzte können nicht verhindern, dass vor allem in den arabischen Vierteln immer wieder gefährliche Epidemien ausbrechen.

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