Begegnung zweier Kulturen

Römer erobern Pantelleria

Karthagos kleine Schwester wird in der vierten Grabungskampagne durch neun Schnitte erforscht. Dazu kommen Einzeluntersuchungen wie die Zisternen unter der einstigen Agora. Nur wenige sind bereits ausgegraben. Andere sind noch bis oben hin vom Müll der Jahrhunderte zugeschüttet. Die Forscher stoßen auch auf römische Befestigungsanlagen.

Die Öffnungen der Zisternen waren bewusst eng gehalten, um eine Verdunstung des Wassers zu verhindern. Die Umrandung ist noch gut erhalten.

Insel ohne Süßwasser

Der Innenraum wurde vor zwei Jahrtausenden so perfekt wasserdicht verputzt, dass er noch heute das Regenwasser sammelt. Überlebenswichtig auf einer Insel ohne Süßwasserquellen. Mit Decksteinen verrriegelten die Karthager nach dem Bau die Zisterne.


Vom Hafen her führte eine breite Straße in Serpentinen zur punischen Festung. Die Rampe endete am Haupttor der Stadtmauer. Im Schnitt drei wird ein Torbereich aufgedeckt: Auch zentnerschwere Steinblöcke halfen nicht, als die Römer im Ersten Punischen Krieg 264 bis 241 vor Christus den karthagischen Stützpunkt einnahmen.

In Eile errichtet

Grabungsleiter Pierfrancesco Vecchio ist auf mächtige Torwangen gestoßen und zeigt dem Tübinger Archäolgen Schäfer die Scharnierlöcher. Mitten auf der Straße zum punischen Stadttor erhebt sich eine fünf Meter hohe Mauer, die offensichtlich nach der Eroberung in Eile von den Römern errichtete Bastion. Dies ist ganz exemplarisch die Begegnung zweier Kulturen. Es gibt eine römische Verteidigungsmauer und die sitzt unmittelbar auf der karthagischen Straße.


Eine karthagische Straße als Fundament für eine römische Festung. Der Bau hatte wohl nicht nur strategische Gründe. Die Bastion muss von weit her von See aus sichtbar gewesen sein. Ein gewaltige Machtdemonstration Richtung Afrika und Karthago. Warum?

Triumphzug in Rom

In einer Zisterne in fünf Meter Tiefe gibt es einen Sensationsfund: ein perfekt erhalterner Marmorkopf wird entdeckt. Das Diadem kennzeichnet sie als Kaiserpriesterin. Die Dame ist Antonia Minor, eine Nichte des Kaisers Augustus.


Am 18.Januar 254 vor Christus gibt es einen Triumphzug in Rom für die Konsuln, die das antike Cossyra erobert haben. Die Ehrung zeigt, welche Bedeutung die Römer der Besetzung zumaßen. Quellen belegen den Triumph über Pantelleria, das antike Cossyra. Und wie er gefeiert wurde. Es war ein sehr wichtiger Punkt auf dem Weg nach Afrika. 216 wurde die Besatzung stationiert, im Jahr 202 wird die entscheidende Schlacht auf afrikanischem Boden stattfinden. Man kann sich vorstellen, dass Pantelleria - oder besser Cossyra eine sehr bedeutende Rolle in diesem Krieg gespielt hat.

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