Bedrohtes Riff

Ist Australiens Unterwasserwelt in Gefahr?

Das Great Barrier Reef vor der Nordostküste Australiens ist das größte Bauwerk, das Lebewesen je geschaffen haben. Seine Baumeister, die Korallentierchen, schufen hier einen weltweit einzigartigen Lebensraum, der unzählige Arten von Meeresbewohnern beherbergt. Doch das empfindliche Ökosystem hat mit Bedrohungen zu kämpfen. Zu seinen Feinden zählt ein räuberischer Seestern.

Überflug über das Great Barrier Reef, Australien
Das Great Barrier Reef ist vom Weltall aus mit bloßem Auge sichtbar. Quelle: ZDF

Geologisch betrachtet befindet sich Australien in einer Ruhezone. Der ganze Kontinent liegt wie ein Berg in der Mitte der Australischen Platte - geschützt durch eine Art kontinentale Knautschzone. Nur aufgrund dieser ruhigen Lage konnte hier das größte Korallenriff der Erde entstehen. Jede Unruhe hätte seine Entwicklung behindert.

Artenvielfalt unter Wasser

Das Große Barriereriff, so der deutsche Name, erstreckt sich heute über 2300 Kilometer. Erbaut wurde es von winzig kleinen Tieren, den Korallen, von denen man hier über 350 Arten gezählt hat. Das Baumaterial ist ein Abfallprodukt: Die Korallen sondern Kalk ab, der sich mit der Zeit ansammelt und ein Felsenlabyrinth entstehen lässt. Die vielen Höhlen, Winkel und Gänge bieten über 10.000 Arten von Meeresbewohnern Lebensraum - und manchen Schutz vor Gefahr.

Die Korallen selbst sind jedoch schutzlos, wenn ein anderer Räuber das Riff heimsucht: Der giftige Dornenkronenseestern ernährt sich vom Korallenstock. Er stülpt seine Verdauungsorgane nach außen und saugt die Korallenpolypen aus dem Kalkgerüst heraus. Der Seestern, der auch "Heuschrecke der Meere" genannt wird, vermehrt sich unter bestimmten Voraussetzungen tatsächlich heuschreckenartig. Dann fallen die Dornenkronen millionenfach wie ein Schwarm über ein Korallenriff her und lassen nur Skelette zurück.

Robuste Räuber

Dornenkronenseestern auf Korallenriff
Der Dornenkronenseestern grast auf Nahrungssuche ganze Riffe ab. Quelle: ZDF

Die Tiere sind schwierig zu bekämpfen, da sie gut regenerieren können. Das heißt, selbst wenn man sie zerstückelt, können einzelne Teile überleben und komplette neue Sterne ausbilden. So bleibt bei einer Plage nur die Möglichkeit, die Tiere durch Taucherpatrouillen einsammeln zu lassen. Wegen ihrer giftigen Stacheln ist dies jedoch ein heikles Unterfangen.

Der Dornenkronenseestern profitiert von einer Entwicklung, die das Riff von anderer Seite bedroht. Denn in der Nähe der Küste zeigt sich heute ein trauriges Bild: Die Korallen werden von Schlamm bedeckt. Dieser Schlamm ist der ideale Nährboden für die Larven des Seesterns. Sie ernähren sich von Algen, die hier prächtig gedeihen, denn mit dem Schlamm werden Düngemittel ins Meer eingeschwemmt.

Landwirtschaft kontra Naturschutz

Die Flüsse im Nordosten Australiens transportieren die gefährliche Fracht. Überall, wo die Niederschlagsmenge es zulässt, sind seit Ankunft der Europäer vor 200 Jahren Felder entstanden. Weite Teile der Ostküste sind mittlerweile für Farmland gerodet. Die geologische Ruhe Australiens wird hier jedoch zum Fluch. Wind und Wetter haben die Böden ausgewaschen. Es gibt kaum Vulkanismus und Auffaltungen, die neue Mineralien aus der Tiefe fördern könnten.

Luftaufnahme des schlammigen Wassers am Great Barrier Reef
Satellitenbild: Schlammeinträge am Great Barrier Reef Quelle: ZDF

Die Farmer reagierten mit dem Einsatz von Düngemittel. Mit dem jährlichen Monsunregen wird nun der Schlamm von den Feldern, vermengt mit Dünger, über die Flüsse in die Küstengewässer gespült und bedroht dort das Korallenriff. Beschleunigt wird der Vorgang noch dadurch, dass die Bäume als Erosionsschutz fehlen. Wenn das Korallenriff stirbt, geht für Australien nicht nur ein unvergleichliches Ökosystem, sondern auch ein wichtiger Küstenschutz verloren. Denn bei Sturm bremst das Riff die unbändige Kraft des Pazifiks.

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