Bedrohte Wasserwelten

Treibhausgase und Müll gefährden Meere und Gewässer

Sommer 2012. In Asien verwüsten schwere Unwetter die Ostküste Chinas und die Philippinen. Im Sudan und in Bangladesch versinkt das Land entlang der Flussläufe in immer neuen Regenfluten. Während in weiten Teilen Südeuropas nach wochenlangen Hitzewellen die Gewässer versiegen, Waldbrände wüten und Trinkwasser zur Mangelware wird.

Vor 20 Jahren weckte die erste Welt-Klima Konferenz der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro große Hoffnungen. Nie zuvor waren so viele Delegationen und führende Politiker unterschiedlicher Länder zusammengekommen, um über ein großes Ziel zu beraten: Die Umwelt- und Entwicklungspolitik aller Staaten zu koordinieren und ihre Anstrengungen für den Klimaschutz auf verbindliche Ziele zu verpflichten. In Rio wird der Klimawandel als große Herausforderung für die Zukunft bezeichnet, der sich die Vereinten Nationen gemeinsam stellen müssen. Der Klima-Konvention von Rio folgt 1997 in Japan das Kyoto-Protokoll, das wichtige Industrie-Nationen wie die USA jedoch nicht unterzeichnen. Über seine Verlängerung und die weiteren konkreten Ziele muss die UN-Klimakonferenz Ende 2012 in Katar beschließen.

Klimaveränderung als Gefährdung

Das Kyoto-Protokoll ist die bisher einzige völkerrechtlich gültige Grundlage des Welt-Klimaschutzes. Es enthält vor allem die Verpflichtung zu einer Verringerung der Treibhausgase, die von den einzelnen Industrienationen in die Atmosphäre entlassen werden dürfen. Besonders Kohlendioxid (CO2), das bei der Verbrennung fossiler Energieträger entsteht, ist verantwortlich für die Erwärmung des Erdklimas. Eine Folge davon, die alle Küstenbewohner zu spüren bekommen, ist der weltweite Anstieg des Meeresspiegels. In den vergangenen hundert Jahren betrug er rund um den Globus durchschnittlich 20 Zentimeter. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich diese Entwicklung beschleunigt. Ursachen sind neben der allgemeinen Ausdehnung der Wassermasse durch die Erwärmung verstärkte Zuflüsse von schmelzenden Gletschern und das Abschmelzen der Eiskappen an den Polen.

Tiefliegende Küstenregionen und Inselgruppen sind durch diese Entwicklung unmittelbar bedroht. Ebenso wie die Heimat der "Seenomaden": die Flachwassergebiete und Riffs um Malaysia und die Philippinen. Im politisch brisanten Grenzgebiet zwischen Indien und Bangladesch löste der Anstieg des Meeresspiegels einen Gebietskonflikt auf radikale Weise: Eine neun Quadratkilometer große unbewohnte Insel in der Bucht von Bengalen, die jedes der beide Länder für sich beanspruchte und deren Ufer noch vor wenigen Jahrzehnten zwei Meter über dem Meeresspiegel lagen, versank im Meer. Besondere Gefahr besteht in den großen Flusstälern und ihren oft dicht besiedelten Mündungsgebieten. Zunehmend treiben Unwetter vom Meer her Salzwasser tief ins Landesinnere und stauen das abfließende Wasser der Flüsse. Verheerende Überschwemmungen vernichten Ernten und kostbares Ackerland.

