Bedrohte Regenwälder

Waldflächen mit wichtiger Schutzfunktion für das Weltklima

Sommer 2012. Florida, USA: Hurrikan "Isaac" gefährdet den Wahlkampfauftakt der Republikaner für die Präsidentschaftswahlen im Herbst. Der Tropensturm behindert auch die Ölförderung im Golf von Mexico – mit spürbaren Folgen für die Spritpreise an Deutschlands Tankstellen. Für die steigende Zahl heftiger Starkwetter-Ereignisse machen Experten den Klimawandel verantwortlich. Der Raubbau am Waldbestand der Erde gefährdet die Schutzfunktion der Waldflächen für das Weltklima unmittelbar.

Der Waldbestand der Erde speichert das Treibhausgas Kohlendioxid und ist zugleich ein wichtiger Sauerstoffproduzent. Er bedeckt mit vier Milliarden Hektar fast ein Drittel der gesamten Festlandfläche. Jedes Jahr gehen jedoch 13 Millionen Hektar Wald verloren. Das entspricht einer Fläche in der Größe von 35 Fußballfeldern pro Minute. Die Ursachen sind illegale Abholzung, Brandrodung sowie die Umwandlung in Bau- und Agrarland.

Lebensräume von unschätzbarem Wert

Wälder sind die artenreichsten Lebensräume der Welt. Sie geben ungezählten Tier- und Pflanzenarten eine Heimat. Und sie bieten zugleich Millionen von Menschen der unterschiedlichsten Nationen Existenzgrundlage, Nahrung und Auskommen. Nach Schätzung von Experten leben mehr als 60 Millionen Menschen in enger Verbindung mit dem Wald und sind von ihm abhängig. Wälder besitzen wichtige Funktionen zur Verhinderung von Bodenerosion, als Wasserspeicher, beim Lawinenschutz und zur Stabilisierung von Wüsten und Küstenregionen. Daher bestehen Überlegungen, den Schutz der Dschungel und Urwälder und vor allem der Regenwälder auf der südlichen Erdhälfte in zukünftigen Klimaschutzabkommen einzubeziehen.

Urwälder bedecken nur noch ein Drittel der vorhandenen Waldregionen; Wälder, die von menschlichen Eingriffen weitgehend unberührt geblieben sind. Ihr Anteil an der Gesamtfläche geht vor allem in Afrika, Südamerika und in Indonesien dramatisch zurück. Wichtige Länder in Südamerika, doch auch China, Indien und in Europa: Spanien unternehmen große Anstrengungen, um durch Aufforstungen ihren nachwachsenden "Rohstofflieferanten Wald" zu erhalten. Besonders China investiert viel, um Schutzwälder gegen die Austrocknung und Verwüstung weiter Landesteile anzulegen. Doch Fachleute geben zu bedenken, dass Plantagen und junge Wälder nicht den biologischen Wert und die gewachsene Artenvielfalt der Urwälder erreichen.

Abholzung im Regenwald
Der Hunger nach Ressourcen wächst: begehrtes Holz aus dem Regenwald

Waldverlust als Kippelement der Klimaentwicklung

Wälder können die Erwärmung des Weltklimas aufhalten. Doch der Temperaturanstieg bedroht auch die Urwälder. Der Klimawandel könnte ganze Regionen verändern, indem er einen begrenzten Lebensraum, sein typisches Klima und die daran angepasste Artengemeinschaft verschwinden lässt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Wandel nicht überall auf der Erde mit gleicher Geschwindigkeit eintritt, dass jedoch so genannte Kippelemente ins Spiel kommen könnten. Veränderungen einzelner, begrenzter Gebiete könnten den Wandel beschleunigen und unumkehrbar machen. Im Jahr 2005 herrschte im Süden und Westen des Amazonasbeckens eine Dürre. Zwar konnte sich dieser Teil des größten tropischen Urwaldgebietes der Welt in den Folgejahren erholen, doch zeigte sich eine beunruhigende Erscheinung.

Unter Trockenstress wandelt sich der Wald vom Kohlendioxid-Speicher zum Kohlendioxid-Produzenten. Bei andauernden Dürreperioden könnten sich Teile des Regenwaldes in Busch und Grasland verwandeln. Die Folgen sind weitere Austrocknung und Verödung. Brandrodung und großflächiger Holzeinschlag sind für die Tierwelt und für die im Urwald lebenden Menschen die größte Gefahr. In Brasilien existieren schätzungsweise 70 indigene Völker, die in kleinen Gruppen abgeschottet von der modernen Zivilisation im Regenwald überdauert haben. Sie leben wie vor Tausenden von Jahren im Einklang mit dem Regenwald. Um sie vor Holzfällern und Goldsuchern zu bewahren, hat die Regierung ihre Jagdgründe per Gesetz zu Schutzzonen erklärt.

Die Ansätze sind da

August 2012. Im Regenwald Brasiliens wird mitten im Stammesgebiet der Waiapiindianer eine Klinik für die Waldmenschen eingeweiht. Vertreter der Regierung und der deutsche Menschenrechtler Rüdiger Nehberg sind vor Ort. Das Volk der Waiapi wurde vor 45 Jahren entdeckt, als eine Straße durch den Regenwald gebaut wurde. Heute zählt er weniger als 1000 Menschen. In seiner Rede spricht Häuptling Kaitona davon, wie wichtig der Wald für sein Volk ist, und dass sie glücklich sind, wenn sie das Land der Weißen nicht betreten müssen. Rüdiger Nehberg ist überzeugt: Die Sorge für die Gesundheit der Waiapi ist auch ein Beitrag zum Schutz des Dschungels. Sie bewahren mit ihrer Kultur wichtiges Überlebenswissen. Solange die Indianer ihr Land durchstreifen, ist es durch das Gesetz vor Holzspekulanten und Glücksrittern geschützt.

Versammlungshaus der Maori
Versammlungshaus der Maori im Museum für Völkerkunde Hamburg

Im Museum für Völkerkunde in Hamburg arbeitet zur gleichen Zeit eine Gruppe von Maori an der Erneuerung eines alten Holzhauses ihrer Vorfahren, das vor mehr als 100 Jahren den Weg nach Hamburg ins Museum fand. Für die Maori ist es die Begegnung mit einem Teil ihrer Ahnen. Sie wissen, wie die Tätowierungen, die sie als Angehörige der Urbevölkerung von Neuseeland am Körper tragen, ist auch dieses Haus Teil ihrer Kultur. Für sie ist es ein "Rauru". Es trägt den Namen eines wichtigen Ahnen, der einst in diesem Haus lebte und dessen Seele weiter darin wohnt. Jedes ihrer Versammlungshäuser besitzt bei den Maori einen Namen. Seine einzelnen Teile sind wie die Glieder eines Körpers. Eine Giebelfigur und eine Maske krönen den Baukörper am First. Das gemeinsame Haus ist Ausdruck ihrer Verbindung zur Natur und ein wertvoller Teil des Weltkulturerbes.

Tipp: Am 7.Oktober wird das fertig gestellte Maorihaus im Museum für Völkerkunde Hamburg mit einer Feier neu eröffnet. Zeitgleich bietet der Südsee-Saal des Hauses eine Fotoausstellung aus dem historischen Bestand zur Kultur der Maori.

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