Begehrte "Lifestyle"-Objekte

Blühender Handel mit Mumien

Unweit der Niagara-Fälle liegt ein unbekannter Toter in einem Museum aus dem Jahr 1827 zwischen bizarren Objekten. Das Haus ist eine Mischung aus konventioneller Ausstellung und Grusel-Show. Unerkannt erträgt er die Blicke neugieriger Touristen. Sie ahnen nichts von seinem gottgleichen Rang. Die Mumie ist Teil einer kuriosen Sammlung in Kanada.

Im 19. Jahrhundert wecken die Ausstellungsgegenstände im Museum vor allem das Interesse am fernen Ägypten. Es gilt als chic, ins Land am Nil zu reisen und die Sehenswürdigkeiten vor Ort in Augenschein zu nehmen.

Schwunghafter Handel

Besonders Mumien stehen hoch im Kurs. Zahllose Gräber werden für die neugierigen Ausländer geöffnet. Neben vielen Europäern kommen auch Besucher aus Übersee. Ein schwunghafter Handel beginnt. Das Angebot an einbalsamierten Körpern scheint unerschöpflich. Mögliche Skrupel der Einheimischen verblassen rasch bei der Aussicht auf gute Geschäfte.




Der Totenkult im Reich der Pharaonen beginnt vor knapp 5.000 Jahren. Schon in den frühen Pyramiden geben detaillierte Hinweise Aufschluss über die Vorstellung vom Jenseits. Endlose Inschriften erzählen vom Leben in paradiesischen Gefilden. Die Verse gelten als die frühesten religiösen Texte der Menschheitsgeschichte. Der Überlieferung nach ist der Tod nicht mehr als eine Phase des Übergangs. Die Alten Ägypter glaubten, die Seele des Verstorbenen begebe sich auf eine Reise zu den Göttern.

Gefragte Mumienmacher

Wenn ein Mensch das Leben aushaucht, verlässt ihn Ba, die Seele - in Gestalt eines Vogels. Nachts reist sie auf der Barke des Sonnengottes durch die Unterwelt, tagsüber kehrt sie in den Körper zurück. Die Wiedervereinigung gelingt aber nur dann, wenn die sterbliche Hülle des Toten unversehrt bleibt. Mumienmacher hatten demnach Hochkonjunktur. Ihre Werkstätten lagen am Nil, denn zum Waschen der Leichen brauchten die Balsamierer große Mengen Wasser. Dann entfernten sie das Gehirn und die inneren Organe - mit Ausnahme des Herzens. Das Erfolgsrezept für die Ewigkeit: Natronsalz und Erdpech, duftende Harze und Öle.

Dennoch sollte vielen Verstorbenen eine ungestörte Totenruhe verwehrt bleiben. Zu Pulver verarbeitet, gelten Mumien seit dem Mittelalter als Wundermittel gegen Kopfschmerzen oder Impotenz. Und im 19. Jahrhundert avanciert das Auswickeln alter Ägypter sogar zum beliebten Partyspaß in England. Die begehrten Objekte gelangen oft über dunkle Kanäle in die Salons der High Society.

Glänzende Kontakte

Auch Dr. James Douglas besorgt Mumien - im Auftrag des Museums an den Niagara-Fällen. Der kanadische Physiker ist ein Kenner Ägyptens. Er verfügt über glänzende Kontakte - etwa zu Mustapha Aga: Der ägyptische Diplomat ist eine dubiose Figur und erweist sich auch bei speziellen Anfragen als äußerst hilfreich. Mustapha Aga ist Hehler und Komplize der Rassul-Familie, die ein Versteck mit Königsmumien gefunden hatte.


Ein ägyptischer Spielfilm stellt nach, wie die berüchtigten Rasul-Brüder den Schatz bei Deir el Bahari 1875 entdeckten: Sarkophage mit Königsmumien wohin das Auge blickt. Ein wissenschaftlicher Glücksfall, doch die Grabräuber interessiert nur der materielle Wert. Rücksichtslos brechen sie die Särge auf und plündern sie. Wenig später wirbt das Museum an den Niagara-Fällen mit einer neuen Attraktion: Antiquitäten aus dem fernen Ägypten, darunter auch einige ausgewickelte Mumien.

Gänsehauteffekt

Die exotischen Schaustücke sorgen beim Publikum für Gänsehaut - ähnlich wie ein begehbares Walskelett gleich nebenan. In hundert Jahren muss die bunt zusammen gewürfelte Schau fünf Umzüge des beliebten Museums überstehen.

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