Müll gefährdet Meere und Gewässer

Der Reaktorkatastrophe von Fukushima in Japan gingen ein Seebeben vor der Küste und Riesenwellen voraus, mit deren Stärke die Experten nicht gerechnet hatten. Als das Meer sich zurückzieht, reißt es gewaltige Mengen von Müll mit sich. Autos, ganze Gebäude, Fischerboote und Dörfer treiben als Trümmer auf die offene See hinaus. Dort bilden sie einen gewaltigen schwimmenden Teppich. Weniger als ein Jahr vergeht bevor die Müllflut des Tsunami-Schrotts vor den Küsten Kanadas und der USA auftaucht. Teile des Abfalls wurden unterwegs von den Wellen zerrieben und sinken auf den Grund. Anderes bildet im Wasser riesige Müllwirbel, die mit der Strömung und dem Wind über den Pazifischen Ozean getragen werden. Wissenschaftler und Küstenwachen sind alarmiert. Aus der Luft und über Satellit verfolgen sie mit Hilfe von ausgesetzten Markierungsbojen den Weg des Unrats und geben Warnungen für Schifffahrt und Fischerboote heraus.

Angeschwemmter Plastikmüll am Strand von Hennestrand in Dänemark
Plastikmüll am Strand von Dänemark

Winzige Plastikrädchen aus amerikanischen Klärwerken, tausendfach gefunden an den Stränden Europas beweisen, dass das Problem auch vor unserer Haustür nicht halt macht. Müll von Schiffen, aus Abwässern und ungeklärten Einleitungen wird zur wachsenden Belastung für Meere und Gewässer. Plastikabfall erweist sich als die nachhaltigste Bedrohung. Zu feinsten Teilchen zerrieben gelangen die oft giftigen Stoffe in die Nahrungskette von Fischen und Menschen. Fisch ist überall auf der Welt eine wichtige Nahrungsquelle. Immer mehr moderne Fabrikschiffe leeren die Fanggründe; oft weit entfernt von ihren Heimathäfen in fremden Gewässern. Gerade die ärmsten Länder der Welt sind dagegen machtlos und müssen aufgeben. Die Fischer um Fukushima stehen aus anderen Gründen vor dem Aus. Ihr Fang ist radioaktiv verstrahlt und dient nur zu wissenschaftlichen Zwecken.

Die Ansätze sind da

Auch zwanzig Jahre nach dem ersten Treffen von Rio steht der Klimaschutz noch am Anfang. Wichtig ist, Ende 2012 in Katar Lösungen für die Fortführung der im Kyoto-Protokoll angestoßenen Anstrengungen zum Klimaschutz zu erreichen. Ziel muss sein auch Länder wie die USA und China mit ins Boot zu holen und die Schwellenländer stärker in den Ausbau des Klimaschutzes einzubinden. In einem Punkt geben die Meeresforscher Entwarnung: Die zunehmende Erderwärmung wird den Golfstrom in den Ozeanen nicht zum Erliegen bringen. Auch wenn sich die Ströme verändern, eine neue Eiszeit bleibt der Erde vorerst erspart. Der Anstieg der Meeresspiegel wird sich jedoch weiterhin regional unterschiedlich fortsetzen. Technologietransfer und gemeinsame Anstrengungen sind ein Erfolg versprechender Weg den Problemen zu begegnen. Ebenso wie bei der Bewältigung der Müllprobleme auf den Weltmeeren.

Die Gründung regionaler Initiativen zur Bekämpfung von Plastikmüll ist überall auf der Welt ein erster Schritt. Fangquoten für bedrohte Fischarten sind ein Weg die Meere vor Überfischung zu schützen. Doch erst wenn auch Nationen wie China auf Raubfischerei vor der afrikanischen Küste verzichten, kann wirklicher Fortschritt bei der Rettung der Artenvielfalt in den Weltmeeren erzielt werden. Um den Klimaschutz zu verbessern startete das Bundesministerium für Bildung und Forschung Projekte, um die Tauglichkeit des sogenannten CO2-Fußabdrucks zu testen. Sie dienen zur Ermittlung umweltschonender Produkte und Herstellungsverfahren. Ziel ist, den CO2-Ausstoß auf allen Ebenen der Produktion zu ermitteln und zu verbessern. Wird das Projekt ein Erfolg, so sind damit kleine doch wichtige Schritte zur Reduzierung der Treibhausgase möglich. Schritte, die helfen, den Lenbensraum an Meere und Gewässer zu schützen.

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