Bedrohter König des Dschungels

Mythos und Wahrheit über den Tiger

Der Bengaltiger oder Königstiger ist Indiens Nationalsymbol - ein Bewohner des Dschungels, der von vielen Menschen bewundert und verehrt, von einigen aber auch als menschenfressende Bestie gefürchtet wird. Was ist dran an diesem schlechten Ruf? Wie gefährlich sind die majestätischen Raubkatzen wirklich?

Tiger im Sprung
Tiger im Sprung Quelle: ZDF

Die größte Katze der Welt muss für ihren Jagederfolg hart arbeiten. Denn die Beute ist ständig auf der Hut. Hirsche zum Beispiel sind exzellente Läufer. Ihnen hilft ein besonderer Körperbau: Starke Muskeln bewegen filigrane Knochen mit explosiver Sprungkraft. Der Tiger hat auf langen Strecken das Nachsehen.

Angriff aus dem Hinterhalt

Seinen massigen Körper stützt ein robuster Knochenbau. Kraft ist die Waffe des Tigers, um seine Beute zu überwältigen - nicht ausdauerndes Nachlaufen. Anders als verwandte Raubkatzen in Afrika hetzt er seine Beute nicht. Damit er sich nicht schon beim ersten Versuch verausgabt, muss der Tiger mit seiner Energie haushalten.
Dazu verfolgt er eine besondere Strategie: die Attacke aus dem Hinterhalt. Jeder Gegner, vom dem zu viel Gegenwehr zu erwarten ist, wird gemieden. Denn die bei aussichtslosen Kämpfen verlorene Kraft könnte bei einer passenden Gelegenheit später den Erfolg kosten. Der Tiger ist also ein kühler Kalkulierer. Menschen, die ihm den Rücken zuwenden, sind aus seiner Sicht leichte Beute. Sobald er aber entdeckt wird, muss er Widerstand fürchten und überlegt er sich den Angriff.

Tigermaske als Schutz

Dirk Steffens mit Gesichtsmaske von hinten im Dschungel
Dirk Steffens mit Tigermaske Quelle: ZDF

Mit einem Trick, der sich dieses Verhalten zunutze macht, können sich Menschen vor Angriffen schützen: Sie tragen eine Maske auf dem Hinterkopf, die ein Gesicht zeigt. Das signalisiert: Ich wehre mich. Die Chance, einer Tigerattacke zu entgehen, erhöht sich dadurch beträchtlich. Weil in den Sunderbans jedes Jahr immer noch ungefähr zwei Dutzend Menschen von Tigern getötet werden, ist für die Waldarbeiter dort das Tragen einer Gesichtsmaske seit 1994 Pflicht.

Dennoch: Der ärgste Feind des Tigers ist und bleibt der Mensch. Obwohl viele Hindus den Tiger als Reittier der Göttin Durga verehren, haben Jäger Indiens Tigerpopulation auf eine kleine Gruppe dezimiert. Wilderei, schrumpfender Lebensraum und die Jagd nach Trophäen haben dazu geführt, dass die größte Katze der Welt heute vom Aussterben bedroht ist. Weltweit gibt es nur noch etwa 3200 wilde Tiger.

Fast ausgerottet zum Vergnügen

Ausgestopfter Tiger an der Wand
Tigertrophäe Quelle: ZDF

Die Trophäenjagd gibt es in Indien inzwischen nicht mehr. In früheren Zeiten gehörte es, wenn zum Beispiel ein nobler Gast aus Europa einen indischen Maharadscha besuchte, zum guten Ton, dass man auch einmal gemeinsam auf einen Tiger schoss. Wände im Palast von Bikaner, die mit den ausgestopften Raubkatzen voll gehängt sind, dokumentieren, womit sich die feinen Herren früher vergnügten: Auf Treibjagden wurden ihnen die Tiger vor die Flinten gescheucht. Das waren schon damals keine Heldentaten - heute sind von ihnen nur Staubfänger geblieben.

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